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20. Oktober 2009

Ein Vordenker der Liberalen

In Bötzingen wurde im Beisein Walter Scheels des 80. Geburtstags von Karl-Hermann Flach gedacht

  1. Zur Gedenkfeier für den 1973 verstorbenen, liberalen Vordenker Karl-Hermann Flach im Rathaus in Bötzingen kam auch der von 1974 bis 1979 amtierende Bundespräsident Walter Scheel (Zweiter von rechts) nebst Gattin Barbara, hier im Gespräch mit Bürgermeister Dieter Schneckenburger (links). Foto: barbara schmidt

BÖTZINGEN. Rund 70 Gäste, darunter Altbundespräsident Walter Scheel, kamen zu der Gedenkfeier für Karl-Hermann Flach im Bötzinger Bürgersaal. Der erste Generalsekretär der FDP wäre am Samstag 80 Jahre alt geworden. Die Gedenkveranstaltung begann mit einer Kranzniederlegung an seinem Grab auf dem Bötzinger Friedhof.

Flach ist im Familiengrab mit seiner aus Bötzingen stammenden Ehefrau Elisabeth Berta Schulz und deren Mutter bestattet. Welche Symbolik, meinte der frühere Weggefährte Barthold C. Witte später im Bürgersaal: Der Preuße aus dem äußersten Nordosten Deutschlands (Flach) heiratete eine Alemannin aus dem fernen Südwesten. Flach wurde 1929 im ostpreußischen Königsberg geboren, von wo er als 15-Jähriger vor den sowjetischen Truppen floh. In Rostock sei er noch als Schüler in die Liberaldemokratische Partei (LDP) eingetreten, berichtete Witte.

Nach seiner zweiten Flucht nach West-Berlin studierte Flach an der Deutschen Hochschule für Politik und engagierte sich bei den Freien Demokraten. "Im Liberalen Studentenbund, den er 1950 mitbegründete, gewann sein Wort rasch Gewicht", so Witte. Flach arbeitete aber auch als politischer Journalist. 1956 wurde er in die Geschäftsführung der Bundes-FDP berufen, drei Jahre später wurde er Bundesgeschäftsführer. "An dem großen Wahlerfolg der Partei von 1961 war er wesentlich beteiligt", so Witte.

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Schon ein Jahr später wandte sich Flach aber enttäuscht von der FDP ab. Anlass sei das gebrochene Wahlversprechen gewesen, die Koalition mit der CDU nur ohne Adenauer als Kanzler fortzusetzen, erinnerte die ehemalige Staatsministerin Ruth Wagner in ihrer Gedenkrede. "Viele von uns haben damals ähnlich gedacht", betonte sie. Wagner wie Witte schilderten Flach als Vordenker der Liberalen, dessen Ideen bis heute ihre Berechtigung haben. Mit ihren Freiburger Thesen, die der FDP-Bundesparteitag 1971 verabschiedete, hätten Flach, Scheel, Ralf Dahrendorf und die anderen "die ethisch-liberale Grundlage für uns heute gelegt", sagte Wagner.

In der Politik und im Journalismus setzte Flach Maßstäbe
1962 wurde Flach Redakteur in führender Stellung bei der "Frankfurter Rundschau". Für seine journalistische Arbeit bekam er Preise. Aber die Politik packte ihn wieder: 1971 wurde er von Scheel, damals FDP-Vorsitzender und Außenminister, als Generalsekretär vorgeschlagen und vom Freiburger Parteitag gewählt. Ein Jahr später zog Flach in den Bundestag ein, wo er stellvertretender Fraktionsvorsitzender wurde. Am 25. August 1973 starb er an den Spätfolgen einer schweren Tuberkulose. Seine Frau, auch sie unheilbar krank, überlebte ihn nur um wenige Wochen.

Ihre letzte noch lebende Schwester, Lisa Hauser, sowie viele Nichten, Großnichten, Patenkinder und frühere Weggefährten, wie der Geschäftsführer der Friedrich-Naumann-Stiftung Rolf Berndt, kamen zu der Feier nach Bötzingen. Es sei "eine große Ehre", dass der Verband der liberalen Akademiker mit Präses Michael Daemgen an der Spitze seine Feier hier abhalte, sagte Bürgermeister Dieter Schneckenburger. Schneckenburger hatte im Archiv nachgesehen: Es sei "der erste Besuch eines Bundespräsidenten in Bötzingen". Walter Scheel, der von seiner Frau Barbara begleitet wurde, trug sich ebenso wie nach ihm Ruth Wagner in das goldene Buch der Gemeinde ein. Anschließend stießen er und die anderen Gäste mit Bötzinger Wein an. Der Schüler Robin Zeiser umrahmte die Feier musikalisch auf seiner Violine.

Autor: Barbara Schmidt