Zur Navigation Zum Artikel

Wenn Sie sich diesen Artikel vorlesen lassen wollen benutzen Sie den Accesskey + v, zum beenden können Sie den Accesskey + z benutzen.

10. Januar 2012

Wildsau ertappte Christbaumklauer

Theater beim Musikverein mit dem lustigen Dreiakter "Die wilden Weihnachtstriebe" / Die Jugendkapelle sorgte für Stimmung.

  1. Die „Liebenswürdigkeiten in Person“: Opa Klaus (Christian Ringwald) und Tante Kätchen (Franziska Schultis). Foto: Kurt Meier

BIEDERBACH. Ja, so ein Christbaum: Was hat so ein schönes Stück nicht schon für Dramen angerichtet in heimischen Wohnzimmern. Und wenn das Ding auch noch geklaut sein soll, weil’s so doch billiger ist, dann wird's – richtig – kriminell. Doch der tumbe Möchtegern-Dieb wird ob seiner Ungeschicklichkeit von einer rasenden Wildsau erwischt, mit schmerzlichen Konsequenzen. So geschehen in der Biederbacher Schwarzwaldhalle, wo der Musikverein am Vorabend von Dreikönig den Dreiakter "Die wilden Weihnachtstriebe" zur Aufführung brachte.

Er ist die Ausgeburt eines Geizhalses: Familientyrann Erwin Knascht. "Ä Schwob isch glatt ä Geldverschwender degege", seufzt die fesche Tochter Rosi, die ein Auge auf den knackigen Förster Karl geworfen ein. Aus dessen Schonung hat Mutter Mia einen Tannenbaum bestellt: "De Scheenscht, wo ich diesjohr überhaupt hob!", lobt der wackere Waidmann, der das gute Stück auch noch frei Haus liefert.

Doch Geizhals Erwin will die dafür fälligen 20 Euro nicht rausrücken. So nimmt das Verhängnis seinen Lauf: Erwin erinnert sich an Opa Klausens Nachkriegsgeschichten, als man sich den Christbaum mangels Geld immer mal wieder selbst heimlich aus dem Wald besorgte. Doch dafür braucht’s ein bisschen handwerkliches Geschick – etwas, das dem "Beamtenheini" Erwin völlig abgeht. Keiler Bruno wird Opfer von Erwins Sägeversuchen, wehrt sich aber mit Hauern und Zähnen und erbeutet dabei Erwins Toupet. Eine verräterische Beute, denn schon macht sich der wackere Waidmann auf Diebesjagd. Da hilft kein Ächzen und kein Leugnen: Arg ramponiert muss Erwin beichten – vor Erbtante Käthchen vor allem, die sonst den Geldhahn völlig zudrehen will. Und Töchterchen Rita, das die Gelegenheit nutzt und ihren Freund Karl flugs dem reumütigen Papa als künftigen Schwiegersohn ("Was des wieder koscht...!!!") unterjubelt. Und als Erbtantchen Käthe und Opa Nikolaus auch noch ihr seit Jahrzehnten mit Freuden geschwungenes Kriegsbeil begraben, ist das Happy-End richtig vollkommen.

Werbung


Zünftig war sie, die etwas andere Weihnachtsgeschichte, die die Laienspielgruppe des Musikvereins mit Verve auf die Bühne brachte. Fast ausverkauft war die Schwarzwaldhalle, in der das Publikum mit Szenenapplaus nicht geizte. In Stimmung hatte es sich von der Jugendkapelle des Musikvereins mit einem kleinen, aber feinen Unterhaltungskonzert bringen lassen, das gleichzeitig der Abschiedsauftritt von Dirigentin Ines Hermann war. Fast zwei Jahre war sie nun in Biederbach, doch berufliche Veränderungen ziehen sie ins heimische Schwabenland zurück. Mit Unterhaltungshits von heute bewiesen die Nachwuchsmusiker ihr Können, von Vanessa Hin durch das Programm geführt. Tobias Disch, Vorsitzender der Bläserjugend, nutzte die Gelegenheit, fast das halbe Orchester mit bronzenen und silbernen Leistungsabzeichen auszuzeichnen (siehe unten) – Ausdruck der guten Nachwuchsarbeit, die in Biederbach geleistet wird. Ganz klar, dass da auch eine Zugabe notwendig wurde.

Die Akteure des Theaterspiels waren Patrick Schwendemann (Erwin Knascht), Annegret Disch (seine Frau Mia), Christian Ringwald (Opa Klaus Mockel), Jessica Schwendemann (Tochter Rosi), Franziska Schultis (Tante Kätchen), Stephan Schätzle (Förster Karl) Diana Burger (Mias Busenfreundin Karin), Regie führte Dietmar Volk, Soufleuse war Doris Allgeier, zuständig für die Technik: Stefan Allgeier, Maske: Luidgard Schneider.

Das bronzene Jungmusiker-Leistungsabzeichen erhielten Vanessa Hin, Katja Burger, Katja Ruf, Simon Gehring, Fabian Hin, Severin Hake und Alexander Thoma. Das silberne Leistungsabzeichen bekamen Julia Schüssele, Magdalena Brugger und Pascal Hin.

Autor: Kurt Meier