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17. Dezember 2011

Liebskummer ist Privatsache

Im Job bleibt Beziehungsstress tabu.

  1. So schwer ein Liebesaus auch fällt, die Arbeit darf darunter nicht leiden. Foto: tmn

Eine Trennung schmerzt. "Bei vielen Menschen ruft der Schlussstrich mit dem Lebenspartner sogar eine existenzielle Krise hervor", sagt die Diplompsychologin Birsen Köse. Doch im Berufsalltag kann darauf selten Rücksicht genommen werden. Wer Liebeskummer hat, sollte versuchen, seine privaten Problemen zu Hause zu lassen und den Job als Ablenkung zu begreifen. Vielleicht ist das Büro sogar eine Möglichkeit, das angeknackste Selbstbewusstsein wieder aufzupolieren.

Eine Trennung ist in der Regel kein Grund, nicht bei der Arbeit zu erscheinen. Sonderregeln gelten nur, wenn der Partner stirbt. Dann gebe es die Möglichkeit, sich mehrere Tage vom Arbeitgeber freistellen zu lassen, so Köse. Gesetzliche Grundlage dafür sei Paragraf 616 des Bürgerlichen Gesetzbuchs. Außerdem gebe es in Tarifverträgen explizite Regelungen für solche Sonderfälle.

Viele Arbeitnehmer seien bei Liebeskummer aber regelrecht froh, dass sie im Job Routine finden, während es im Privatleben kriselt. Auch die Psychotherapeutin Anna Schoch ist überzeugt: "In dieser Situation gibt es gar nichts Besseres als einen Job, der einen fordert. Arbeit ist das beste Heilmittel." Sie rät dazu, die Trennung nicht nur negativ zu sehen, sondern als Gelegenheit zu begreifen, um die Karriere anzukurbeln. Eine beendete Partnerschaft schaffe Raum, sich dem Beruf in anderer Intensität zu widmen, Projekte anzustoßen oder Überstunden zu machen. Einerseits sei nun mehr Zeit für den Beruf vorhanden. Andererseits werde vermehrt nach Erfolgserlebnissen gestrebt, es müsse weniger Rücksicht auf das Privatleben genommen werden. Köse rät dazu, sich bei den Erfolgserlebnissen realistische Ziele zu setzen. Schon kleine Dinge – wie eine Besprechung vorzubereiten oder eine Präsentation zu halten – können helfen, das Selbstbewusstsein aufzupäppeln.

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Bei Liebeskummer sind aber auch die Kollegen gefragt: Denn nach einem durchweinten Wochenende können sie das Dilemma meist gar nicht übersehen. Laut Köse tun floskelhafte Sprüche wie "Zeit heilt alle Wunden" gut. Wichtig sei, dem Trauernden zu vermitteln: "Du lieferst gute Arbeit, für die du geschätzt wirst."

Der Betroffene sollte jedoch darauf achten, dass seine Arbeitsleistung und die seiner Kollegen möglichst nicht unter der Trennung leidet, sagt Konfliktberater Schienle. Keinem sei geholfen, wenn ein Kollege in seiner Arbeit durch die privaten Belange anderer gestört werde.Er empfiehlt daher, die Kollegen etwa in der Mittagspause in das Beziehungsende einzuweihen. Eine Alternative sei, das Dienstende abzuwarten und von den Kollegen niemanden auszuschließen. Denn das könne in der Abteilung zu Irritationen führen.

Wer es vor Kummer überhaupt nicht schafft, seine Arbeit zu bewältigen, sollte das Gespräch mit dem Chef suchen, rät Schienle. Wichtig sei, sich realistisch einzuschätzen. Sind die privaten Probleme so groß und die Arbeitsleistung so gering, dass auch ein Kollege davon betroffen ist, sollte man das ehrlich zugeben. "Man kann kein Mitleid erwarten, Verständnis aber schon", erklärt Schienle.

Ein guter Chef habe nämlich Spielräume, die er nutzen könne – trotz eigener Interessen und Ziele. Möglich sei etwa, dass der Mitarbeiter für einen bestimmten Zeitraum Verantwortung abtrete. Steht ein größeres Projekt an, könne es gerade jetzt richtig sein, einen jungen Kollegen an Führungsaufgaben heranzuführen. Ist die Krise überwunden, könne der Mitarbeiter dann voll einsteigen. Sich dem Vorgesetzten privat zu öffnen, setze aber stets ein Vertrauensverhältnis voraus.

INFO: ARBEIT LENKT AB

Nach einer Trennung können einige freie Tage helfen, wichtige Privatsachen zu klären. Dann könne man sich anschließend wieder voll auf den Job konzentrieren, rät Konfliktmanager Werner Schienle. Oft stünden organisatorische Dinge wie Wohnungsauflösung, Umzug, Gerichts- und Anwaltstermine oder die Regelung der Kinderbetreuung an. "Das kostet täglich Stunden." Neben der Arbeit bleibe zur Klärung dieser Probleme meist keine Zeit.  

Autor: dpa

Autor: tmn