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16. Mai 2017

Rundgang hilft, den Blick fürs Alte zu schärfen

Siegrid Schulte ließ die Binzener Geschichte lebendig werden.

  1. Siegrid Schulte vor einem der historischen Gebäude in Binzen Foto: OUNAS

BINZEN (ouk). Anlässlich des Jubiläums "1250 Jahre Binzen" führte Siegrid Schulte am Sonntag durch den alten Dorfkern rund um Rathaus und Kirche. Sie führte in die wechselvolle Geschichte des Dorfes ein, zu dem einst sogar ein Wasserschloss gehörte. Außerdem schärfte sie den Blick ihrer Zuhörer für die traditionelle Handwerkskunst, die bis heute die alten Häuser im Dorfkern prägt. Eine stattliche Gruppe von 50 bis 60 Menschen folgte ihr interessiert.

Siegrid Schulte, Weiler Stadtführerin und seit 30 Jahren in Binzen zu Hause, startete beim Rathaus. Das heutige neue Rathaus sei 1909 als Schulhaus eingeweiht worden, berichtete sie. Schon im Jahr 1557 kurz nach Einführung der Reformation in der Markgrafschaft Baden-Durlach wurde Binzen Schulstandort – einer der ersten in der Diözese Rötteln. Damals seien die Jungen und Mädchen nur bei schlechtem Wetter, wenn sie in der Landwirtschaft nicht helfen mussten, in Privathäusern unterrichtet worden, so die Stadtführerin. Das erste Schulhaus entstand im 18. Jahrhundert in der Dorfstraße – ein heute weiß verputztes Haus mit Fenstereinrahmungen aus rotem Sandstein.

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Wo das Binzener Wasserschloss einst stand, konnte Siegrid Schulte ihren Zuhörern nicht sagen, weil es nicht bekannt ist. Anhaltspunkte liefert der Gewannname "Schlossgarten". Die Stadtführerin erzählte aber von den Basler Bischöfen und den Vögten der Zähringer, die dort residierten, bis das Schloss im 30-jährigen Krieg zerstört wurde. Die Bischöfe hatten Landrechte in Binzen und konnten die Bevölkerung zu Frondiensten zwingen. Die Vögte trieben den Zehnten ein, wozu auch das beste Gewand jedes Verstorbenen zählte. Sie berichtete auch, wie einst die Textilindustrie und der Transport von Erz aus dem Kandertal Binzen Wohlstand brachten.

Auf ihrem Rundgang machte Siegrid Schulte immer wieder auf Spuren alter Handwerkskunst an den Häusern aufmerksam. An einer Hauswand des Weinguts Frick streckte ein Sandsteingesicht keck die Zunge heraus, hier zierte ein schmiedeeisernes Gitter ein Fenster, dort eine handgeschnitzte Brüstung einen Balkon. Beim Zahndthaus, einem stattlichen Wohnhaus, waren in der unverputzten Mauer die gewaltigen, sorgfältig behauenen Ecksteine zu sehen. Siegrid Schulte warb dafür, solche Schätze zu erhalten, obwohl sie auch Verständnis für Eigentümer hatte, die ihre Häuser modernisieren und umbauen wollen: "Die Geschichte bleibt nicht stehen." Als gelungen bezeichnete sie den Umbau einer Scheune zu einem Wohnhaus. Im Verputz waren Stellen freigelassen, an denen das alte Gemäuer zu sehen war.

Der mächtige weiße Kirchturm stammt noch von der ersten Kirche Binzens, die im Jahr 807 eingeweiht wurde – nur 40 Jahre nach der Ersterwähnung. Die heutige Kirche stammt aus dem Jahr 1824. Damals bekam der Turm den markanten Aufsatz aus rotem Sandstein.

Autor: ouk