Bienen im Kunsthaus

Annette Mahro

Von Annette Mahro

Fr, 14. September 2018

Ausstellungen

Die neue Ausstellung im Kunsthaus Baselland setzt der Honigbiene mehrere künstlerische Denkmäler.

Auf altmeisterlichen Stillleben verweisen Insekten wie Fliegen und Käfer neben welkendem Blattwerk gerne auf die Vergänglichkeit. Honigbienen, denen das Kunsthaus Baselland in seiner neuen Ausstellung eine ganze Reihe von Denkmälern setzt, haben ihrerseits ihren Platz in der Kunst, aber einen anders gearteten. In der Antike wurden etwa in Bronze gegossene Bienen als Grabbeigaben verwendet, sei es, um den Verstorbenen mit Honig zu versorgen, sei es als Symbol für Regeneration.

Unter den 24 Künstlern, die in der Ausstellung vertreten sind, hat Marta Margnetti das Thema aufgenommen. Während ihre Bienen, Hummeln oder Wespen liegend gekrümmt nachgebildet sind, stellt eine Leihgabe aus dem Basler Antikenmuseum, die dem edlen Tier huldigt und in derselben Vitrine ihren Platz findet, dem allfälligen Tod das Leben gegenüber. Margnetti will ihre Arbeit als Bezug zu aktuellen Wertmaßstäben verstanden wissen, in denen drohende Ernteeinbußen jeden Pestizid- und Neonikotinoid-Einsatz rechtfertigen, koste es, was es wolle.

Unter dem wortmalerischen Ausstellungstitel "Beehave", in dem unter anderem das englische beehive (Bienenstock) vorkommt, nimmt die Ausstellung aber auch noch weitere Blickwinkel ein. Das Ganze sei gleichsam als Gedanke ausgeschwärmt, wie ein agiles Bienenvolk nach einem neuen Nistplatz, so umschreiben die Ausstellungsmacher ihren Ansatz. Nirgends lässt er sich schöner und vor allem taktiler nachvollziehen als bei den beiden Katalanen Xavi Manzanares und Alex Muñoz und deren raumfüllender Arbeit "Eixams" (katalanisch für Schwärme). Darin lässt sich zum einen dem mittels Videoprojektion und Audioinstallation live übertragenen Leben im Inneren eines außerhalb des Kunsthauses installierten Bienenstocks folgen, zum anderen laden Holzpaneelen dazu ein, darauf Platz zu nehmen und das Summen und Brummen mit dem ganzen Körper zu spüren.

Entstanden ist die Ausstellung als Kooperation mit der Fundació Joan Miró in Barcelona, wo sie in anderer Zusammenstellung zuerst gezeigt wurde. Zentral ist immer die Biene selbst, etwa als Nutztier und lebensnotwendiger Bestäuber. Thematisiert werden aber auch ihre Gefährdung und Rolle im Ökosystem, das komplexe Sozialverhalten der Tiere oder die mit ihnen im Zusammenhang stehenden Produkte wie Honig und Bienenwachs. Dass die Tiere anlässlich der akuten Bedrohung aktuell nahezu überpräsent sind und in Filmen, Dokumentationen und erst jüngst mit großen Beiträgen etwa in der neuen Züricher Zeitung NZZ oder der New York Times bedacht wurden, belegt für Kunsthaus-Direktorin Ines Goldbach sowohl die Relevanz des Themas als auch die Seismographen-Funktion von Kunst.

Neben hochaktueller Gegenwartskunst sind, für diesen Kunstort eher ungewöhnlich, deshalb auch moderne Klassiker zu sehen, wie etwa Meret Oppenheims Monotypie "Bienenflug" (1958), Joseph Beuys‘ Zeichnung "Bienenkönigin" (1955) oder Joan Mirós 1966 entstandene Skulptur "Filette au chapeau nid d’abeilles" (Mädchen mit Wabenhut). In diesen Reigen fügt sich auch Mike Hentz‘ als Video aufgezeichnete Installationsperformance "Bees" (Bienen) aus dem Jahr 1980. Der amerikanisch-schweizerische Künstler hatte sich damals als Gastprofessor an der Hamburger Akademie der Künste in Vertretung von Sigmar Polke ähnlich wie Joseph Beuys zuvor mit einem Kojoten mit einem Bienenschwarm eingeschlossen. Passiert ist nach entsprechender Annäherung beiden nichts.

Mit echten Bienen haben auch Künstler wie Mirko Baselgia gearbeitet, der seinen tierischen Mitarbeitern anstatt industriell vorgefertigter Wabenblätter abgewandelte Formen mit arabisch anmutenden Mustern angeboten hat, oder Björn Braun, der in einen künstlerischen Dialog mit Mauerbienen eingetreten ist. Carmen E. Kreis spürt Bienen in einem rhythmisch schnell getakteten Video in Nahsicht nach, während Jan Kopp ein fragiles und stark nach Honig duftendes Kunstwerk geschaffen hat aus Bruchstücken eines verlassen gefunden wilden Bienenstocks.

Info: "Beehave" bis 11. November, Kunsthaus Baselland, St. Jakob-Straße 170, Muttenz, Di-So 11-17 Uhr, umfangreiches Begleitprogramm, Info: http://www.kunsthausbaselland.ch