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11. Januar 2012

Bilder zum Nachlesen

Die erste 2012er Ausstellung im Georg-Scholz-Haus zeigt Arbeiten von Christoph Meckel, der Schrift und Zeichnung verbindet.

WALDKIRCH. Am kommenden Sonntag wird um 11 Uhr die Ausstellung "Christoph Meckel, Zeichnungen und Grafik" im Georg-Scholz-Haus eröffnet. Mit grafischen Werken des zugleich auch vielfach als Dichter ausgezeichneten Künstlers knüpft sie unter dem Aspekt "Doppelbegabungen und Literaturbezug" an die Ausstellung "Auf den Punkt gebracht" im Scholz-Haus an.

Zum Jahreswechsel 2011 / 2012 erschien im Freiburger Modo-Verlag ein Werkverzeichnis der Grafik in zwei Bänden des 1935 in Berlin geborenen Dichters und Zeichners, das am Rande der Waldkircher Ausstellung der Öffentlichkeit vorgestellt wird. In Berlin hatte sein Vater Eberhard Meckel mit dem Schriftsteller Peter Huchel in einer Künstlerkolonie gewohnt. Kindheit und Jugend verbrachte Christoph Meckel in Berlin, Erfurt und Freiburg. Unter anderem studierte Meckel bei Rudolf Dischinger an der Freiburger Kunstakademie. Wichtige Bezugspersonen und Lehrer Meckels versuchten, mit Neuer Sachlichkeit den surrealen Eindrücken der Zwischenkriegsjahre, der Kriegs- und Nachkriegsjahre mit Wort oder Bild, oder mit beidem, einen unverwechselbaren Ausdruck zu verleihen beziehungsweise ein Gegengewicht dazu zu setzen. Manchmal, wie in den Triptychons von Otto Dix ("Großstadt und der Krieg"), reichte ein Bild nicht aus, um überwältigende Eindrücke bildnerisch umzusetzen.

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Diese Einflüsse und Themen der Stilrichtung Neue Sachlichkeit, zu deren Vertretern auch Georg Scholz gezählt wird, machen einen Teil von Meckels Werk in Wort und Bild aus. Ein im Erdgeschoss des Georg-Scholz-Hauses zu findendes Triptychon hat Meckel seinem "Lieblingsbild" gewidmet. Es ist "Der verwundete Engel" des finnischen Malers Hugo Simberg. 1903 gemalt, zeigt das Gemälde keinen triumphierenden Engel eines Siegesdenkmals, sondern einen von zwei Buben auf einer Trage transportierten, verletzten Engel. Im Raum 3 im Obergeschoss ist ein Zyklus von sechs durchnummerierten Bildern zu finden, die einen Meckel repräsentieren, dessen Leben nach der Bombardierung Freiburgs 1944 biografisch wie künstlerisch viel weiter ging. Auf dem ersten Bild der Serie teilt sich Meckel im Bild schriftlich mit, sowohl mit Lyrik, aber auch sachlich, mit Orts- und Zeitangabe zum Werk.

Er brauche für seine Arbeit nur einen Tisch am Fenster, kein Atelier, erklärte Meckel im BZ-Gespräch zu seiner während vielen Reisen erprobten Arbeitsweise. Grafiken mit Textelementen, Selbstzitaten und Anspielungen sind auch in weiteren Räumen zu finden. Die schlichte Farbigkeit der Bilder und die Vielfalt der in einem Werk angewandten Techniken (Radierung, Bleistiftzeichnung, Mischtechniken) erinnern an bestimmte Bilder von Hans Erni. Mit dem Schweizer Maler und Grafiker verbindet Meckel auch die Angewandtheit von Kunst. Erni hat Briefmarken entworfen, illustrierte zahlreiche Bücher und entwarf Plakate. Bei Meckel finden sich gleichermaßen verdichtete Bildelemente, Details, die für sich wirken könnten, und auf einer Briefmarke Platz hätten. Meckel hat unter anderem die Illustrationen zu den Buchausgaben der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte und der Rechte des Kindes gestaltet. Bilder wie anspruchsvoll designtes Geschenkpapier, das beim Auspacken beachtet werden will, weil es etwas Besonderes verhüllt, laden zum genauen Betrachten und Nachsinnen ein. Zusammenhänge von Wort und Bild sind auch der rote Faden im Begleitprogramm der bis 26. Februar dauernden Ausstellung, wie bei "Kunst im Dialog" am 19. Januar um 20 Uhr und in einer Schreibnacht am 4. Februar ab 19 Uhr. In der Finissage am 26. Februar um 10 Uhr wird Meckel eine Auswahl seiner Texte lesen.

Infos zu den Veranstaltungen unter http://www.georg-scholz-haus.de im Internet. Geöffnet ist die Ausstellung donnerstags, freitags und samstags von 15 bis 18 Uhr und sonn- wie feiertags 10 bis 13 Uhr.

Autor: Ernst Hubert Bilke