Beste Werbung für den Wintersport im Sommer

Johannes Bachmann

Von Johannes Bachmann

Mo, 15. Oktober 2018

Nordische Kombination

SC Hinterzarten und SZ Breitnau organisieren stimmungsvolle DM / Jonas Maier vom SC Waldau Sechster der Juniorenwertung.

SKI NORDISCH. Dürfen Wintersportler im Sommer um nationale Titel kämpfen? Dürfen die Könige des Nordischen Skisports einfach so auf Schnee verzichten und nach der Luftfahrt auf Matten landen? Fragen, die Puristen umtreiben. Fragen, die am Ziel vorbeiführen. Weil Weltklasse bei Eis und Schnee sehenswert ist – und bei Sommer-Hitze.

Was Fabian Rießle, (noch) daheim in St. Märgen, ausgebildet bei der Skizunft Breitnau, am Wochenende bei der deutschen Meisterschaft der Nordischen Kombinierer auf der Schanze in Hinterzarten und einem 1,25 Kilometer langen Skiroller-Asphaltband in Breitnau bot, war großer Sport. "Rio" sicherte sich erstmals in seiner Karriere bei einer DM den Einzel-Titel und triumphierte am Sonntag im Zweierteamsprint mit seinem langjährigen Trainingskumpel Manuel Faißt vom SV Baiersbronn. Der Heimvorteil, der für viele Sportler mehr Bürde als Ansporn ist, hat den 27-jährigen beflügelt. "Wenn du fast jeden an der Strecke kennst, wenn dich fast jeder mag, dann ist das super", so Rießle, Titel hätten nicht nur er, "sondern auch diese tollen Zuschauer verdient".

Ein Lob, in das auch Franz Steinle, Präsident des Deutschen Skiverbands (DSV) einstimmte: "Hier gehört die DM hin." Routiniert, herzlich und sachkundig sind die vielen ehrenamtlichen Helfer des SC Hinterzarten und der SZ Breitnau. Dass Fabian Rießle, der im Februar bei den Olympischen Spielen in Südkorea Silber im Großschanzen-Wettbewerb und Gold mit dem Team gewann, seit Jahren zur Weltspitze zählt, liegt auch ein bisschen an der Begeisterung, mit der in Hinterzarten und Breitnau Wintersport-Talente gefördert und gefordert werden.

Vor zehn Jahren war Rießle ein Talent mit Schwächen, der mit den Schanzen haderte, der Rückschläge verdauen musste. Rießle war einer wie Jonas Maier (19), einer wie Jonas Jäkle (17). Der Kombinierer des SC Waldau, hochaufgeschossen, ist ein Flieger. Am Skiinternat Furtwangen wurde Maier ausgebildet, seit diesem Jahr gehört er zur Bundeswehr-Sportfördergruppe in Fahl. Bei der DM bewies Maier auf der Schanze doppelt, was er drauf hat: das Einzelspringen am Samstag beendete er mit einem 100,5 Meter weiten Satz auf Rang sechs, am Sonntag bildete er mit Olympiasieger Vinzenz Geiger ein Team und sprang 100 Meter weit. Raumgreifend sind Maiers Schritte auf Skirollern. Doch ein Infekt drückte am Samstag auf die Begeisterung. Zuerst wenig, nach der fünften von zehn Runden kaum noch Luft bekam der Waldauer über zehn Kilometer – dem Handicap zum Trotz wurde er 3:17 Minuten hinter dem neuen Deutschen Meister Fabian Rießle 15. der Gesamt- und Sechster der DM-Juniorenwertung. Maiers Ziel ist im kommenden Winter der Continentalcup.

Gerne gezeigt was er kann, hätte der Schonacher Jonas Jäkle, Sohn des Skisprung-Olympiasiegers von 1994, Hansjörg "Jackson" Jäkle. 84,5 Meter weit sprang Jäkle auf Rang 23, doch zum DM-Skirollerrennen konnte er, geschwächt durch eine Grippe, nicht mehr antreten.

Offiziell in den Sportlerruhestand verabschiedet wurde in seiner Heimatgemeide Tobias Simon von der SZ Breitnau, der beim Weltcupfinale in Schonach Ende März seinen letzten Wettkampf bestritten hatte. "Die Türen beim DSV stehen immer offen", so DSV-Chef Franz Steinle, doch Simon kann sich eine Karriere als Trainer nicht vorstellen. In Furtwangen studiert er im vierten Semester Wirtschaftsingenieurswesen. Jetzt will er sportlich erst mal: nichts tun. In den vergangenen zehn Jahren als Leistungssportler habe er auf vieles verzichten müssen. "Da gibt es Nachholbedarf", so Simon.