Feuer in Bauernhaus gelegt

Peter Sliwka

Von Peter Sliwka

Do, 28. März 2013

Biederbach

VOR GERICHT: Unterbringung in Psychiatrie angeordnet, aber ausgesetzt zur Bewährung.

BIEDERBACH/FREIBURG. Unter Wahnvorstellungen litt ein 35-jähriger Mann, als er am Morgen des 26. August 2012 auf einem Hof in Biederbach zuerst seine Vermieterin beleidigte und kurz darauf ihren Mann mit einem Faustschlag zu Boden streckte. Anschließend schüttete er Benzin in seiner Wohnung aus und entzündete es. Dank des schnellen Eingreifens von Polizei und Feuerwehr konnte ein Übergreifen der Flammen auf das gesamte Bauernhaus verhindert werden. Am Donnerstag musste sich der Mieter für sein Tun am Landgericht Freiburg verantworten.

Aus einem heiteren Sonntagmorgenhimmel erfolgten die Angriffe des bis dahin wohlgelittenen Mannes. Die Vermieterin hatte für die Hühner Gras geschnitten, als der 35-Jährige sie ohne Anlass derb beleidigte und lauthals drohte: "Ich schlag dich tot." Die 60-Jährige, die ihn als einen ruhigen, fleißigen und freundlichen Mann kennengelernt hatte, bekam es mit der Angst zu tun und rannte in Richtung ihres Hauses.
Ihr Mann hörte die Hilfeschreie, alarmierte die Polizei und eilte seiner Frau zu Hilfe. Seine Versuche, den bislang nur friedfertig erlebten Mieter mit Worten zu beruhigen, scheiterten. Stattdessen holte der Mieter aus und schickte seinen Vermieter mit einem Fausthieb zu Boden. Dann rannte er davon, um ein Messer zu holen. Der Vermieter rappelte sich auf und stieß den Zurückkommenden mit einer Gartenhacke zurück. Daraufhin ließ der Angreifer von ihm ab, holte einen Benzinkanister, ging in seine Wohnung im anderen Haus und legte dort in Küche, Schlaf- und Wohnzimmer Feuer.

Beherzt eingreifender Polizist löschte Flammen

Inzwischen waren zwei Streifenwagen auf dem Hof angekommen. Als der 35- jährige aus dem Haus flüchtete, konnte er nach kurzer Verfolgung festgenommen werden. Anschließend eilte ein Polizist mit einem Feuerlöscher in die Wohnung. Er löschte die Flammen auf dem Küchenboden. Als er die Tür zum Wohnzimmer öffnete, sah er Flammen auf dem Laminatboden züngeln. Er sprühte alles Löschpulver in den Raum und warf die Tür wegen des dicken Rauches zu. Dank der Feuerwehr waren allen Brandherde rasch gelöscht. Auf der Suche nach Brandnestern, musste die Wehr jedoch Löcher in die mit Gips verkleidete Balkendecke schlagen. Der durch die Brandstiftung angerichtete Gesamtschaden wird auf über 15.000 Euro beziffert.

Verfolgungswahn machte Schuldunfähigen aggressiv

Seit knapp sieben Monaten lebten die Vermieter im Ungewissen, warum ihr Mieter sie damals in Angst und Schrecken versetzt hatte. Weder die Polizei noch die Justiz klärte sie darüber auf, dass ihr Mieter damals unter Wahnvorstellungen litt und sie deshalb in einem durch diese Krankheit bedingten Zustand angegriffen hatte, in dem er nicht mehr Herr seiner Sinne gewesen war. Er hatte sich bereits damals seit Monaten verfolgt gefühlt, glaubte, dass seine Lebensmittel und Zigaretten in den Geschäften und insbesondere in seiner Wohnung von fremden Mächten vergiftet werden. Er glaubte, dass seine Arbeitskollegen und seine Vermieter davon wussten.
Nach seiner Festnahme kam er wegen seines psychischen Zustands ins Zentrum für Psychiatrie nach Emmendingen. Unter der Wirkung von Medikamenten und dem Einfluss therapeutischer Gespräche verschwanden die Wahnideen. Sie sind nach dem Absetzen der Medikamente nicht wiedergekommen. Als geheilt könne der 35-Jährigen aber frühestens nach zwei beschwerdefreien Jahren bezeichnet werden, erläuterte der psychiatrische Sachverständige im Prozess. Er befürwortete deshalb die Unterbringung des 35-Jährigen in der Psychiatrie. Eine Rückfallgefahr bestehe, wenn er ohne Arbeit, ohne Wohnung und ohne ambulante Therapie in Freiheit komme. Dennoch könne die Unterbringung aus medizinischer Sicht zur Bewährung ausgesetzt werden: Seit Monaten habe der 35- Jährige keine Vergiftungsideen mehr gehabt.
Die Dritte Große Strafkammer unter Leitung von Arne Wiemann hat die Unterbringung des zur Tatzeit schuldunfähigen Mannes angeordnet und für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt. Damit war das Gericht den übereinstimmenden Anträgen von Oberstaatsanwalt Edgar Villwock und Verteidiger Philipp Rinklin gefolgt. Binnen einer Woche muss der 35- Jährige die ambulante Therapie in Emmendingen beginnen. Er muss die ihm angebotene Arbeitsstelle annehmen oder sich sofort arbeitslos melden. Er muss eine Wohnung suchen und sich bei einer Suchtberatung melden. Mit ihr soll er seinen bisherigen Alkoholkonsum in den Griff bekommen. Das Urteil ist rechtskräftig.