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18. April 2017

Jahrhundertereignis für Biederbach

Feierliche Einweihung des Rathauses / Dienstleistungszentrum mit Volksbank / Viele Besucher kamen beim Tag der offenen Tür.

  1. Einweihung im neuen Bürgersaal mit Dekan Hans-Jürgen Decker und Pfarrerin Barbara Müller-Gärtner. Foto: Nikolaus Bayer

  2. Kleine und große Biederbacher statteten dem Rathaus beim „Tag der offenen Tür“ am Sonntag einen Besuch ab, hier bei Josef Ruf im Dienstzimmer. Foto: Nikolaus Bayer

  3. Festakt in der Schwarzwaldhalle: Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer bei ihrer Ansprache. Rechts: Symbolische Schlüsselübergabe des Architekturbüros A3 an Bürgermeister Josef Ruf, mit Architekt Bernhard Langholz, Bauleiter Christoph Kern, Klaus Wehrle und Volksbankvorstand Martin Reichenbach (von links) Foto: Nikolaus Bayer

  4. Foto: Nikolaus Bayer

BIEDERBACH. Bürgermeister Josef Ruf sprach von einem "großen Tag, einem Jahrhundertereignis" für die Gemeinde. Mit diesen Worten eröffnete er die Feier zur Einweihung des neuen Biederbacher Rathauses. Mehrere prominente Redner – jeder auf seine Art – gratulierten Ort und Bürgerschaft zum neuen Dorfmittelpunkt. Rund 120 geladene Gäste hatten sich in der Schwarzwaldhalle zum Festakt eingefunden. Die Weihe fand danach im Bürgersaal statt. Ein Doppelquartett der Trachtenkapelle verlieh dem Ereignis musikalisch Glanz. Am Sonntag besichtigten viele hundert Interessierte das neue Haus.

Regierungspräsidentin, Landrat, zwei Bundes- und zwei Landtagsabgeordnete sowie die Bürgermeister aus Elzach, Winden, Gutach, Simonswald und Freiamt machten der Gemeinde ihre Aufwartung. Außerdem konnte Bürgermeister Josef Ruf seinen Gemeinderat, die Elzacher Geistlichkeit, den Vorstand der Volksbank, Baufirmen, Ehrenbürger und als Senior den früheren Gemeinderechner Heinrich Weber willkommen heißen.

In zwei Ansprachen ging Ruf nochmals auf Bauverlauf sowie Vorzüge des neuen Rathauses ein (die BZ berichtete): Er freue sich – für alle Biederbacher – über diesen "Höhepunkt in der Ortsgeschichte". Der Neubau war die "wirtschaftlichste Lösung". Dabei habe "nicht Prunksucht", sondern das "Bemühen um breite Akzeptanz, um eine Erfüllung von Bürgerstolz im besten Sinne" den Gemeinderat geleitet. In Partnerschaft mit der Volksbank erhalte Biederbach ein "Dienstleistungszentrum, das sich gut ins Dorfbild einfügt" und auch hohen energetischen Ansprüchen genüge. Das neue Rathaus "wird den Anforderungen einer modernen Verwaltung voll und ganz gerecht". Ruf dankte dafür vielen Stellen und Personen, die dieses Projekt befürwortet, genehmigt, mit Ideen begleitet und handwerklicher Kompetenz realisiert haben.

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Ein Zentrum, das sich gut ins Dorfbild einfügt

Besonders hob er das Bleibacher Architekturbüro A3 und – für die termingerechte Realisierung – dessen Bauleiter Christoph Kern hervor. Gleiches Lob erhielt der Bauausschuss mit den Gemeinderäten Claudia Wernet, Jürgen Allgaier und Thomas Schultheiß. Die entscheidende finanzielle Unterstützung, so Ruf, kam aber von der Spitze des Regierungspräsidiums, ohne die der Neubau des Biederbacher Rathauses nicht möglich gewesen wäre.

Vorstandsmitglied Martin Reichenbach bedankte sich seitens der Volksbank Breisgau Nord für die Initiative des Bürgermeisters und die perfekte Zusammenarbeit beim Bau der neuen Bankfiliale im Erdgeschoss. Zusätzlich zum Baudarlehen, das sie über Mietzahlung langfristig selbst abträgt, habe die Bank für den Innenausbau ihrer Räume (die BZ berichtete) hohe Investitionen getätigt. Es wurde ein sicherheitstechnisch modernes Interieur mit regionalem Bezug geschaffen, mit dem sich die Volksbank auch langfristig für den Standort entschieden habe.

Klaus Wehrle, Chef des Architekturbüros A3, beglückwünschte die Gemeinde zu ihrem kombinierten Bau aus Stahlbeton im Erdgeschoss und reinem Holzbau in den beiden Obergeschossen. Positive Ökobilanz, optimales Raumklima und eine Bevorzugung heimischer Ressourcen wurden damit erreicht. Wehrle lobte auch die schnelle Erteilung der Baugenehmigung durch das Landratsamt.

Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer bescheinigte der Gemeinde Biederbach, sich mit einer "weisen Entscheidung" einen "ersten Platz unter Baden-Württembergs Rathäusern gesichert" zu haben.

Ein Schmuckstück, barrierefrei und mit Intelligenz finanziert

Der Neubau, barrierefrei und allen Bürgern größtmögliche Teilhabe bietend, sei ein "Schmuckstück". Sie erinnerte an ihren Ortsbesuch im September 2014, als sie eine "gute Priorisierung" in Form vieler Investitionen in vordringliche Daseinsvorsorge vorgefunden habe. Dies und die "intelligente Finanzierung" durch Einbeziehung der Volksbank haben zur Überzeugung geführt, einen Rathausneubau jetzt zu unterstützen. Aus dem Ausgleichsstock konnten so 600 000 Euro und über das Kommunale Investitionsgesetz des Bundes nochmals 30 000 Euro bereitgestellt werden.

Landrat Hanno Hurth stellte die "unterdurchschnittliche Verschuldung" und stets solide Ausgabenpraxis der Gemeinde heraus, die es seiner Haushaltsaufsicht erlaubt hat, die Gesamtinvestition von zwei Millionen Euro zu genehmigen. "Biederbach hat Grund, darauf stolz zu sein", sagte er. Mit dem neuen Dienstleistungszentrum verbessere sich die Lebensqualität im Ort. Der Volksbank dankte er für ihr gleichgerichtetes Bekenntnis zum ländlichen Raum. Dem Bürgermeister übergab er den Abnahmeschein der Baurechtsbehörde, worauf Josef Ruf freundlich entgegnete, im Wissen darum schon mal "ohne" eingezogen zu sein.

Peter Weiß (MdB), stellvertretend für die Abgeordneten Johannes Fechner, Alexander Schoch und Marion Gentkes, sagte, was ein Rathaus eben auch ist: "Ein Symbol. Es dient der Selbstdarstellung und dem Selbstbewusstsein einer Gemeinde". Beim neuen Biederbacher Rathaus werde das – zu Recht – nicht anders sein, so Peter Weiß.

Elzachs Bürgermeister Roland Tibi gratulierte namens der Nachbargemeinden zur "gelungenen Aufwertung des Ortskerns". Angesichts vieler alter Rathäuser im Umland werde jetzt Biederbach zum besuchten Vorbild werden. Er hielt den eigenen Rathausschlüssel hoch, womit die Unterschiede schon anfangen. Der Festakt in der Halle endete mit dem "Hoch Badnerland" .

Zur anschließenden, ökumenischen Weihe fanden sich die Gäste dann dicht gedrängt im Bürgersaal im Obergeschoss des neuen Rathauses ein. Die Bläser der Trachtenkapelle unter Dirigent Stephan Rinklin intonierten: "Ein Haus voll Glorie". Pfarrerin Barbara Müller-Gärtner las eine Stelle aus dem Markus-Evangelium, wo zum Beitrag der Bürger für das Gemeinwohl und zum Amtsgebrauch nach göttlichen Geboten gemahnt wird. Dekan Hans-Jürgen Decker überreichte dem Hausherrn ein Kreuz und sprach den Segen. Am Ende fügte er an: "Der Segen kommt von oben und reicht auch stets bis ganz unten" – womit in diesem Falle aber die Volksbank im Erdgeschoss gemeint war.

Autor: Nikolaus Bayer