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30. Juli 2011

Plan B in der Hinterhand

BZ-GASTBEITRAG: Alternativen sind gesund.

  1. Wo soll es lang gehen, wenn es beruflich mal hakt und die Einbahnstraße in der Sackgasse endet? Steht dann alles auf Stopp? In der Regel lässt sich aber eine Umleitung finden. Foto: fotolia

Eine unerwartete Änderung im Straßenverkehr ist ärgerlich, aber kein Problem. Umleitungen, Navigationsgeräte oder Ersatzverkehre bieten schnell eine Alternative. Technische Hilfen stehen aber nicht immer zur Verfügung. Daher kommt am sichersten und schnellsten derjenige ans Ziel, der vorausschauend plant und einen Plan B in der Tasche hat.

Dieses Prinzip kann auf viele Situationen des Alltags angewendet werden, insbesondere auf den Berufsalltag. Doch dominiert die ewig gleiche gedankliche Einbahnstraße: "Mein gewohnter Weg ist der Richtige und kein anderer." Im plötzlichen Fall eines Falles bleibt dann oft nur die Vogel-Strauß-Taktik.

Das hat Folgen, insbesondere für die Gesundheit. Denn es gibt viele kleine und große Stolpersteine, die daran hindern können, auf gewohntem Wege ans berufliche Ziel zu kommen: Neuerungen am Arbeitsplatz oder kleiner werdende Zeitfenster, Konflikte am Arbeitsplatz oder Nichtberücksichtigung im Karrierepoker, plötzliche Erkrankungen oder Verlust des Arbeitsplatzes.

Für all diese Fälle gibt es in der Regel keine Arbeitsplatzumleitung, kein Arbeitsplatznavi, keinen Fuhrpark mit Ersatzarbeitsplätzen. Es gibt jedoch immer die Möglichkeit, vorausschauend über einen Plan B nachzudenken. Was spricht dagegen, sich alle Vierteljahr die Frage zu stellen: Bin ich wirklich zufrieden, erfolgreich und gesund in meiner Arbeitssituation? Und wenn nicht, was kann ich rechtzeitig dafür tun, damit das besser wird?

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Augen verschließen gilt nicht

Auch kleine Lösungen können große Wirkungen für Arbeitszufriedenheit, -sicherheit und -gesundheit haben. Wenn täglicher Stress am Arbeitsplatz zu Schlaflosigkeit und Schmerzen führt, dann ist das Hoffen auf Besserung oder die Denkstrategie "Die müssen doch sehen, wie es mir geht!" kein erfolgreicher Weg, auch wenn es der gewohnte Plan A war. Plan B kann dagegen heißen, die Probleme anzusprechen. Plan B kann bedeuten, sich gezielt weiter zu qualifizieren, umsetzbare Gestaltungsvorschläge an den Betrieb zu machen oder sich Unterstützung bei Betriebsverantwortlichen, professionellen Beratern oder Freunden zu holen. Plan B kann ebenfalls bedeuten, den Feierabend noch besser für Erholung und Regeneration zu nutzen.

Cleverness im Beruf bedeutet immer auch Cleverness im Umgang mit der eigenen Gesundheit. Plan B kann natürlich ebenfalls bedeuten, sich einen neuen Job zu suchen, wenn es vor Ort keine Gestaltungsmöglichkeiten mehr gibt. Eine besondere Situation tritt dann ein, wenn Menschen ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr ausüben können. Insbesondere in handwerklichen Berufen ist dieses Risiko erhöht. Die Rente ist nur das letzte Mittel der Wahl, denn es gibt mehr Alternativen als viele Menschen wissen. Es lohnt sich auch hier, frühzeitig immer mal die Frage zu stellen: Welche Berufe könnte ich ausüben, falls...?

Der Verlust des Arbeitsplatzes gehört jedoch erwiesenermaßen zu den größten Belastungsmomenten des Menschen. Je früher auch hier schon eine ungefähre Vorstellung für eine Alternative besteht, desto besser sind die psychischen Belastungen und die Berufsfindungsprozesse in einer solchen Situation zu bewältigen. Auch hier kann Plan B bedeuten, sich von Fachleuten der beruflichen Rehabilitation unterstützen zu lassen.

Nicht für jeden Plan A gibt es eine Alternative. Doch mit jeder bereits vorhandenen Ausweichlösung kann Unvorhergesehenes entspannter und gesünder gemeistert werden. Wichtig ist, dass frühzeitig nach Lösungen gesucht wird. Möglicherweise wird eine der Alternativen irgendwann einmal der neue Plan A und möglicherweise ist dieser neue sogar besser, als es der gewohnte jemals war.

Die Gastautorin ist Leiterin des Zentrums Beruf und Gesundheit, einem Fachzentrum für berufliche Rehabilitation und Gesundheitsförderung, Bad Krozingen.

Autor: Andrea Nordmann