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28. Mai 2012 19:11 Uhr

Strafe

Betrunkene Radler müssen in Freiburg mit Fahrverbot rechnen

Alkohol am Lenker kann zu einem Radfahrverbot führen – das musste in Münster ein betrunkener Radler erleben. Und in Freiburg? Da wird schon lange hart durchgegriffen. Selbst Idiotentests werden verordnet.

  1. Betrunken am Lenker – das kann in Freiburg eine empfindliche Strafe nach sich ziehen. Foto: Dominic Rock

Vor kurzem machte die Stadt Münster in Westfalen Schlagzeilen: Einem betrunkenen Mann auf dem Fahrrad, der bereits den Führerschein verloren hatte, erteilte das städtische Ordnungsamt ein Radfahrverbot. Es war das erste Mal, dass die Stadt in Westfalen zu solchen Maßnahmen griff. In Freiburg und im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald ist dieses restriktive Vorgehen schon länger durchaus üblich.

Im März war der junge Mann in Münster mal wieder erwischt worden: mehr als zwei Promille am Fahrradlenker. Weil er schon vier Jahre zuvor seinen Autoführerschein wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss hatte abgeben müssen, verhängte die Stadt nun auch noch ein Radfahrverbot gegen ihn. Da er gegen das Verbot keinen Einspruch einlegte, ist das Urteil rechtskräftig – aufs Fahrrad darf der Mann erst wieder, wenn er mit einem medizinisch-psychologischen Gutachten (MPU, umgangssprachlich "Idiotentest" genannt) seine Fahreignung nachweisen kann.

Zu viel Promille am Lenker? Fahrverbot

In Freiburg ist solch ein restriktives Vorgehen schon lange üblich. Im vergangenen Jahr hat nach Auskunft der Stadtverwaltung die städtische Straßenverkehrsbehörde in 85 Fällen ein Rad- und Mofafahrverbot ausgesprochen, im Jahr davor waren es 94, davor 86. Im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald gibt es nach Auskunft der Behörde pro Jahr zwischen 10 und 20 Fälle, in denen Radlern das Fahrradfahren wegen zu viel Promille am Lenker untersagt wird.

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Nach der offiziellen Verkehrsstatistik der Freiburger Polizei haben im vergangenen Jahr 33 Radfahrer unter Alkoholeinfluss einen Unfall verursacht, 22 Prozent mehr als im Jahr zuvor. Allerdings bauten weitaus mehr Radler, nämlich 104, Unfälle wegen zu hoher oder nicht angepasster Geschwindigkeit – das war Unfallursache Nummer eins.

Wenn die Polizei einen betrunkenen Radler kontrolliert, ist laut Dieter Klipfel, Referent Verkehr bei der Polizeidirektion Freiburg, das Prozedere folgendermaßen: Wenn ein auffälliger Radler 1,6 Promille oder mehr im Blut hat, wird er einen Strafbefehl wegen Trunkenheit im Straßenverkehr erhalten. Im Gegensatz zum Autofahrer (diese sind ihren schon bei 1,1 Promille los) wird dem Radfahrer der Führerschein nicht bereits im Strafverfahren entzogen.

Ohne "Idiotentest" kein Führerschein mehr

Allerdings wird die Führerscheinstelle die Fahrerlaubnis entziehen und ein – kostenpflichtiges – medizinisch-psychologisches Gutachten anordnen. Sofern dies positiv ausfällt, bekommt der Radfahrer den Führerschein wieder. Ist so ein Gutachten nach sechs Wochen Frist nicht da oder fällt es negativ aus, wird der Führerschein nicht mehr erteilt. Die Stadtverwaltung spricht dann nach Auskunft von Pressesprecherin Edith Lamersdorf ein unbefristetes Fahrrad- und Mofa-Fahrverbot aus – und solange kein positiver "Idiotentest" vorliegt, bleibt es auch dabei.

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Autor: Simone Lutz