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13. September 2017

Indische Ökopioniere am Kaiserstuhl

Delegation aus dem komplett auf Bioanbau umgestellten Himalaya-Bundesstaat Sikkim besuchen Bötzinger Winzerfamilie.

  1. Der Bötzinger Biowinzer Thomas Schaffner erläutert der indischen Delegation um den Agrarminister von Sikkim, Somnath Poudyal (dritter von links), den ökologischen Weinbau. Foto: manfred frietsch

BÖTZINGEN. Prominenten Besuch aus Indien hatte das Bötzinger Weingut von Esther und Thomas Schaffner am Montagmittag. Eine Delegation aus dem Himalaya-Bundesstaat Sikkim war angereist, um sich vor Ort über ökologischen Weinbau zu informieren. Das wurde dann auch ganz praktisch gehandhabt: Die indischen Gäste konnten mit Rebschere und Leseeimer selbst einmal ausprobieren, wie das "Herbsten", vonstattengeht.

Sikkim ist der zweitkleinste und zugleich auch der am höchsten gelegene Bundesstaat Indiens. In Sachen Ökologie ist der Kleinstaat von der Größe des Schwarzwaldes aber ein Riese: Seit 2016 ist die gesamte Landwirtschaft auf biologisch-ökologische Methoden umgestellt, vom Bananenanbau im subtropischen Tiefland über die weltberühmten Teeterrassen im Hügelland bis zur Grünlandwirtschaft in den Hochlagen unter den von ewigem Eis bedeckten Himalaya-Gipfeln.

Mit dem Agrarminister des Landes, Somnath Poudyal, war einer der politisch Verantwortlichen für diese von der Regierung des Bundesstaates seit 2011 betriebenen Umstellung der gesamten Landwirtschaft auf Bio nach Bötzingen gekommen. Dort ließ sich die achtköpfige Delegation von Thomas Schaffner erläutern, wie hierzulande versucht wird, auch in der anspruchsvollen Sonderkultur Weinbau mit rein biologischen Methoden zu arbeiten. Schaffner erklärte, wie auf chemisch-synthetische Dünge- und Pflanzenschutzmittel verzichtet wird. Der vielseitigen Begrünung der Rebanlagen komme eine große Bedeutung zu, ebenfalls der schonenden Bodenbearbeitung mit der Technik des Walzens. Schaffner machte auch deutlich, dass man im Bioweinbau stets nach neuen Wegen Ausschau halte. Das konnte er bei einem kurzen Ausflug in den Weinberg deutlich machen, wohin er die Besuchergruppe kurzerhand auf einem Traktoranhänger transportierte.

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Schaffner hatte dafür eine Rebanlage ausgesucht, auf deren einen Seite eine klassische Spätburgunder-Anlage steht, deren Trauben schon in Kürze erntereif sind. Auf einem Nachbarstück hat Schaffner pilzresistente, sogenannte "Piwi"- Reben der Rotweinsorte Prior stehen. Diese tragen viel mehr Laub als ihre Spätburgunder-Nachbarn, die eine intensive Laubarbeit verlangen. Das Laub der neuen Sorte kann hängenbleiben, weil die Pflanze sich selbst gegen Pilzbefall wehrt. Unter ihrem Laubdach reifen die Trauben langsamer, aber geschützt heran und können zu einem späteren Zeitpunkt dann vollreif und gesund gelesen werden.

Die indischen Gäste konnten selbst in einer Rebzeile ausprobieren, wir man von Hand die Trauben abschneidet. Das machte sichtlich Spaß und auch Appetit, und so kam das Winzervesper in der Rebhütte der Schaffners wie gerufen.

Die indische Delegation war nach Deutschland gereist, um im Allgäu den alle drei Jahre von der Rapunzel Naturkost GmbH und dem Dachverband für Biolandbau IOFAM ausgelobten Preis "One World Award" (OWA) entgegen zu nehmen. Der mit 15 000 Euro dotierte Preis wurde der Regierung von Sikkim für die erfolgreiche Umstellung auf Bio-Landwirtschaft verliehen. Jury-Mitglied Bernward Geier war mit in den Breisgau gekommen, er hatte auch den Kontakt zu Schaffners-Weingut vermittelt. Die Inder fuhren dann nach Freiburg weiter und stießen noch zu dem Empfang, der dort für den Ministerpräsidenten von Sikkim, Shri Pawan Chamling, gegeben wurde. Am Abend gab es eine weitere Veranstaltung mit dem United World College. Dessen Ableger in Freiburg und dem indischen Puna sind die zweiten Gewinner des diesjährigen OWA.

Autor: Manfred Frietsch