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30. September 2014 15:32 Uhr

Atomkraft

Bleibt das Akw Fessenheim aus Kostengründen in Betrieb?

Die Stilllegung des elsässischen Atomkraftwerks Fessenheim zum Jahr 2016 hat in Paris keine starke Lobby. Vielleicht bleibt die Anlage doch länger am Netz als geplant – aus Kostengründen.

  1. Französische Politiker wollen das Atomkraftwerk Fessenheim partout nicht stilllegen. Foto: dpa

Ein Bericht, der diese Woche im Finanzausschuss der Nationalversammlung vorgestellt wird, empfiehlt aus Kostengründen, das Akw weiterzubetreiben. Nach Medienberichten beziffert das Papier die Kosten der Abwicklung – noch ohne den eigentlichen Rückbau – mit fünf Milliarden Euro. Die Autoren, der konservative Abgeordnete Hervé Mariton und der Sozialist Marc Goua, legen ihren Zahlen in erster Linie einen zu erwartenden Gewinnverlust für den Akw-Betreiber Electricité de France (EdF) zugrunde. Die Entschädigung, die der Staat dann zahlen müsste, orientieren sie allerdings an einer Laufzeit bis 2040. Die Betriebsgenehmigungen dagegen gelten nur bis 2019 für Block I und bis 2021 für Block II. Wie es dann weitergeht, entscheidet die Kontrollbehörde, nicht der Betreiber.

"Nichts von dem, was wir gegen das Akw vorgebracht haben, hat Berücksichtigung gefunden." André Hatz
Frankreichs sozialistische Energieministerin Ségolène Royal rückte die Angaben umgehend zurecht. Sie seien falsch, sagte sie im Rundfunk: "Ich werde nicht dem Druck einer Lobby nachgeben." Vieldeutig aber sind Royals weitere Aussagen: Wenn EdF einen "vernünftigeren Vorschlag als eine Schließung von Fessenheim" unterbreiten würde, dann werde sie den Vorschlag prüfen. Man solle "die beiden Reaktoren schließen", bei denen Investitionen für die Sicherheit "am teuersten wären". Es seien bereits 500 Millionen Euro in Fessenheim investiert worden. Solche Fragen müssten "intelligent und ohne jede Ideologie" gelöst werden.

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Vertreter der elsässischen Anti-Akw-Szene waren für den Bericht gehört worden. "Nichts von dem, was wir gegen das Akw vorgebracht haben, hat Berücksichtigung gefunden", klagte André Hatz von "Stop Fessenheim". Auch die deutsche Seite ist irritiert angesichts der Signale aus Paris. Die grünen Abgeordneten Bärbl Mielich und Kerstin Andrae fordern "Klarheit und eine verlässliche Positionierung der französischen Regierung, wann das Atomkraftwerk Fessenheim stillgelegt werden soll".

Fessenheim galt stets als Tauschkandidat für Flamanville

Am Mittwoch berät die Nationalversammlung das Gesetz zur Energiewende. Es sieht eine Höchstgrenze für Atomstrom von 63,2 Gigawatt vor. 2016 soll in Flamanville der neue Reaktor EPR ans Netz gehen. Im Gegenzug müsste EdF ein anderes Akw abschalten. Fessenheim galt stets als erster Kandidat dafür.

"Natürlich ziehe ich eine Schließung von Reaktoren an einem Standort vor, wo es mehr als zwei Reaktoren gibt", sagte Royal nun. "Das verhindert die komplette Schließung eines Industriestandortes." In Fessenheim dagegen gibt es lediglich zwei Reaktoren.

Im Rahmen der Energiewende in Frankreich sollen zwei Reaktoren abgeschaltet werden, wenn das Atomkraftwerk Flamanville am Ärmelkanal 2016 den Betrieb aufnimmt. Fessenheim ist seit 1977 in Betrieb.Umweltschützer halten die Anlage für pannenanfällig und fordern seit Jahren ihre Schließung. Im März hatten Greenpeace-Aktivisten die Sicherheitsabsperrungen des Atomkraftwerks überwunden und das Akw besetzt.
Stichwort: Akw Fessenheim

Es ist das älteste und schwächste Atomkraftwerk Frankreichs. Die beiden Druckwasserreaktoren stehen 25 Kilometer südwestlich von Freiburg – auf der Höhe von Heitersheim – am Rheinseitenkanal (Grand Canal d’Alsace), gingen 1978 in Betrieb und leisten 1800 Megawatt.

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Autor: Bärbel Nückles, aktualisiert um 19.30 Uhr