Störk findet Blockhaus-Fundament

bz, nic

Von BZ-Redaktion & Nicolai Kapitz

Fr, 13. Juli 2018

Kleines Wiesental

Erneuter Widerspruch zum LfD bei weiteren Untersuchungen zwischen Böllen und Neuenweg.

KLEINES WIESENTAL/BÖLLEN (nic). Im Rahmen seiner Forschungen auf dem Höhenzug des Zeller Blauen hat der Heimatforscher Werner Störk eine weitere Entdeckung gemacht – und damit aus seiner Sicht erneut Untersuchungen des Landesamtes für Denkmalschutz (LfD) widerlegt. Störk und das LfD sind seit einiger Zeit unterschiedlicher Meinung, was die Gefährdung von Bodendenkmälern am Zeller Blauen durch den geplanten EWS-Windpark angeht. Störk ist sicher, dass bei den Bauarbeiten historische Schanzanlagen zerstört werden könnten, das LfD hält diese Gefahr für nicht gegeben.

Nun hat Störk auf einer historischen Karte von 1790 ein eingezeichnetes Blockhaus und vermutlich im Wald oberhalb von Neuenweg und Böllen auch Überreste des Fundaments dieses Hauses gefunden. Das Fundament liegt genau innerhalb der sogenannten Holderschanze auf Böllener Gemarkung, die laut Störk durch den Bau einer Windkraftanlage gefährdet wäre.

Für Störk ist dieser Fund der Beweis, dass hier Wachmannschaften untergebracht waren. Störk hat auch auf dem übrigen Areal der Holderschanze weitere Untersuchungen getätigt und dabei vor allem nachgeforscht, wie die verschiedenen Teile der weitläufigen Anlage bei einem Ansturm von Angreifern – im 16. Jahrhundert wurde das kaiserliche Obere Wiesental häufig von französischen Truppen überfallen – zusammen funktionierten. "Die neuen Ergebnisse unterstreichen das Alleinstellungsmerkmal der Holderschanze als in unserer Region einzigartiges Beispiel einer Linear- und Linienschanze", schreibt Störk. "Sie ist auch flächenmäßig die größte und vom archäologischen Zustand ausgesprochen gut erhalten." Die Schanze sei einerseits ein besonders interessantes Unikat, anderseits aber auch Teil eines wertvollen Ensembles, das sie zusammen mit den weiteren Schanzen auf dem Hau-Pass zwischen Böllen und Neuenweg bildet. "Und sie ist zudem noch die einzige Anlage, die grenzüberschreitend – heute zwischen Böllen und Neuenweg – damals aber auch zwischen dem habsburgischen Reich auf der einen und der baden-durlachischen Markgrafschaft Baden auf der anderen Seite, angelegt wurde. So etwas gibt es im gesamten Wiesental kein zweites Mal", so Störk.

"So kann nun folgerichtig die Homogenität der Gesamtanlage auf beiden Seiten der Gemarkungsgrenze zusammengefasst und als tatsächliche – auch epochale – Einheit bewertet werden, was bislang auch vom Landesamt für Denkmalpflege angezweifelt wurde", schreibt Störk. Gleichzeitig sei nochmals klar geworden, "dass nunmehr die gesamte Verschiebungsfläche von WEA 1 in voller Länge auf historischem Gelände und somit auf einem zweifelsfrei denkmalgeschützten Areal liegt", so Störk. Auch dies wird vom LfD bislang bestritten.

Die Elektrizitätswerke Schönau planen am Höhenzug des Zeller Blauen einen Windpark mit bis zu neun Anlagen. Gegen die Pläne richtet sich Widerstand, vor allem seitens einer Bürgerinitiative im Kleinen Wiesental. Heimatforscher Werner Störk – nach eigener Aussage kein Windkraftgegner – fürchtet allerdings um mehrere Bodendenkmäler. Neben der Holderschanze seien weitere Anlagen oberhalb von Elbenschwand und Bürchau bedroht.