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07. Januar 2015 19:51 Uhr

Kollektiv

"Black Sheep": Amerikaner braut eigenes Bier in Freiburg

Der US-Amerikaner James Tutor lebt in Freiburg seine Bierleidenschaft aus. Zusammen mit seinem Braukollektiv kreiert er immer neue Sorten – und begeistert ein ausgesuchtes Publikum.

  1. James Tutor vom Braukollektiv freut sich über sein „Black Sheep IPA“ Foto: Thomas Kunz

Der Biermarkt ist im Umbruch. Biergiganten liefern sich Übernahmeschlachten, fördern den Einheitsgeschmack von Fernseh-Bieren. Kleine und kleinste Privatbrauereien bilden ein nicht nur geschmacklich interessantes Gegengewicht – so wie jene von James Tutor, einem US-Amerikaner in Freiburg.

Der 41-jährige James Tutor stammt aus Long Beach, südlich von Los Angeles, mit langen Stränden und tollen Wellen zum Surfen. Er besuchte das College und arbeitet als Fotograf und Digital-Techniker.

Erste Versuche waren erfolglos

Zum 25. Geburtstag schenkte ihm seine Schwester eine kleine Anlage, mit der man selbst Bier brauen kann. Nachdem seine ersten Versuche nicht ganz so erfolgreich waren, bekam er ein Buch mit Bier-Rezepten. "In den USA gilt es als trendig, sein eigenes Bier zu brauen", lacht James Tutor. Als er in einer Bier-Bar ein hopfenbetontes "Craft Bier" (handwerklich hergestelltes Bier) trank, wusste er, was er wollte. "Ich studierte das Buch nach einem passenden Rezept." Aus einer Liebhaberei entwickelte sich eine Leidenschaft, die auch Freunde zu schätzen begannen.

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Über einen Schüleraustausch lernt er seine spätere Frau Katja aus Gundelfingen kennen. Nach einem Aufenthalt in den USA ziehen sie 2013 nach Littenweiler. Ihre beiden Kinder besuchen die Reinhold-Schneider-Grundschule. "Als klar war, dass meine Frau in Freiburg für ihre amerikanische Firma tätig sein wird, habe ich mich gleich in der Bierbrauer-Szene in Freiburg umgeschaut". Dabei trifft er auf ein Video des Freiburger Chemikers und Hobbybrauers Gil Scheuermann – der Kontakt ist schnell hergestellt.
Tutor und Scheuermann treffen in Freiburg auf die ebenfalls vom Biervirus infizierten Kriminologen Chris Murphy aus Melbourne und den Bildungsmanager Børn Frenzel. Zusammen gründen sie das "Braukollektiv" (http://www.braukollektiv.com dessen Maskottchen ein vierschwänziger Affe ist. Ihr Ziel ist es, ein Bier mit vollem Aroma zu brauen, das anders schmeckt und von dem man keinen "Affen" bekommt....

3000 Liter Bier waren nach zwei Monaten ausverkauft

Eine erste Verkostung ihres Biers mit Vertretern der Freiburger Gastronomie, mit Freunden und Bekannten, ermutigt das Kollektiv. Im Braukeller der Lenzkircher Privatbrauerei Rogg stellt es im Lohnbrauverfahren sein erstes "Craft Beer" her. "Das alte Sudhaus ist wirklich toll", schwärmt James, "wir haben die Zeit, um ein exzellentes Bier zu brauen." Ein Brautag dauert sechs bis acht Stunden. Das Bier, das unfiltriert in Flaschen abgefüllt wird, entsteht dabei getreu dem deutschen Reinheitsgebot.

Zum "Pale Ale", einem obergärigen Bier, das im Stil des amerikanischen IPA (Indian Pale Ale) gebraut wird, verwendet das Kollektiv die amerikanischen Hopfensorten Amarillo und Simcoe. "Im Antrunk", schwärmt James, "zeigt sich die leichte, süße Note und der Malzgeschmack des Biers, den es vom Pilsner Malz, Pale Ale Malz, Münchner und Wiener Malz bekommt. Im Nachklang schmeckt man feine Bitternoten und tropische Frucht." Um neue Hopfensorten zu finden, fährt James auch ins Elsass.

Schwarze Schafe sind in den USA positiv besetzt

Die ersten, fast dreitausend Liter "Black Sheep IPA" waren nach zwei Monaten ausverkauft. Aber warum wird das Bier zum "schwarzen" Schaf? Es sei eben ein besonderes Bier, und zudem habe das schwarze Schaf in den Vereinigten Staaten eine positive Bedeutung. Inzwischen ist das Bier in einigen gastronomischen Betrieben, wie der "Hemingway-Bar", sowie im Getränkehandel und bei "frisch und fein" in Littenweiler zu haben.

Aktuell brauen die vier ein "dunkles und winterliches" "West Coast Style Brown Ale" mit Anklängen von Schoko- und Citrus-Aromen. Qualität hat ihren Preis, eine 0,33-Liter-Flasche wird zu kostendeckenden 2,50 Euro€ angeboten. Und wenn James Tutor mal kein Bier braut? Dann kümmert er sich um seine Familie. "Ich liebe den Schwarzwald, die freundlichen Menschen in Freiburg – während ich in Kalifornien überall mit dem Auto fahren muss, genieße ich hier das Fahrrad oder die Straßenbahn."

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Autor: Beate Kierey