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29. Juni 2012

Bis zu zehn Windräder möglich

Informationsabend der SPD Zell über die Windkraftpläne im Bereich Zeller Blauen / Genossenschaftsmodell wurde erläutert.

  1. Das Fröhnder Windrad wird nicht alleine bleiben. Foto: Sattelberger

ZELL. Die Energiewende ist in vollem Gange und wird in Form von Windkraftanlagen in absehbarer Zeit auch die Höhenzüge zwischen Neuenweg und Zeller Blauen erreichen. Nun geht es darum, dass Kommunen und Bürger die Energiewende vor der eigenen Haustür aktiv mitgestalten. Zwei entscheidende Bausteine hierfür wurden in einer gut besuchten Infoveranstaltung der Zeller SPD diskutiert.

Heiner Fabry stellte als Sprecher des Windkraft-Arbeitskreises im Kleine Wiesental das Genossenschaftsmodell vor, durch das die Stromproduktion künftig in der Hand der Bürger liegen könnte. Die planungsrechlichte Seite beleuchtete Zells Bürgermeister Rudolf Rümmele.

Beim Genossenschaftsmodell, wie es derzeit im Kleinen Wiesental bereits organisiert wird, bringen Bürger das nötige Kapital bei, und werden dadurch gemeinsam Eigentümer der Energieanlage. Bei Entscheidungen hat jeder Anteilseigner eine Stimme – unabhängig vom Umfang der finanziellen Einlage.

Die Wertschöpfung bleibt zum großen Teil vor Ort – und das nicht erst, wenn der Strom Gewinn abwirft. Immense Investitionen in Millionenhöhe werden bereits für die Erschließungsmaßnahmen fällig, die eine Menge an Aufträge und Umsätze ins Tal spülen.

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Zehn Windräder auf dem Höhenrücken des Zeller Blauen bedeuten Investitionen von etwa 40 Millionen Euro. Beim Geschäft mit Windkraft herrsche gerade Goldgräberstimmung, "die Erträge sind immens", berichtete Fabry von ähnlich gelagerten Beispielen. Für eine strukturschwache Gemeinde wie das Kleine Wiesental sei das Modell "eine Möglichkeit, das eigene Überleben zu sichern". Ein Windrad könne rund 6000 Haushalte versorgen. Bis zur Gründung einer solchen Genossenschaft – "gern bis Ende Jahr", so Fabry – sind noch zahllose Aspekte wie Finanzierung, organisatorische Strukturen und praktische Details zu bearbeiten. Die Mindesteinlage pro Genosse soll 500 Euro betragen. Mit den Elektrizitätswerken Schönau (EWS) ist bereits ein zuverlässiger lokaler Partner mit im Boot, der die Ideen mitträgt und auch als Kapitalgeber helfen kann. Hauptziel ist aber, dass die Bürger zu Eigentümern werden. Die nötige technische Kompetenz soll die Juwi Wind GmbH beisteuern, ein in Sachen On-Shore-Windkraft erfahrenes Unternehmen. Und dank des Kraftwerks Köhlgartenwiese gehört ein Teil des Stromnetzes bereits der Gemeinde. Die Kleinwiesentäler wollen sich nicht auf die Windkraft beschränken, sondern schreiben sich die erneuerbaren Energien allgemein auf die Fahne.

Die bauplanerischen Aspekte der Energiewende erläuterte Bürgermeister Rudolf Rümmele. Um Wildwuchs zu vermeiden, müssen die Gemeinden klare Vorgaben machen, wo sie Windkraftanlagen haben möchten – und wo nicht. "Es reicht nicht, wenn man sagt: Hier passt’s uns nicht. Wir müssen überlegen, wo es passt", machte der Lörracher SPD-Vorsitzende Manfred Steinbach klar. Fehlt ein Flächennutzungsplan, haben die zuständigen Behörden keinerlei rechtliche Handhabe, ein Windrad an ungewollter Stelle abzulehnen, betont Rudolf Rümmele: "Gibt es keine Regelung, dann hat der Antragsteller einen Anspruch auf Genehmigung", da Windkraftanlagen zu den "bevorzugten Bauten" gehören.

Grundsätzlich ist zu klären, welche Standorte überhaupt windträchtig sind; entsprechende Messungen laufen bereits. Man hoffe, so Rümmele, dass Gebiete in städtischem Besitz geeignet seien, die man dann verpachten könne. Bei der Ausweisung von Plätzen für Windkraftanlagen achte man darauf "konzentrierte Bereiche" zu schaffen, an denen mehrere Windräder ihren Platz finden. Dass es nicht bei ein oder zwei Windrädern bleiben, sondern eher auf acht bis zehn Bauten mit einer Nabenhöhe von 145 Metern hinauslaufen wird, haben die Investoren klar gemacht: "Der Aufwand für die Erschließung ist hier einfach viel größer als in der freien Fläche" – wenn jemand diesen Aufwand betreibe, dann wolle dieser auch mehrere Windräder aufstellen, damit sich das Geschäft lohnt.

Man wolle "planerisch für Ordnung sorgen", sagte Rudolf Rümmele. Vor wenigen Wochen einigten sich die Gemeinden Zell, Häg-Ehrsberg und Kleines Wiesental darauf, gemeinsam einen Flächennutzungsplan zu erarbeiten. Und mit der Juwi Wind GmbH und den Energiewerken Schönau als Betreiber sind auch die Partner für Bau und Betrieb der Windkraftanlagen unter mehreren Interessenten bereits ausgewählt. Im übrigen Landkreis werde dieses Vorpreschen im hinteren Wiesental etwas misstrauisch beäugt, bekannte Rudolf Rümmele, zeigte sich indes überzeugt davon, dass der eingeschlagene Weg der richtige ist. Die Zusammenarbeit mit Regionalverband und weitern Gemeinden sei gleichwohl selbstverständlich. "Wir müssen die gewünschten Flächen miteinander entwickeln."

Autor: Anja Bertsch