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26. November 2010 17:46 Uhr

Neues Wasser und neue Gebühren

UMKIRCH/BREISGAU. In Fluss geraten die Kosten für Trinkwasser und Abwasser. Dafür sorgen große Investitionen in die Wasserversorgung in einigen Gemeinden sowie die flächendeckend anstehende Einführung einer gesplitteten Abwassergebühr. Eine Vorreiter- und Sonderrolle zugleich nimmt dabei Umkirch ein: Die Gemeinde wird 2011 einen neuen Trinkwasserbrunnen in Betrieb nehmen. Wegen der nötigen Investitionen wird die monatliche Grundgebühr für die Wasserzähler angehoben. Und Umkirch will als erste Kommune der Region zum Jahresbeginn die gesplittete Abwassergebühr einführen.

Nicht ohne einen gewissen Anflug von Stolz skizzierte Bürgermeister Walter Laub sowohl im Gemeinderat wie tags darauf in der Bürgerversammlung die flotte Marschroute der Gemeinde. Sehr zügig sei die Suche nach einem neuen Trinkwasserbrunnen vonstatten gegangen, der nun exzellentes Wasser liefere und nächstes Jahr mit einer gut zwei Kilometer langen Leitung an das Wasserwerk der Gemeinde angeschlossen werde. Umkirch überholt damit sogar noch die früher gestartete Gemeinde Bötzingen, die ebenfalls einen neuen Trinkwasserbrunnen gebaut hat und ihn mit einer noch längeren Leitung anschließen muss. Und anders als Bötzingen muss Umkirch das neue Wasser weder wegen der Manganwerte behandeln, noch wird eine sogenannte Entsäuerung nötig. "Das neue Wasser hat nur Härte sieben, es lässt sich auch problemlos mit dem Wasser der jetzigen Tiefbrunnen mischen", freute sich Laub. Die beiden alten Brunnen zapfen das Wasser aus nur knapp 20 Metern Tiefe unter stark kiesigen Deckschichten, die ungenügenden Schutz gegen den Eintrag von Verunreinigungen bieten. Der neue Brunnen beim Schorrenwald südlich der Gemeinde hingegen fördert Wasser aus über 60 Metern Tiefe. Wie der Hydrogeologe Andrzej Pikulksi in der Bürgerversammlung erläuterte, ist dieses Grundwasser aus der geologischen Schicht des Hauptrogensteins unter anderem durch eine darüber liegende Tonschicht gut gegen Schadstoffeinträge geschützt. Das weiche Wasser mit einem durchschnittlichen Alter von 5 bis 15 Jahren weist durchweg sehr gute Qualitätswerte auf und bietet mit einer maximal möglichen Pumpleistung von 25 Litern je Sekunde die zweieinhalbfache Menge an Wasser, die Umkirch im Durchschnitt benötigt.

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Der neue Brunnen hat natürlich seinen Preis. In diesem und im nächsten Jahr werden 700 000 Euro an Investitionen fällig. Dafür ist nun aber die Wasserversorgung Umkirch GmbH zuständig, ein Tochterunternehmen der Gemeinde, aber unter dem Dach der mit dem Energieversorger Badenova zusammen gebildeten Gemeindewerke (GWU). Und dort fallen jetzt die Würfel, nicht mehr im Gemeinderat. Dieser beschließt nicht mehr die Gebühren, sondern gibt Empfehlungen an die GWU. Als erster Schritt wurde nun der GWU empfohlen, die monatliche Grundgebühr für die Wasserzähler in jedem Haushalt anzuheben, um gleich das Fünffache des jetzigen Betrages. Laub und Kämmerer Markus Speck – er ist zugleich Geschäftsführer der GWU – gegründeten dies damit, dass ein großer Teil der Kosten der Wasserversorgung Fixkosten seien, unabhängig von der von den Haushalten verbrauchten Wassermenge. Anstatt nun zuerst wie meist üblich den Wasserpreis je Kubikmeter zu verändern, wolle man den Anteil der fixen Grundgebühr erhöhen. Sie wird auch nach der zum 1. Januar greifenden Anhebung nur rund 17 Prozent der ganzen Wassergebühr ausmachen. Hereinkommen werden damit nächstes Jahr rund 53 000 Euro. Der Verbrauchspreis für das Wasser selbst bleibt vorerst bei 1,09 Euro je Kubikmeter. Damit steht Umkirch bei den Wasser- und Abwasserkosten an dritter Stelle hinter den beiden teuersten Gemeinden in seiner Nachbarschaft, Gottenheim und Ihringen. Auch im bisher äußerst günstigen Bötzingen wird der neue Brunnen wohl ab 2012 höhere Wasserpreise nach sich ziehen.

Doch dieser momentane Preisspiegel wird schon im nächsten Jahr neu in Bewegung geraten, wegen der gesplitteten Abwassergebühr. Diese wird zu gut einem Fünftel vom Regenwasserabfluss von Grundstücken bestimmt, also nicht mehr alleine nach der Menge des verbrauchten Trinkwassers ermittelt. Umkirch will die Erhebung des Regenwasserabflusses noch in diesem Jahr vornehmen um bereits von Januar an die gesplittete Abwassergebühr zu erheben. Diese wird auch rückwirkend für 2010 angerechnet. Das betrifft alle Gemeinden, auch wenn einige von ihnen wohl erst 2012 so weit sein werden, die neue Abwassergebühr einzuführen. Eines steht aber jetzt schon fest: Billiger wird es nirgends werden. Denn auch die Einführungskosten der neuen Gebühr – durchweg fünfstellige Beträge für jede Gemeinde – werden über die Abwassergebühr wieder hereingeholt.

Autor: Manfred Frietsch