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13. Januar 2012

Mittagessen im "Herzen der Schule"

Für Bötzinger Grund- Haupt- und Realschüler gibt es jetzt eine richtige Mensa / Brandschutzauflagen sorgten für Verzögerungen.

  1. Alles drauf: Jana mit ihrem Schulessen. Foto: Manfred Frietsch

  2. Die Essensausgabe der Bötzinger Schulmensa kann mit einem Rolltor aus der orangenen Deckenverkleidung automatisch verschlossen werden, wenn Rauchmelder anschlagen. In der Schulaula lassen sich Viertklässler das warme Mittagessen munden. Foto: manfred frietscH

  3. Foto: Manfred Frietsch

BÖTZINGEN. Saftiges Rindsgulasch mit Nudeln oder eine leckere Gemüselasagne mit Tomatensoße: Bei dieser Auswahl muss niemand in der neuen Bötzinger Schulmensa hungrig bleiben. Zu ihrer Einweihung am Donnerstagmittag in der Aula der Wilhelm-August-Lay-Schule griffen deshalb kleine wie große Esser gerne zu.

Jana macht sich zuerst an die Schale mit dem Gurkensalat mit Yoghurtdressing. Sie hat sich auch ein Schüsselchen mit Suppe geben lassen und eine große Mandarine. "Ich mag Salat" sagt die Sechsjährige, während Alessandro, der mit seinem Tablett den gleichen Doppeltisch angesteuert hat, auf die Beilage lieber verzichtet hat. Mit Hochgenuss verzehrt er zuerst die Gulaschstücke, dann sind die Nudeln an der Reihe. Zu sechst sitzen die Mitschüler aus der 1b beieinander, allesamt schon erfahrene Mensabesucher. Denn sie haben vor Weihnachten auch schon am Essensangebot teilgenommen, das provisorisch seit dem Herbst 2010 in der Festhalle ausgegeben worden war.

Dorthin, in die zwischen der Grundschule und dem Haupt- und Realschulgebäude liegende Halle, war man mit dem Schulessen ausgewichen, nachdem aus dem Landratsamt im Frühjahr 2010 überraschend ein Veto aus Brandschutzgründen den Mensastart in der Aula blockiert hatte. "Wir waren wie vor den Kopf gestoßen" machte Bürgermeister Dieter Schneckenburger bei der Einweihung keinen Hehl daraus, dass man dieses behördliche Einschreiten vor Ort als reichlich überzogen empfand. Schließlich werde ja nur warm angeliefertes Essen ausgegeben, aber nicht selbst in der Schule gekocht. Im Kern ging es darum, dass die an der bisherigen Kiosktheke geplante Essensausgabe nicht durch brandschutztaugliche Abtrennungen von den beiden Treppenhäusern des Schulhauses abschottet war. Selbst eine feste Abtrennung des Essenbereichs in der Aula stand als mögliche Auflage im Raum, was gleichbedeutend mit der Aufgabe der Aula als Veranstaltungsfläche gewesen wäre. Vor allem aber standen die Schule und die Gemeinde als ihr Träger mächtig unter Druck, denn der geplante Start eines Ganztagesschulangebots von Montag bis Donnerstag im September 2010 wäre ohne ein Mensaangebot undenkbar gewesen. Die Festhalle wurde so zum Rettungsanker, war doch absehbar, dass eine Lösung der Brandschutzfrage nicht im Schnellgang zu finden sein würde.

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Man habe, so erinnerte Schneckenburger, dann einen privaten Brandschutzsachverständigen mit einem Konzept und einem Gutachten beauftragt, "denn erst Gutachten zählen ja bei Behörden" fügte der Rathauschef ironisch an. Schlussendlich wurden brandschutztaugliche Fenster und Türen in der Essensaugabe und im Hausmeisterbüro eingebaut. Da aber die Fenster der Essensaugabe selbst geöffnet sein muss, wenn die Speisen an die Schüler und die Lehrer ausgegeben werden, wurde dort ein rund 50 000 Euro teures Rolltor an die Decke montiert , das, wenn die installierten Rauchmelder anschlagen sollten, automatisch nach unten zugeht und die Essenausgabe abschottet. Insgesamt haben die Arbeiten für die brandschutztaugliche Mensaeinrichtung rund 175 000 Euro gekostet. Jetzt, am Ende dieses von Schneckenburger so benannten "steinigen Weges", sei man einfach froh, die Mensa "Im Herzen der Schule in Betrieb zu nehmen, denn dort gehört sie auch hin" wie Schulrektor Bernd Friedrich zur Begrüßung der Gäste – darunter Gemeinderäte, beteiligte Firmen und Behördenvertreter – sagte.

Das Schulessen gibt es montags bis donnerstags, da an diesen Tagen Nachmittagsunterricht in der Haupt- und Realschule sowie nachmittägliche Betreuungsangebote für alle Schularten auf dem Programm stehen. Jeweils bis zum Freitag der Vorwoche können die Essen für jeden Tag vorgewählt werden; bald soll das auch über das Internet möglich sein. Zur Auswahl stehen immer zwei Hauptgänge, einer davon ist vegetarisch. Das von dem Freiburger Caterer Zahner frisch am Tag zubereitete und warm angelieferte Essen kostet die Schüler 3,50 Euro, Lehrkräfte zahlen 4,80 Euro. Bisher werden täglich zwischen 40 und 90 Essen bestellt.

Die Aufsichtszeit teilen sich zwei Lehrer, von denen ohnehin einige mitessen. Auch Rektor Friedrich gehört dazu. Am Donnerstag wählte auch er das Rindsgulasch – wie Jana und der Bürgermeister.

Autor: Manfred Frietsch