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09. Januar 2014

Gefühlter Mai kurz nach Silvester

Frühling in Freiburg: An der Dreisam blüht es, ein Biergarten öffnet, die Straßencafés sind voll / Die Meteorologen sagen 18 bis 19 Grad Celsius vorher.

  1. Mehr als ein Hauch von Frühling: Blütenzauber am Dreisamuferweg. Foto: Ingo Schneider

  2. Eis ist gefragt wie selten zuvor im Januar – gut für alle Eismacher, die sich nicht in die Winterpause verabschiedet haben. Auch der Kastaniengarten hat geöffnet. Foto: Ingo Schneider

  3. Foto: Ingo Schneider

Der Wärmerekord für Januar könnte heute geknackt werden. Der Deutsche Wetterdienst sagt für den Oberrheingraben 17 bis 19 Grad voraus. Der bisherige Topwert in Freiburg im ersten Monat eines Jahres wurde am 10. Januar 1991 erzielt: mit 18,8 Grad. Möglicherweise bekommen das dann wetterfühlige Menschen zu spüren. Doch, Obacht: Die nächste Kaltluftfront zieht auf Freiburg zu.

"Wir haben 16 Grad auf dem Schlossberg – und wir haben die Biergartensaison eröffnet", meldete am Mittwochnachmittag Toni Schlegel, der Wirt des Kastaniengartens beim Greiffeneggschlössle. 20 Jahre betreibt Schlegel den Biergarten hoch über Freiburg – dass er im Januar einmal loslegen konnte, das habe es noch nie gegeben, erzählt er. Der Gastronom hat gute Kontakte in Freiburger Partnerstadt Madison im US-Bundesstaat Wisconsin. Dort sieht die Welt anders: "Die haben dort minus 26 Grad", berichtet Toni Schlegel.

Schon am Dienstag hatten er und sein Team die Rollläden am Ausschank hochgezogen und die Schankanlagen aus dem Winterschlaf geholt, ebenso am gestrigen Mittwoch. Auf Gäste brauchte der Kastaniengarten denn auch nicht lange zu warten: Ein paar Tische waren tatsächlich besetzt. Die Biergartenbesucher ließen sich von der Nachmittagssonne bescheinen und genossen einen Blick den Ausblick auf Freiburg.

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Wie Experten eben so sind, nimmt Klaus Riedl vom Deutschen Wetterdienst (DWD) in Stuttgart die Hochtemperaturphase gelassen. Natürlich sei Anfang Januar winterlich-kaltes Wetter wahrscheinlicher, aber außergewöhnlich seien hohe Plusgrade nicht.

In der Tat gab es zweistellige Temperaturen in den vergangenen drei Jahren in jedem Januar: 15 Grad waren es am 30. Januar 2013, im Vorjahr stieg das Thermometer am 2. Januar auf 14,4 Grad. Und 16,2 Grad wurden am 8. Januar 2011 gemessen.

Immerhin gab es mit 1877, 1939, 1991 und 1999 vier Jahre, in denen es der Januar auf Höchsttemperaturen von mehr als 17 Grad schaffte. Das Jahr 1991 brachte es mit frühlingshaften 18,8 Grad auf die höchste Januar-Temperatur seit 1868, dem Beginn der Wetteraufzeichnungen.

Nun also bringt das Tiefdruckgebiet über dem Atlantik warme Luftmassen aus Südwesteuropa heran . Klaus Riedl prognostiziert für Freiburg 17 bis 18 Grad am Donnerstagnachmittag, "vielleicht sogar 19 Grad". Dass sogar 20 Grad erreicht werden, wie manche Wetterdienste am Mittwoch meldeten, könne er sich höchstens auf der Südseite der Weinberge im Kaiserstuhl vorstellen.

Die heutige Wärme ist der Vorbote der nächsten Kaltluftfront. Und die Wärme, sagt Angelika Grätz vom Freiburger Zentrum für Medizin-Meteorologie des DWD, könne manchen Menschen Probleme bereiten. "Wetterextreme und -veränderungen wirken sich aus." Doch die milden Temperaturen der vergangenen Wochen hätten im "Behaglichkeitsbereich" gelegen und dem Organismus eher gut getan. "Es sei denn, man zieht sich zu warm an", sagt Angelika Grätz.

Warm anziehen musste man sich am Mittwoch wirklich nicht, um draußen in einem der Freiburger Eiscafés zu sitzen. Im Eiscafé Lazzarin am Rathausplatz waren mittags alle Tische belegt – trotz Schatten. Auch im Portofino beim Theater schlürften die Gäste Eisbecher und Espressi im Freien, manche allerdings mit einer Decke über den Knien. Adine Cirulli vom Portofino freut sich über das milde Januarwetter: "Wir frieren nicht, wenn wir draußen bedienen." Etwas mehr Eis als üblicherweise gehe bei den Temperaturen weg, neben den Klassikern laufe eine Sorte gut: Zimteis. Dass im Januar so viele Tische draußen belegt sind, das sei schon außergewöhnlich. "Normalerweise sitzen dort nur die Raucher." Eines befürchtet Adine Cirulli allerdings: "Dass der Sommer erst im Juni kommt."

Autor: bz