Eklat um Franck Ribéry

Blattgold ist eine kulinarische Nullnummer

Michael Saurer

Von Michael Saurer

Mo, 07. Januar 2019 um 20:30 Uhr

Panorama

Fußballstar Franck Ribéry hat ein sündhaft teures Steak mit Blattgoldüberzug gegessen. Einen geschmacklichen Mehrwert hatte das Edelmetall nicht.

FREIBURG/FRANKFURT. Für die einen ist Gold eine bodenständige Wertanlage, für die anderen ein Sinnbild von Luxus und Dekadenz. Besonders letztere dürften sich durch die jüngsten Eskapaden von Fußballstar Franck Ribéry bestätigt fühlen. Dieser hatte auf seinem Instagram-Account ein Video gepostet, auf dem er in einem Spitzenrestaurant in Dubai ein mit Blattgold überzogenes Steak isst. Kostenpunkt: mehrere hundert Euro. Doch welchen kulinarischen Wert hat eine solche Veredelung?

Unterhaltungswert kann man Nusret Gökçe nicht absprechen. Ganz locker hantiert der türkische Koch an der Seite Ribérys mit dem Messer, schneidet flink das goldüberzogene Ribeye-Steak in Scheiben und schaut dabei nicht mal hin. Der Starkicker des FC Bayern ist tief beeindruckt und herzt den Starkoch am Ende mit einem Küsschen auf die Wange.

Gökçe ist bekannt für seine Shows, durch sie und seine Nähe zu vielen Prominenten ist er berühmt geworden – nicht durch seine Kochkünste. Doch seine Masche hat Erfolg – neben dem Restaurant in Dubai betreibt er weitere, etwa in New York und Istanbul. Sein Markenzeichen ist die Art und Weise, wie er das Salz auf die Steaks rieseln lässt. Er nimmt eine Prise und lässt es mit einer gewissen Theatralik aus einem halben Meter Höhe auf das Fleisch fallen. Dass Gökçe übermäßig mit Gold hantiert ist hingegen neu.

Doch was bringt eine solche Goldauflage eigentlich kulinarisch? Hierzu gibt es eine klare Antwort: "Das Steak schmeckt nicht besser, nur weil es mit Blattgold überzogen ist", sagt Daniel Ohl vom Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) Baden-Württemberg. "Gold ist auf jeden Fall keine Sättigungsbeilage", fügt er schmunzelnd hinzu. In der Spitzengastronomie im Land, da ist er sich sicher, spielen solche Extreme auf jeden Fall keine Rolle. Allenfalls im Dessert-Bereich würde manchmal eine leichte Blattgold-Beschichtung aufgelegt, etwa auf kleine Törtchen. "Aus optischen Gründen, um die Hochwertigkeit des Essens zu unterstreichen."

Tatsächlich können selbst Hobbyköche Blattgold im Internet bestellen. Teuer muss das nicht sein. "Der Goldwert des Ribéry-Steaks dürfte bei 25 Euro liegen", sagt Hans-Joachim Rütten, der Inhaber der Schwabacher Blattgold-Manufaktur Rupprecht. Die Auflage sei nur ein Achttausendstel Millimeter dick, sei gesundheitlich völlig unbedenklich, würde aber auch nicht viel bringen. "Sie schmecken davon gar nichts", sagt Rütten. "Das ist einfach nur eine Riesen-Show für nichts."

Doch man muss nicht unbedingt ein Multimillionär sein, um einmal in ein goldüberzogenes Stück Fleisch beißen zu können. In Berlin etwa kann man auf einem Imbissstand auf dem Hackeschen Markt eine Currywurst mit Goldüberzug bestellen. Kosten tut diese ganze fünf Euro – und damit 2,20 Euro mehr als die normale Wurst.

Warum das Steak Ribérys nun so extrem teuer war – manche Medien sprechen von 1200 Euro, andere von vergleichsweise bescheidenen 300 – lässt sich also nicht allein durch das Edelmetall erklären. Dass viele Fußballstars oft einen nicht gerade bescheidenen Lebensstil an den Tag legen, ist nicht erst seit dem britischen Stürmerstar George Best bekannt, der einmal sagte: "Ich habe viel Geld für Alkohol, Frauen und schnelle Autos ausgegeben, den Rest habe ich einfach verprasst."

Immerhin, so lässt sich die Angelegenheit um Ribéry abschließend bewerten, hat der Fußballstar nichts schlechtes für seinen Körper getan. Weder ist Gold besonders gesund noch schädlich. In Deutschland hat Gold sogar eine Bezeichnung als offiziell anerkannter Lebensmittelfarbstoff. Unter der Bezeichnung 175 firmiert dieser – und wird nicht erst seit Kurzem verwendet. In Danziger Goldwasser, einem polnischen Gewürzlikör, befinden sich zahlreiche kleine Blattgoldflocken. Und angeblich geht dieses Rezept schon auf das 16. Jahrhundert zurück – also auf eine Zeit, in der soziale Medien wie Instagram noch nicht wirklich eine Rolle gespielt haben.