Bestenfalls bloß eine Frage der Zeit

Daniel Gramespacher

Von Daniel Gramespacher

Do, 04. Januar 2018

Lörrach

Auch bei einer Taktverdichtung auf der Wiesentalbahn sollen alle Züge der Regio-S-Bahn bis zum Basler Bahnhof SBB geführt werden.

LÖRRACH/BASEL. Enden zusätzliche Züge bereits im Badischen Bahnhof, wenn der Takt der Regio-S-Bahn im Wiesental wie beabsichtigt verdichtet wird, so dass Pendler und Riehener zum Bahnhof SBB umsteigen müssen? Dies befürchtet der Basler Großrat Heinrich Ueberwasser, der selbst in dem 20 000-Einwohner-Dorf wohnt. Deshalb wandte er sich mit einer Reihe von Fragen an die Basler Regierung. Agglo Basel, bei dem die Organisation Trireno als Koordinatorin für die S-Bahn im Raum Basel angesiedelt ist, gibt auf BZ-Anfrage weitgehend Entwarnung.

Es sei zwar denkbar, dass das Angebot auf der Strecke Lörrach–Basel Badischer Bahnhof früher ausgebaut werden kann als auf der Strecke Badischer Bahnhof-Bahnhof SBB, lässt Trireno-Projektleiter Emanuel Barth wissen; denn wegen unterschiedlicher Bauzeiten oder verschiedenen Finanzierungshorizonten könnten voraussichtlich nicht alle Infrastrukturausbauten gleichzeitig realisiert werden. Unverändert gültig sei aber das Zielkonzept, das alle sieben zuständigen Bestellerbehörden 2014 verabschiedet haben. Danach soll das Angebot der trinationalen Regio-S-Bahn Basel weiter ausgebaut werden. Insbesondere ist beabsichtigt, zwischen Lörrach und Basel SBB den Takt auf vier Züge pro Stunde zu verdichten. Dazu braucht es aber das sogenannte Herzstück, die unterirdische Verbindung. Es ermöglicht, auch die Basler Innenstadt zu bedienen sowie die Linien über den Bahnhof SBB hinaus auf die Schweizer Äste der S-Bahn durchzubinden.

Für die Umsetzung dieses Zielkonzeptes muss die Infrastruktur an verschiedenen Stellen ausgebaut werden. Im Zentrum steht dabei das Herzstück, aber auch auf den Zulaufstrecken sind Anpassungen notwendig. Der Ausbau der S-Bahn im Raum Basel werde vom Schweizer Bund als "1. Dringlichkeit" eingestuft, hält Barth fest. Die Finanzierung sei damit aber noch nicht gesichert, räumt er ein. Die Bestellbehörden setzten sich aber weiterhin für den Ausbau der Bahninfrastruktur ein, der notwendig sei, um das Zielkonzept 2030 umzusetzen. Klar sei schließlich, dass das heutige Angebot der Linie S6 von Zell nach Basel SBB mit einem Halbstundentakt werktags und einem Stundentakt sonntags auf jeden Fall auf der ganzen Strecke beibehalten wird.

Den Anstoß zu Ueberwassers Anfrage hatte die Jahrespressekonferenz des Lörracher Landratsamtes gegeben. Dort wurde unter anderem über die Pläne des Zweckverbandes Regio-S-Bahn 2030 (ZRL 2030) berichtet. Dieser will untersuchen, wie zusätzliche Haltestellen, vor allem fürs geplante Zentralklinikum mit rund 650 Betten im Lörracher Entenbad, eventuell aber auch in Maulburg und am Lörracher Zollweg sowie eine angestrebte Verdichtung auf einen 15-Minuten-Takt oder einen 10/20-Minuten-Hinketakt zwischen Basel Badischer Bahnhof und Steinen oder Schopfheim oder Zell betrieblich umsetzbar sind. Klar ist: Dazu braucht es zusätzliche Infrastruktur, konkret weitere Doppelspurabschnitte, auf denen sich Züge begegnen können. Die Untersuchung soll ermitteln, welche das genau sind und welche Kosten dafür anfallen.

Der Bereich der Untersuchung im Auftrag des ZRL endet dabei am Badischen Bahnhof. Der Grund ist einfach: "Dort endet schon bisher und auch künftig die Bestellung der deutschen Seite, also des Landes Baden-Württemberg", erklärt Ulrich Hoehler, Erster Landesbeamter und für Mobilität und Verkehr zuständiger Dezernent im Landratsamt Lörrach. Alles, was darüber hinausgeht, liege in der Bestellverantwortung der Schweizer Seite. Insofern sei der Fokus von Heinrich Ueberwasser, beim Kanton Basel-Stadt anzufragen, wie es um den Abschnitt zum Bahnhof SBB bestellt ist, wenn zusätzliche Züge aus dem Wiesental bis zum Badischen Bahnhof fahren, richtig. Unpassend ist nach Hoehlers Ansicht aber der aufgebrachte Ton, weil er den Eindruck erweckt, es seien Verschlechterungen beabsichtigt. "Es geht nicht darum, Riehen oder sonst jemandem etwas wegzunehmen; wir wollen mit unseren Erwägungen allenfalls etwas ergänzen", stellt Hoehler klar. Im Übrigen wolle auch das Land Baden-Württemberg zusätzlichen Verkehr für die S 6 bestellen, weil es ein Interesse daran habe, dass die Menschen künftig nicht mit dem Auto, sondern mit der Bahn zum Zentralklinikum fahren.