Bluttat erschüttert Offenburg

Helmut Seller

Von Helmut Seller

Fr, 17. August 2018

Offenburg

Tödliche Messerattacke auf einen Hausarzt in der Südoststadt / 26-jähriger Tatverdächtiger nach Großfahndung festgenommen.

OFFENBURG. Fassungslos haben viele Offenburger am Donnerstag auf die Nachricht von der tödlichen Messerattacke auf einen Hausarzt in der Südoststadt reagiert. Der beliebte Mediziner war am Morgen in seiner Praxis im Wohnviertel südlich des Kulturforums von einem Mann in seiner Praxis niedergestochen worden. Eine zu Hilfe eilende Praxisangestellte wurde bei der Attacke leicht verletzt. Nach einer Aufsehen erregenden Großfahndung konnte die Polizei den mutmaßlichen Täter am Freiburger Platz festnehmen (Seite 5).

Ohne Voranmeldung war der 26 Jahre alte mutmaßliche Täter, der laut einer gemeinsamen Erklärung von Polizei und Staatsanwaltschaft aus Somalia stammt, gegen 8.45 Uhr in den Praxisräumen aufgetaucht, hatte ein mitgebrachtes Messer gezückt und zugestochen. Für den Allgemeinmediziner kam jede Hilfe zu spät. Seine Mitarbeiterin wurde leicht verletzt. Was den Angreifer zu seiner brutalen Tat getrieben hat, ist nun Teil der Ermittlungen von Polizei und Staatsanwaltschaft. Wie beide Behörden am Donnerstagabend mitteilten, ist der 26-Jährige 2015 als Asylbewerber in die Bundesrepublik eingereist. Aktuell verfüge er über einen Wohnsitz in Offenburg. Den Ermittlern gegenüber mache er bislang keine Angaben. Auch zu seinem Aufenthaltsstatus gibt es noch keine Auskünfte, ebenso wenig zur Frage, ob er selbst Patient des Arztes war. Erstaunlich wäre es nicht: Der Allgemeinmediziner war dafür bekannt, dass er Mediziner mit Leib und Seele war und sich auch um Menschen kümmerte, die andernorts nicht so leicht eine offene Tür fanden. Sein Wartezimmer, so berichten Patienten, war "multikulti" besetzt. Auch viele Flüchtlinge und Migranten fanden bei ihm Rat und Hilfe. Mit türkischen Patienten soll sich der Ortenauer auch in ihrer Muttersprache unterhalten haben können.

"Ich bin einfach nur fassungslos", sagt eine Frau, für die der Getötete seit mehr als zehn Jahren ihr Hausarzt war: "Er war so ein wunderbarer Mensch."Ein älterer Mann ist nicht minder geschockt: "Er war immer so unkompliziert, hat alle gleich behandelt und sich für jeden Zeit genommen. Er hätte nie jemanden abgewiesen, der Hilfe braucht."

Die Kripo sucht Zeugen

Ein Senioren-Paar, dessen Gang zur Arztpraxis am Absperrband der Polizei endet, kann nicht glauben, was passiert ist: "Solche Ärzte wie ihn gibt es nicht viele." Das bestätigen nicht zuletzt die vielen positiven Kommentare über die Praxis in den einschlägigen Portalen im Internet.

Noch am Donnerstagnachmittag wurde der mutmaßliche Tatverdächtige verhört und sollte er dem Haftrichter vorgeführt werden. Dass er aus Somalia stammt, heizte in den sozialen Netzwerken mit unsäglichen Kommentaren zugleich auch wieder die Debatte um gewalttätige Flüchtlinge an.

Laut Herwig Schäfer, dem Chef der Staatsanwaltschaft Offenburg, sind Migranten in der Region allerdings nicht durch eine Häufung schwerer Straftaten aufgefallen. Zuletzt im April hatte ein Asylbewerber im Bereich des Freiburger Platzes eine Frau vergewaltigt. Anklage wurde bereits erhoben.

Hinweise: Sollte es Zeugen der Tathandlung oder der Flucht des Verdächtigen geben, werden Hinweise von der Kripo unter Tel. 0781/212 820 entgegengenommen. Der Verdächtige, der sich zwischen 8.45 und 10 Uhr zwischen der Oststadt und der Einmündung Freiburger Straße/Straßburger Straße bewegte, wird folgendermaßen beschrieben: 26 Jahre alt, etwa 170 Zentimeter groß, dunkle Hautfarbe, kurze, schwarze Haare, schlanke Statur.