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29. November 2011
Eine Kirchengemeinde mit offener Tür
Die evangelische Kirchengemeinde Bötzingen hat ihr neues Gemeindehaus eingeweiht / Festgottesdienst und Empfang.
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Volles Haus: Der Saal des neuen Gemeindehauses wurde gleich für das Essen benutzt. Foto: manfred frietsch
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Den Schlüssel für das Gemeindehaus nahm nach der Schlusssteinlegung Kirchendiener Gustav Jenne in Empfang, mit Dekan Hans-Joachim Zobel, Oberkirchenrätin Karen Hinrichs und Pfarrer Rüdiger Schulze (rechts). Foto: Manfred Frietsch
BÖTZINGEN. Mit einem großen Empfang hat die evangelische Kirchengemeinde Bötzingen/Gottenheim ihr völlig neu erbautes evangelisches Gemeindehaus eingeweiht. Über 200 Gemeindemitglieder und Gäste nahmen am Sonntagvormittag zunächst am Festgottesdienst in der Kirche teil, um danach im unmittelbar angrenzenden Gemeindehaus zu feiern. Dabei bestand das neue Gebäude seine Vollauslastung gleich am ersten Tag als Feuertaufe gut.
Ein passenderes Datum als den 1. Advent hätte sich die Bötzinger Kirchengemeinde kaum aussuchen können. "Macht hoch die Tür, die Tor’ macht weit", dieses adventliche Eröffnungslied des Gottesdienstes war sowohl wörtlich als auch im übertragenen Sinne für diesen Tag wie geschaffen, an dem das neue Gemeindehaus erstmals für seine Nutzer und Besucher offenstand. "In Gottes Haus sind alle Türen offen" sagte Pfarrer Rüdiger Schulze zur Begrüßung im Gottesdienst. Darauf ging auch Oberkirchenrätin Karen Hinrichs in ihrer Predigt ein, als sie erklärte, gerade weil das neue Haus so einladend, ja schick ausgefallen sei, bringe es auch die Verpflichtung mit sich, "die Welt hereinzuholen und ein Ort der Vermittlung evangelischer Ethik" zu werden. Denn Glaube und Weltverantwortung gehörten eben zusammen. Das Bauwerk sei ein Ergebnis der Anstrengung vieler Beteiligter, die aber getragen werde von der Bestimmung des Gebäudes. Sie griff das Prophetenwort vom Eckstein auf, den die Bauleute zunächst verworfen hatten, der aber für das Gelingen des Ganzen unverzichtbar sei. "Der Eckstein unseres Lebens ist Jesus Christus" sagte Karen Hinrichs, und in diesem Bewusstsein könne das Gemeindehaus mit Leben erfüllt werden.Werbung
Der Psalm 118 vom "Tag, den der Herr macht" bestimmte die musikalische Gestaltung des Gottesdienstes. Die Kantate dazu hatte der Leiter des Kirchenchors, Peter Simmerling gestaltet; als Solisten sangen Hanna Heicke und Matthias Ratzel. Auch der Bläserkreis unter Karlheinz Brenn und Organist Karl-Philipp Flösch wirkten mit, dazu trat noch der Kinderchor unter Leitung von Waltraud Schulz auf. Für den Festtag hatte der evangelische Kindergarten eine große Fahne gestaltet und als Geschenk mitgebracht.
Nach dem Gottesdienst wurde auf dem Platz, der nun durch den Neubau neben der Kirche geschaffen wurde, in der Wand des Gemeindehauses der Schlussstein eingefügt, was der Fliesenleger Bernhard Burger besorgte, der auch die ganze Fassade des von Architekt Ludwig Harter entworfenen Gebäudes gestaltet hatte. Dekan Hans-Joachim erinnerte daran, dass manches ältere Gemeindemitglied nun schon zum zweiten Mal den Neubau eines Gemeindehauses erlebe, war doch der Vorgängerbau erst Anfang der 60 er Jahre errichtet worden. Es war zusammen mit dem rund 200 Jahre alten Pfarrhaus, das wegen Befalls durch den Kugelkäfer nicht mehr zu retten war, im Frühjahr 2010 abgerissen worden.
Beim anschließenden Empfang dankte Fritz Sexauer als Vorsitzender Kirchengemeinderats Allen, die am Bau mitgewirkt hatten. Jochen Rapp vom Kirchenbauamt der Landeskirche, lobte das Gebäude, das ein Zeichen in den öffentlichen Raum Bötzingens hineinsetze. Bürgermeister Dieter Schneckenburger beglückwünschte die Kirchengemeinde zu ihrem Mut, dieses große Vorhaben gemeistert zu haben. Für die katholische Kirchengemeinde übergab Hans Baulig eine Adventslaterne. Der Leiter des staatlichen Vermögensamtes, Bormann, erinnerte daran, wie man sich einigte, die seit 1806 bestehende Baulast des Landes für das Pfarrhaus ganz an die Kirche abzutreten, für 250 000 Euro und die Übernahme der Abbruchkosten für das Pfarrhaus von rund 50 000 Euro durch das Land.
Helmut Kanzinger als Sprecher der Bötzinger Vereine hob die ehrenamtliche Arbeit hervor, der beim Bau des Gemeindehauses geleistet wurde. Michael Szymczak als Leiter der kirchlichen Sozialstation erinnerte daran, wie man während der Bauphase gemeinsam Lösungen fand, um die Arbeit der verschiedenen kirchlichen Gruppen fortsetzen zu können.
Der Bau hat 1 483 000 Euro gekostet, von denen 510 000 Euro durch die Landeskirche und 200 000 Euro übe das Landessanierungsprogramm vom Land und der Gemeinde aufgebracht wurden. Den Rest, also über die Hälfte, trägt die Kirchengemeinde selbst. Rund 125 000 Euro für die Inneneinrichtung kamen durch Spenden und die Erlöse von Benefizaktionen zusammengebracht werden. Sowohl Archtiekt Ludwig Harter wie Pfarrer Rüdiger Schulze erinnerten an die intensive Zusammenarbeit der Planer und der Baufirmen mit den kirchlichen Gremien. So habe man in manchen Details sogar noch Verbesserungen erreichen können.
Im Anschluss an dem Empfang wurden die Gäste mit einem von "Kronen"-Wirt Messerschmidt gestifteten Büffet bewirtet. Dazu spielte dann auch der Musikverein auf. Zugleich richtete der evangelische Bastelkreis im Konferenzraum einen Adventsbasar aus. So erlebte das neue Gemeindehaus gleich an seinem Eröffnungstag Hochbetrieb – eine Feuertaufe, die es für Pfarrer Schulze mit Bravour bestand.
Autor: Manfred Frietsch


