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18. Januar 2012 11:58 Uhr
Sexualstraftat
Bötzinger K.o.-Tropfen-Fall: Polizei ermittelt Tatverdächtigen
Die Polizei hat am Kaiserstuhl einen 31 Jahre alten Mann ermittelt. Der Familienvater soll nach einem Diskobesuch im Juni 2011 eine Frau mit K.o.-Tropfen betäubt und dann vergewaltigt haben.
Eine akribische Spurensicherung und die DNA-Analyse haben der Polizei einen Ermittlungserfolg in einem spektakulären Fall beschert. An einem Samstagabend im Juni vergangenen Jahres hatte eine 28 Jahre alte Frau aus der Ortenau mit vier Freundinnen eine Diskothek in der Hans-Bunte-Straße im Industriegebiet Nord in Freiburg besucht. Am nächsten Mittag um 13 Uhr erwachte die Frau auf einer Matratze in einer Gartenhütte in einer Kleingartenanlage am südwestlichen Ortsrand von Bötzingen und machte einen kompletten Filmriss geltend: Sie konnte sich nicht erinnern, was mit ihr in der Nacht passiert war.
Es stellte sich heraus, dass das die Frau das Opfer einer Sexualstraftat geworden war, nachdem der Täter sie zuvor offenbar mit sogenannten K.o.-Tropfen betäubt hatte. Vieles deutet darauf hin, dass der Täter der Frau die Substanz GHB, auch bekannt als Liquid Ecstasy, ins Getränk geschüttet hat. Die Wirkung von GHB setzt innerhalb von 15 bis 30 Minuten ein und hält bis zu vier Stunden an. Die Substanz ist nur maximal zwölf Stunden nachweisbar. Auch bei diesem Fall konnten die K.o.-Tropfen nicht nachgewiesen werden, weil schon zu viel Zeit vergangen war.
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Bei den sehr aufwendig betriebenen Ermittlungen waren mehrere Männer in das Visier der Kripo geraten. Sie waren an diesem Abend in der Freiburger Disko, kommen vom Kaiserstuhl und hatten offenbar die nötige Ortskenntnis, ohne die die Kleingartenanlage kaum zu finden ist. Die Männer gaben eine freiwillige Speichelprobe ab. Das am Tatort gefundene DNA-Material passte dabei zu der Probe eines 31 Jahre alten Mannes. Die Ermittler vermuten, dass der Mann nicht damit rechnete, überführt werden zukönnen, weil er bei der Tat offenbar ein Kondom verwendet hat. Dennoch fanden die Ermittler Reste von Spermaspuren "im Mikrobereich", so Polizeisprecher Karl-Heinz Schmid: "Hier zeigt sich, wie wichtig die akribische Spurensicherung ist". Kriminaltechniker der Kripo Freiburg und Rechtsmediziner des Instituts für Rechtsmedizin der Uni Freiburg waren beteiligt. Die Wissenschaftler konnten sichergestelltes genetisches Material auswerten und zuordnen. Die Polizei spricht denn auch von einer erdrückenden Beweislast. Der Verdächtige leugnet die Tat. Die Ermittler gehen von einem Einzeltäter aus.
Der 31-jährige Familienvater, der bislang noch nicht polizeilich in Erscheinung getreten ist, hat einen festen Arbeitsplatz und lebt mit seiner Familie am Kaiserstuhl. Er befindet sich auf freiem Fuß, da die Staatsanwaltschaft keine Haftgründe wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr sieht. Nach Abschluss der Ermittlungen wird sich der Mann aber wegen des Verdachts des "sexuellen Missbrauchs widerstandsunfähiger Personen" verantworten müssen. Ihm droht laut Strafgesetzbuch eine Strafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren.
In den vergangenen Jahren kam es in der Region um Freiburg immer wieder zu Fällen mit K.o.-Tropfen. Im August 2011 wurde eine 19-Jährige in Titisee Opfer einer Attacke Unbekannter. Sie war mit Freunden in einem Lokal, als sie plötzlich zusammenbrach – obwohl sie nur wenig Alkohol getrunken hatte. Die Freunde alarmierten den Rettungsdienst, der brachte die 19-Jährige ins Krankenhaus, wo sie auf der Intensivstation versorgt wurde. Lebensgefahr bestand nicht.
Beim Fasnachtsumzug in Merdingen wurden im Jahr 2009 zwei 14-jährige Mädchen mit K.o.-Tropfen betäubt. Beide wurden auf der Intensivstation der Kinderklinik Freiburg behandelt und konnten diese nach wenigen Tagen ohne Folgeschäden verlassen. Die Untersuchungen des rechtsmedizinischen Instituts wiesen bei einem der Mädchen eine erhebliche Vergiftung mit K.o.-Tropfen nach. Die Tropfen hatte ein bis heute unbekannter Täter in eine Weinschorle gemixt und den Mädchen zum Trinken angeboten. Die Polizei ermittelte wegen gefährlicher Körperverletzung.
- Rückblick: K.o.-Tropfen-Fall: Polizei untersucht DNA-Spuren (29. Juni 2011)
- Rückblick: Frau mit K.o.-Tropfen ausgeknockt – und vergewaltigt (22. Juni 2011)
Autor: Joachim Röderer, Yvonne Weik, aktualisiert 13.30 Uhr
