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03. März 2011
Gottenheimer Supermarktpläne
KOMMENTAR: Gelb-rote Karte vom Nachbarn
Das Veto aus Bötzingen gegen die Gottenheimer Supermarktpläne kam mit Ansage. Vor Weihnachten schon hatten die Bötzinger Vertreter im Gemeindeverwaltungsverband Kaiserstuhl-Tuniberg die Gelbe Karte gezückt, als sie sich beim Antrag zur Einleitung des Zielabweichungsverfahrens für die Ausweisung des Marktstandorts im regionalen Grünzug grummelnd der Stimme enthielten. Nun, da die Gemeinde zur förmlichen Stellungnahme aufgefordert ist, folgt mit massiver Kritik Gelb-Rot. Liegt also mehrfaches Foulspiel der kleineren Nachbargemeinde vor? Die Bötzinger Kritikpunkte sind einsichtig: Schwächung des Grünzugs, Flächenfraß, autogerechter statt fußgängerfreundlicher Standort, enorm große Verkaufsfläche. Man könnte noch hinzufügen, dass damit der jetzige Einzelhandel im Dorf an die Wand gedrückt wird, an erster Stelle der Dorfladen, den die Gottenheimer selbst auf ihren bisherigen Einkaufstouren nach Umkirch und Bötzingen offenbar links liegenlassen.
Doch kommt der Bötzinger Einspruch, der nun neben anderen Stellungnahmen von Fachbehörden und Verbänden beim Regierungspräsidium eingehen wird, von einer Kommune, die selbst vor vielen Jahren einen Supermarkt noch weiter entfernt von ihren Wohnvierteln bauen ließ. Dem folgte eine großzügige Ausdehnung der Gewerbeflächen. Von Bötzinger Seite her ist die Landschaftspforte zwischen Tuniberg und Kaiserstuhl also schon ziemlich zugebaut. Nun zieht Gottenheim als "Spätentwickler" nach und will das Gelände bis zur B 31 vollends aufsiedeln. Das ist – aus Gründen des Landschaftsschutzes – so bedenklich wie zugleich verständlich: Gottenheim hat als Verkehrsknotenpunkt zwischen Freiburg und Breisach eine attraktive Lage für Firmen wie für Zuzügler. Die Realität sprengt hier das enge Korsett, das Regionalplaner einst dem Ort als bloße Eigenentwicklergemeinde verpassten.
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Der nun aufgebrochene Nachbarschaftsstreit steht dabei in größeren Zusammenhängen. Fast alle Gemeinden glauben, den bald rückläufigen Bevölkerungszahlen mit Gewerbe- und Wohngebieten und vermeintlich attraktiven neuen Märkten trotzen zu können. Die großen Handelsketten nutzen dies für eine lückenlose Flächenabdeckung, um die gesamte Kaufkraft auch der letzten innerörtlichen Nischenkonkurrenz abzusaugen. Die Gemeinden werden so zu Getriebenen und lassen sich leicht gegeneinander ausspielen. Es wäre also an der Zeit, sich in den Verwaltungsverbänden und Gemeindesprengeln einmal offen darüber auszutauschen.
Autor: Manfred Frietsch
