Bezahlbarer Wohnraum rückt näher

Alexander Huber

Von Alexander Huber

Mi, 15. April 2015

Bad Krozingen

Siedlungswerk und andere Investoren wollen im Bad Krozinger Neubaugebiet Kurgarten II für preiswerte Mietwohnungen sorgen.

BAD KROZINGEN. Die Kurstadt ist in den vergangenen Jahren kräftig gewachsen – bezahlbarer Mietwohnraum aber wurde immer mehr zur Mangelware. Bei den Planungen für den zweiten Abschnitt des Neubaugebiets Kurgarten hatte dieses Thema darum höchste Priorität. Nun kann die Stadtverwaltung verkünden, dass auf die oft geäußerten Ankündigungen auch tatsächlich Taten folgen: Im Rahmen eines Investorenmodells sollen rund 140 Wohneinheiten als preiswerte Mietwohnungen im Kurgarten II entstehen.

Wer preiswerten Mietwohnraum anbieten will, muss zusehen, wie er dennoch betriebswirtschaftlich auf seine Kosten kommt. Die Lösung, die nun im Raum steht, beruht auf einer Art Mischkalkulation. 280 Wohneinheiten werden von diversen Investoren, allen voran dem Siedlungswerk Stuttgart, in dem Abschnitt von Kurgarten II erstellt, der schon laut Bebauungsplan für den Geschosswohnungsbau (mit bis zu vier Stockwerken) vorgesehen ist. Die Stadt Bad Krozingen hatte bereits vor einem Jahr interessierte Investoren eingeladen, ihre Ideen zu präsentieren. Zehn Unternehmen lieferten erste Konzepte ab, die von der Stadt und der Rüdiger Kunst Kommunalkonzept GmbH, die als Erschließungsträger für das gesamte Baugebiet Kurgarten fungiert, unter die Lupe genommen wurden.

Wichtigste Voraussetzung für die Pläne der potenziellen Investoren war, dass die Hälfte der entstehenden Wohnungen – also 140 Einheiten – als preiswerter Mietwohnraum angeboten werden soll, und dass der Mietpreis dann auch über einen Zeitraum von mindestens 15 Jahren gesichert ist. Nun ist der Begriff "preiswerte Miete" freilich nicht so ganz einfach zu definieren – erst recht nicht in Bad Krozingen. Gemeinhin geht man davon aus, dass in diesem Bereich die Mieten um etwa ein Drittel unter der so genannten ortsüblichen Miete liegen – in der Kurstadt gibt es dafür aber keine allgemein gültige Messlatte.

Tatsächlich bewegten sich die Preisvorstellungen beim Investorenwettbewerb laut Auskunft von Hauptamtsleiter Andreas Schmid bei 7,50 bis 8,50 Euro Miete pro Quadratmeter für das Segment preiswerter Mietwohnungsbau – etwa 60 Wohnungen sollen in dieser Kategorie entstehen. Geplante 80 Wohnungen fallen gar in den Bereich Sozialwohnungsbau, in dem Fördermöglichkeiten für die Bauherren bestehen, die Mieten müssen dann aber noch günstiger sein.

Mit der Mischung aus Sozialwohnungen, preiswerten Mietwohnungen und Eigentumswohnungen möchte man auch eine gute gesellschaftliche Durchmischung erreichen – zumal der gesamte Bauabschnitt Kurgarten II, mehr noch als Kurgarten I, darauf setzt, Wohnraum für die unterschiedlichsten finanziellen Möglichkeiten anzubieten: vom Geschosswohnungsbau im östlichen Teil über Reihen- und Doppelhäuser bis hin zur Fortsetzung der villenartigen Bebauung im Westen in unmittelbarer Nachbarschaft zum Kurpark.

Kurgarten für Siedlungswerk kein unbekanntes Terrain

Neben dem Siedlungswerk, das rund 125 Wohneinheiten bauen will, erhalten auch der Bauverein Breisgau, die Treubau Freiburg sowie die Firma Heiwog-Rustica aus Bad Krozingen Grundstücke. Außerdem gibt es im nordöstlichen Eck vom Kurgarten II noch eine Fläche, die die Stadt zunächst für sich selbst reserviert hat. Was damit geschehen wird, dafür gibt es diverse Ideen, allerdings mit noch offenem Ausgang. Offenbar existieren auch Überlegungen eine eigene Stadtbaugesellschaft zu gründen, mit der das Thema preiswerter Wohnraum weiter verfolgt werden könnte.

Für das Siedlungswerk ist Bad Krozingen und speziell der Kurgarten längst kein unbekanntes Terrain mehr. Quasi schräg gegenüber der neu geplanten Wohnanlage entsteht unter Federführung des Siedlungswerks bereits unter Hochdruck die Bebauung um den Mozartplatz, der einmal so etwas wie das Zentrum des gesamten neuen Stadtviertels werden soll. Das mehrgliedrige Wohn- und Geschäftsgebäude mit einem Investitionsvolumen von 14,5 Millionen Euro, für das ziemlich genau vor einem Jahr der Spatenstich getätigt wurde, nimmt inzwischen schon recht gut erkennbare Formen an.

Soweit ist man beim Kurgarten II freilich noch längst nicht. Die Erschließungsarbeiten für dieses Areal sollen laut Hauptamtsleiter Schmid im Herbst beginnen, der Baubeginn für die ersten Gebäude könnte dann Ende 2016 erfolgen.