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13. September 2017 08:09 Uhr

Bundestagswahl

Besondere Bundestagskandidaten im Ländle

Wer ist die jüngste Kandidaten, wer der älteste Kandidat? Wer war vor vier Jahren Stimmenkönig? Wo könnte es besonders spannend werden? Wer gibt den Frauen eine Chance?

  1. Defne Dayi (l, Freie Wähler) aus Villingen-Schwenningen ist mit 19 Jahren die jüngste Kandidatin für die Bundestagswahl in Baden-Württemberg, Josef Manz (CDU), aus Linkenheim-Hochstetten (Baden-Württemberg), der mit 84 Jahren älteste Kandidat. Foto: dpa

  • DER ÄLTESTE: Mit "Wut im Bauch" und der "Angst vor einem Linksruck" begründet Josef Manz aus Linkenheim-Hochstetten bei Karlsruhe, warum er mit fast 85 Jahren für den Bundestag kandidiert. Zwar sei es für ihn auf Platz 58 der CDU-Landesliste ausgesprochen unwahrscheinlich, dass er in den Bundestag einzieht, räumt er ein, dennoch wolle er ein Zeichen für die Senioren setzen. Es müsse mehr für die Alten getan werden, schließlich seien sie die größte Wählergruppe, sagt der einstige Einsatzleiter des Kernforschungszentrums Karlsruhe.
  • DIE JÜNGSTE: Gut 65 Jahre jünger als Manz ist Defne Dayi, Baden-Württembergs jüngste Bundestagskandidatin. Mit 19 Jahren tritt die Schülerin aus Villingen-Schwenningen für die Freien Wähler an. Aussicht auf einen Sitz in Berlin hat sie aber auch nicht. Ihr Vater versuchte bei der Landtagswahl 2016 schon sein Glück. Durch ihn sei sie zu den Freien Wählern gekommen, sagt Defne Dayi. Im Grunde stehe aber zunächst mal das Abitur am Technischen Gymnasium an. Tanzen, Musik und Backen sind ihre Hobbys, Bildungsthemen und Frauenrechte ihre Motivation für das Engagement in der Politik.

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  • DER DIENSTÄLTESTE: Seit sage und schreibe 1972 ist Wolfgang Schäuble (CDU) Mitglied des Deutschen Bundestages. Und der 74 Jahre alte Bundesfinanzminister kandidiert erneut. Damit ist der Badener nicht nur der dienstälteste Abgeordnete aus dem Südwesten, sondern überhaupt. Zum achten Mal führt der promovierte Jurist als Spitzenkandidat die Landesliste der CDU Baden-Württemberg an.
  • DIE BESTEN: Mit satten 60,7 Prozent der Stimmen holte Thomas Bareiß (CDU) vor vier Jahren im Wahlkreis 295 Zollernalb-Sigmaringen das allerbeste Erststimmenergebnis. Doch auch der CDU-Mann mit dem geringsten Erststimmenergebnis erhielt ein Direktmandat: Matern von Marschall setzte sich mit 34,9 Prozent im Wahlkreis 281 Freiburg durch. Das beste Erststimmenergebnis für die SPD holte Stefan Rebmann in Mannheim (WK 275) mit 32,4 Prozent. Grünen-Chef Cem Özdemir war 2013 in Stuttgart (WK 258) mit 27,5 Prozent Stimmenkönig seiner Partei. Beide versuchen ihr Glück diesmal erneut.
  • DIE ANDEREN: Vor vier Jahren hatten die CDU-Kandidaten in allen 38 Wahlkreisen die Nase vorn. Das war der CDU zuletzt 1994 gelungen, im Wahlkampf für Kanzler Helmut Kohl. Vier Jahre später, als dann Gerhard Schröder (SPD) Kanzler wurde, siegte die SPD immerhin in elf Wahlkreisen. Von da an wurde es wieder immer weniger. 2009 holte Gernot Erler in Freiburg (281) das letzte Direktmandat für die SPD, verlor es aber vier Jahre später an Matern von Marschall - mit 8102 Stimmen Rückstand. Mit 72 tritt Erler diesmal nicht wieder an.
  • DIE HOCHBURGEN: Im Grunde ist bei Bundestagswahlen das ganze Ländle eine CDU-Hochburg. Die höchsten Zweitstimmenergebnisse holt die CDU dabei stets in ländlichen Wahlkreisen. So stimmten 2013 in Biberach (WK 292) 56,3 Prozent für die Partei, in Zollernalb-Sigmaringen 52,8 Prozent und im Wahlkreis Odenwald-Tauber 51,9 Prozent. Hochburgen der SPD waren auch 2013 städtisch geprägte Wahlkreise wie Mannheim (WK 275) mit 27,5 Prozent oder Heidelberg mit 23,4 Prozent. Die Grünen erzielten ihr bestes Zweitstimmenergebnis in Freiburg (WK 281), wo sie auf 19,8 Prozent kamen. Die FDP, deren Ergebnisse 2013 vielerorts mehr als halbiert wurden, kam in Stuttgart mit 8,3 Prozent auf ihr bestes Zweitstimmenergebnis. Die AfD erzielt 7,2 Prozent in Pforzheim (WK 279), wo sie auch bei der Landtagswahl später Bestwerte erhielt.
  • DER DURCHSCHNITT: Am ehesten wie die ganze Republik wählte nach Angaben des Landesamts für Statistik vor vier Jahren der Wahlkreis Neckar-Zaber (WK 266).
  • DIE EIFRIGSTEN: Die Wähler in der Landeshauptstadt waren vor vier Jahren besonders eifrig. Mit einer Beteiligung von 79,8 Prozent lag man im Wahlkreis Stuttgart I deutlich über dem Bundesergebnis von 71,5 Prozent. Darunter lag etwa Mannheim (WK 275) mit 69,4 Prozent und der damit niedrigsten Wahlbeteiligung im Ländle.
  • DIE WEIBLICHSTEN: Auf dem Papier hat die CDU die weiblichste Landesliste. Mehr als die Hälfte der Plätze (55 Prozent) sind mit Frauen besetzt. Allerdings spielt die Liste bei den Christdemokraten wegen der erwartet vielen Direktmandate eine geringe Rolle. Aktuell stellt die Südwest-CDU 43 Abgeordnete in Berlin, darunter acht Frauen. Unter den Direktkandidaten sind diesmal sogar nur drei Frauen: Karin Maag, Annette Widmann-Mauz und Ronja Kemmer. Weiblicher könnten daher die Landesgruppen von Grünen und Linken werden, die ihre Listen ausgewogen besetzt haben. Die FDP kommt auf knapp 19 Prozent weibliche Kandidaten, die AfD auf 13 Prozent.

    Mehr zum Thema: Südbaden: Kandidatenportraits 2017

Autor: Roland Böhm, lsw