12.000 Besucher täglich

Betrieb der Unibibliothek ist teurer als kalkuliert

Fabian Vögtle

Von Fabian Vögtle

Di, 16. Januar 2018 um 08:44 Uhr

Freiburg

Wegen steigender Kosten für die Infrastruktur müssen Einrichtungen der Uni erneut mit Kürzungen ihres Budgets rechnen. Vor allem die UB verursacht hohe Betriebskosten – wegen ihrer enormen Auslastung.

Die zentrale Verwaltung der Albert-Ludwigs-Universität muss in diesem Jahr voraussichtlich erneut auf 15 Prozent ihres Budgets verzichten. Grund für die Kürzungen waren 2017 die kontinuierlich gestiegenen Infrastrukturkosten. Vor allem die Universitätsbibliothek (UB) verursacht wegen ihrer enormen Auslastung zum Teil doppelt so hohe Betriebskosten wie früher. Die Fakultäten mit ihren Instituten und Seminaren sind 2018 hingegen nicht von Einsparungen betroffen. Vergangenes Jahr wurden ihnen noch 3,25 Prozent der Sachmittel gekürzt.

"Wir sind Opfer des eigenen Erfolgs", sagt Unisprecher Rudolf-Werner Dreier. Wegen der 2016 eingeworbenen und für die Wettbewerbsfähigkeit wichtigen Drittmittel seien zusätzliche Ausgaben nötig geworden, etwa für Räume und Personal. Besonders schwer ins Gewicht fielen jedoch kurzfristige Sanierungs- und Brandschutzmaßnahmen sowie ganz besonders die gestiegenen Infrastrukturkosten bei den Unigebäuden.

Ausweitung der Betriebszeiten und täglich rund 12.000 Besuchern

Prominentestes Beispiel dafür ist die 2015 eröffnete UB. Diese hat für Studierende und Uni-Mitarbeiter 24 Stunden durchgehend und auch am Wochenende geöffnet. "Es hat bisher einen unglaublichen Run auf die UB gegeben", sagt Dreier. Die Ausweitung der Betriebszeiten und die hohe Auslastung mit täglich rund 12.000 Besuchern zolle eben ihren Tribut.

So gab es 2016/2017 trotz einer Reduzierung um 65 Prozent beim Energieverbrauch im Vergleich zur alten UB am Ende erhebliche Kostensteigerungen. Die Stromkosten sind demnach mit einer halben Million Euro um 150.000 Euro teurer als vor dem Abriss im Jahr 2008. Bei Abfall, Wasser und Reinigung fielen laut Dreier sogar doppelt so hohe Kosten an. Hinzu kommen noch zusätzliche Personalkosten für den Sicherheitsdienst. Die im gesamten Unibereich gestiegenen Ausgaben in der Infrastruktur (Gesamtkosten von 25 Millionen Euro) belasten den Uni-Haushalt nun bereits zum zweiten Mal hintereinander heftig. "Allein die Mehrkosten von 2016 zu 2017 betrugen zwei Millionen Euro", sagt Dreier.

Das machte im vergangenen Jahr Einsparungen erforderlich, die im Wesentlichen durch die zentrale Verwaltung (15 Prozent) getragen wurden und zu einem geringen Anteil auch aus Fakultätsmitteln (3,25 Prozent). In den Fakultäten ist man erleichtert, dass es sich um eine einmalige Maßnahme handelt. Die Kürzung der zentralen Mittel im vergangenen Jahr habe man verkraftet, heißt es auf Nachfrage in Instituten. Bei einem erneuten Einschnitt wäre es vermutlich zu einem verstärkten Investitionsstau gekommen, der Forschung und Lehre gleichermaßen betroffen hätte, meint Dekan und Geographieprofessor Tim Freytag.

Drohende Kürzung wird teils mit Sorge betrachtet

In einigen zentralen Einrichtungen betrachtet man die erneut drohende Kürzung jedoch mit Sorge. Nach BZ-Informationen stehen einzelne Abteilungen mit dem Rektorat deshalb zurzeit in engem Austausch.

Laut Iris Kimizoglu vom Vorstand der Studierendenvertretung sei die erneute Einsparung für das Zentrum für Schlüsselqualifikationen, das mit Kursen in vielen Studiengängen fest verankert ist, kaum zu leisten.

Auch die UB selber habe zu kämpfen. Das bestätigt dort auch ein Mitarbeiter. Man müsse abwarten, aber wenn wieder 15 Prozent einbehalten würden, habe das erhebliche Folgen, zum Beispiel beim Bucherwerb und anderen Angeboten.