Trauerfeier

Bewegender Abschied von Feldbergs Bürgermeister Stefan Wirbser

Ralf Morys und Tanja Bury

Von Ralf Morys & Tanja Bury

So, 07. Oktober 2018 um 13:57 Uhr

Feldberg

Hunderte waren gekommen, um dem "Schwarzwaldhäuptling" die letzte Ehre zu erweisen: In einem Trauergottesdienst haben Familie, Freunde, Weggefährten, Kollegen und Vertreter aus Politik und Sport Abschied von Stefan Wirbser genommen.

"Der Hochschwarzwald hat seinen Leitwolf, sein Gesicht, seine Stimme verloren", würdigte der Feldberger Frank Link den Politiker, Bürgermeister, Sportfunktionär und Freund beim Trauergottesdienst am Samstag in der Feldbergkirche.

"Ein hoher Berg, stahlblaue Sonne, blendend weißer Schnee, das war die Welt von Stefan Wirbser." Pfarrer Johannes Buchenmüller
Ein Meer aus Blumen säumte das Gotteshaus. In der Mitte der Sarg, daneben ein Foto, das Wirbser zeigte, wie die Leute ihn kannten und wie er sich selbst am wohlsten fühlte: Im Winter, am Feldberg, in Skimontur, lachend, beide Daumen nach oben. Die Freude am Schnee, die sei ihm in die Wiege gelegt worden, eröffnete Pfarrer Johannes Buchmüller den Gottesdienst. Denn der Januar 1965, als Wirbser auf die Welt kam, sei ein sehr schneereicher Monat gewesen. "Ein hoher Berg, stahlblaue Sonne, blendend weißer Schnee, das war die Welt von Stefan Wirbser. Und für diese Welt hat er sich mit Herzblut eingesetzt", so der Geistliche.

"Er war eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die im Gemeinderat stets Lösungswege für alle Probleme aufzeigte – und das im atemberaubenden Tempo." Frank Link, stellvertretender Bürgermeister von Feldberg
Wie sehr, das zeigten die tiefe Trauer und die große Betroffenheit weit über Feldberg hinaus, die der Tod Wirbsers ausgelöst habe, sagte Feldbergs Bürgermeisterstellvertreter Frank Link. "Diese Anteilnahme ist Ausdruck der Wertschätzung für einen besonderen Menschen, dessen Tod eine große Lücke hinterlässt." Stefan Wirbser habe in den 23 Jahren als Bürgermeister die Gemeinde nach vorne gebracht. "Er war eine außergewöhnliche Persönlichkeit, die im Gemeinderat stets Lösungswege für alle Probleme aufzeigte – und das im atemberaubenden Tempo." Der Verstorbene habe Visionen entwickelt und ein sensibles Gespür dafür gehabt, was machbar ist und für was es sich zu kämpfen lohne. Stefan Wirbser sei nicht nur Chef im Rathaus Altglashütten gewesen, sondern habe zu seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter eine tiefe Verbindung gepflegt. Für die Vereine habe er stets ein offenes Ohr gehabt. "Stefan, Du hinterlässt uns eine gut aufgestellte Gemeinde", sagte ein sichtlich bewegter Frank Link. "Dein Name wird für immer mit Feldberg verbunden bleiben."

"Dein Herz für den Tourismus wird für uns weiterschlagen und wir werden die Dinge in Deinem Sinne weiterführen." Thorsten Rudolph, Schwarzwald Tourismus
Er habe sich dabei ertappt, wie er Anfang der Woche eine Nachricht an Stefan Wirbser schreiben wollte, sagte Thorsten Rudolph, Geschäftsführer der Hochschwarzwald Tourismus GmbH (HTG). "Aus der Gewohnheit heraus. Wie sonst auch." Eng und vertrauensvoll sei die Zusammenarbeit mit Wirbser, dem Visionär, dem geschätzten Ratgeber und gewieften Strategen gewesen. "Wo war denn der Tourismus im Hochschwarzwald vor 20 Jahren?", fragte Rudolph und nannte Wirbser einen der Schrittmacher bei der Gründung des Zweckverbands Hochschwarzwald, aus dem die HTG hervorging. "Dein Herz für den Tourismus wird für uns weiterschlagen und wir werden die Dinge in Deinem Sinne weiterführen." Dazu gehöre die Agenda Feldberg, an der Wirbser bis zuletzt gearbeitet hat. Darin ist die Entwicklung des größten Skigebiets nördlich der Alpen bis ins Jahr 2025 beschrieben, mit zeitgemäßen Lift- und Beschneiungsanlagen und ausreichendem Wasservorrat. Was den Skisport angeht, habe Wirbser Einmaliges erreicht: In der Region finden acht Weltcups statt. "Das gibt es sonst nirgends."

Stefan Wirbser werde fehlen, "er war ein hochgeschätzter, lieber Kollege und ein echter Freund, dessen Wort Gewicht hatte", begann Franz Steinle, Präsident des Deutschen Skiverbands (DSV), seine Rede. Der kritische und engagierte Geist habe sich nicht gescheut, seine Meinung auch dann zu äußern, wenn sie anders war, von der Mehrheit abwich. "Mit ihm an der Spitze ist der Skiverband Schwarzwald eine tragende Säule im deutschen Skisport geworden." Wirbsers Wort wurde in den Zusammenkünften der Landesskiverbände gehört und geschätzt. Er sei Initiator und Motor für den Skisport im Schwarzwald gewesen.

"Er war die markante Stimme des Hochschwarzwalds, er war der Schwarzwaldhäuptling." Roger Kehle, Präsident des Gemeindetags BW
Seinen unermüdlicher Einsatz als starker Fürsprecher des ländlichen Raums würdigte Roger Kehle, Präsident des Gemeindetags Baden-Württemberg. Wirbser war seit 2003 Vorsitzender des Kreisverbands Breisgau-Hochschwarzwald des Gemeindetags, seit Jahren Mitglied im Landesvorstand und seit April auch im Präsidium. "Bestehendes zukunftsfähig zu machen, das war eine seiner Gaben", so Kehle. Ein Kommunalpolitiker durch und durch, ausgestattet mit Fachkompetenz, Zielstrebigkeit, Ausdauer, Kraft und Geradlinigkeit. "Dazu Humor und eine lebensbejahende Freude. Er war die markante Stimme des Hochschwarzwalds, er war der Schwarzwaldhäuptling."

"Dabei endete sein Horizont nicht am Feldberg, sondern er hat sich für alle Bewohner des Landkreises und für unsere französischen Nachbarn eingesetzt." Landrätin Dorothea Störr-Ritter
Als Stefan Wirbser im Alter von 30 Jahren zum Bürgermeister von Feldberg gewählt wurde, sei das der Beginn einer außergewöhnlichen beruflichen wie politischen Karriere gewesen, sagte Landrätin Dorothea Störr-Ritter. Chancengleichheit für Stadt und Land zu erreichen, das habe ihn angetrieben. "Dabei endete sein Horizont nicht am Feldberg, sondern er hat sich für alle Bewohner des Landkreises und für unsere französischen Nachbarn eingesetzt." Wirbser sei davon überzeugt gewesen, dass gemeinsam viel zu erreichen sei, aber dass es auch Menschen brauche, die vorangehen. Dass der Landkreis die meisten Gästeübernachtungen im Land verzeichnet und der Hochschwarzwald durch den Wintersport weltweit bekannt ist, das sei auch Wirbsers Verdienst. Dorothea Störr-Ritter dankte dem Verstorbenen für seine "Spuren im Schnee, die einzigartig sind und die bleiben werden."

Welch glückliche Symbiose es war, Wirbser als Bürgermeister von Feldberg und Präsident des Schwarzwälder Skiverbands zu haben, das betonte Gundolf Fleischer als Präsident des Badischen Sportbunds. Für Spitzensportler ideale Trainingsmöglichkeiten vor der Haustür zu schaffen, gleichzeitig aber den Breitensport zu fördern und so den Nachwuchs auf die Piste zu bringen, "dafür hat Stefan Wirbser Tag und Nacht geschafft." Dabei habe er auch gegen Widerstände ankämpfen müssen, wenn es beispielsweise, so Fleischer, um den "manchmal ideologischen Begriff des Umweltschutzes ging".

Ein Mann mit Ecken und Kanten sei Stefan Wirbser gewesen. Einer, der es sich nicht bequem und seinem Gegenüber nicht immer leicht gemacht habe, wie mehrere Redner sagten. "Doch Ecken und Kanten braucht, wer erfolgreiche Dinge auf den Weg bringen will", meinte Thorsten Rudolph. Die Lücke, die Wirbser hinterlasse, würden auch jene spüren, "die ihn kritisch gesehen haben". Sei er von einer Sache überzeugt gewesen, habe er wie ein Zündholz gebrannt und andere angesteckt, beschrieb Franz Steinle vom DSV den Verstorbenen. Er habe stets mit offenem Visier gekämpft, sei verlässlich in seinen Aussagen gewesen, so die Landrätin. Bei allem Einsatz für die Dinge, von denen Stefan Wirbser überzeugt war, habe er sich die Fähigkeit zum Konsens bewahrt, hieß es in den Nachrufen.

"Stefan, Du hat es gut, Du hast es richtig gemacht." Alfons Hörmann, Deutscher Olympischer Sportbund
"Wer, wenn nicht er, könnte die Eisweinlese auf dem Feldberg mit dem Skiopening verknüpfen", sagte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, in Anlehnung an Wirbsers Worte, dass auf dem Feldberg so lange Ski gefahren werde, bis der erste Rebstock gepflanzt ist. Sehr persönlich erzählte Hörmann von seiner ersten Begegnung mit Wirbser, "der mir und meinen Kollegen bis spät in die Nacht nicht nur die Welt des Skisports, sondern die ganze Welt erklärt hat. Da dachten wir, der Schwarzwald hat einen neuen Fredy Stober bekommen." Ein Visionär, ein Mutmacher, ein Vollgasgeber sei Wirbser gewesen. Er habe in seinem Leben auf der Überholspur manch ein Stoppschild übersehen, sich nicht geschont, Fehler gemacht, Schwächen gehabt. "Doch dazu ist er gestanden. Stefan, Du hat es gut, Du hast es richtig gemacht."

Auch die vier Kinder sprachen bei der Trauerfeier

Alle Ehrungen und Würdigungen, die Wirbser für seine Verdienste vielleicht noch erhalten hätte, verblassen wohl gegen das, was die Kinder ihrem Vater zum Abschied mitgegeben haben. Die Vier hatten zu Beginn der Trauerfeier in bewegenden Worten Adieu gesagt und nicht nur dem Papa, sondern auch dem Freund, dem Vertrauten und dem Ratgeber gedankt. "Wir waren jede Sekunde stolz, Deine Kinder zu sein. An dem, was Du geschafft hast, wollen wir weiterarbeiten. Das sind wir Dir schuldig." Frau Holle werde jetzt mächtig Konkurrenz bekommen, da Stefan Wirbser alle Hebel in Bewegung setzen wird, damit sein Feldberg nicht unter Schneemangel zu leiden hat.

Und so wirkten die weißen Luftballons, die Vertreter der 20 Feldberger Vereine nach der Trauerfeier in den Himmel über den Feldberg schickten, ein bisschen wie Schneeflocken.