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19. Juni 2012

Galerie im Tor

Bilder von Jürgen Giersch: Schweben zwischen Tag und Nacht

Die Emmendinger Galerie im Tor zeigt Bilder des Freiburger Malers Jürgen Giersch.

"Natur, gesehen durch ein Temperament." Mit diesem Zitat von Paul Cézanne fasst Jürgen Giersch sein Werk zusammen. Nur fünf Wörter, um seine Malerei besser zu verstehen. Unter dem vielsagenden Titel "Sommer, Winter, Tag und Nacht" zeigt die Emmendinger Galerie im Tor das Werk des Freiburger Malers. Der Titel der Ausstellung ist kein Zufall. Gezeigt wird tatsächlich das Schweben der Welt zwischen Sommer und Winter, zwischen Tag und Nacht, zwischen Licht und Dunkelheit. Dass die Welt kein starrer und ausdruckloser Ort ist, sondern Raum für Erneuerung und Schaffenskraft, das zeigt sich in den 21 hier ausgestellten Ölgemälden von Jürgen Giersch.

Wo Himmel und Meer verschmelzen

Obwohl die Ausstellung viele landschaftliche Bilder zeigt, ist die Natur für Jürgen Giersch kein Vorbild, das er bloß imitieren möchte. Die Mittel der Darstellung – Fläche, Linie, Farbe – umfassen sowohl die Funktion der Nachahmung als auch die der Selbstdarstellung. In der Vorstellung des Malers fügen sich eigene Eindrücke und realistische Ansätze zu einem Ganzen, für das das konkrete Erlebnis den ersten Impuls liefert.

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"Etwas Beunruhigendes, Unerkennbares, Unverstehbares ist in jedem Bild enthalten", sagt Giersch selbst. Mit Recht. Wer sich zum ersten Mal mit seinem Werk auseinandersetzt, wird von dieser merkwürdigen Zusammenstellung von Natur und surrealen Elementen verunsichert. Giersch ist es gelungen, seine Gefühle mit konkreten Erlebnissen zu vereinen, und damit die Tiefe des Unbewussten zu erreichen. So mischen sich Traum, Verborgenes, Verwirrendes, beunruhigende Verformungen zu rätselhaften Szenen, die kein Mensch mit Logik zu durchschauen vermag. Zusammengeschobene Flächen und stürzende Linien erzeugen einen rauschhaften Effekt. Innerhalb eines Bildes finden sich oft mehrere Perspektiven und ein verschlüsselter Eindruck entsteht. Bei Giersch ist keine Eindeutigkeit. Alles gewinnt eine Offenheit der Bedeutung.

Es gibt in den Gemälden keine Trennung mehr zwischen der Natur und dem Menschen. Der ist Teil der Natur und umgekehrt. Neben schiefen Horizonten, schräg stehenden Wänden, verschmelzendem Meer und Himmel und gigantischen Bäumen tauchen moderne Industrieanlagen, Autobahnen und graue Fabrikgebäude auf. Der Betrachter lässt sich allmählich von den ungewöhnlichen Bildformen und von den kalten Farben entführen – Blau, Schwarz und Weiß dominieren. Der Mensch taucht nur vereinzelt auf. Verloren in der Unendlichkeit, einsam.

Bestimmte Themen gibt es in Gierschs Malerei nicht. "Sie sind breit gestreut, sie bilden ein buntes Gemisch wie das Leben selbst", sagt der Maler. Giersch findet seine Motive in einer surrealen Natur, tief von seinem Empfinden geprägt . Ob die Technik die Natur beherrscht oder umgekehrt bleibt offen. In manchen Gemälden scheint es keinen Platz mehr für die Natur zu geben, in anderen sieht man sie als allmächtig.
– Galerie im Tor, Lammstr. 30, Emmendingen. Bis 22. Juli, Mittwoch 14–17, Samstag 11–14 , Sonntag 11–17 Uhr.

Autor: Laurie Tierce