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10. März 2010

Peguform vor nächster Schrumpfkur

Der neuerliche Personalabbau kann sich auch auf die Werksbelegschaft durchpausen / Betriebsrat will Kurzarbeit stärker nutzen.

  1. Gut gefüllt, trotz Kurzarbeit im Werk: Der Firmenparkplatz von Peguform in Bötzingen. Links das Verwaltungsgebäude, wo nun der Rotstift beim Personal angesetzt werden soll. Foto: mario schöneberg

BÖTZINGEN. Es ist – wieder einmal – so weit. Die Peguform-Mitarbeiter in Bötzingen sehen sich einem Stellenstreichungsplan ihrer neuen Chefetage gegenüber. 60 Stellen sollen wegfallen; es könnten aber auch bis zu 95 werden, so offenbarten Geschäftsführer Günther Heiden und Personalleiter Werner Slawik der Belegschaftsversammlung am Montag. Dort trat im Anschluss auch der Betriebsratsvorsitzende Gerhard Amann auf. Seine Botschaft. "Über die Größenordnung müssen wir reden."

Seit fast neun Jahren gibt es so etwas wie eine Dauerkrise bei dem Automobilzulieferer. Und in dieser Zeit ist die Belegschaft des Stammwerks um über die Hälfte auf nunmehr noch rund 700 Arbeitsplätze geschrumpft. Rund 200 der einstmals 1500 Stellen, die im Bereich Entwicklung angesiedelt sind, sind aber seitdem in die Headquarters genannte Firmenzentrale übergegangen, die derzeit rund 470 Arbeitsstellen umfasst. Genau hier sollen nun die Einsparungen ansetzen, mit Ausnahme – zumindest vorerst – des Entwicklungsbereichs. Damit fiele etwa jede fünfte Stelle in den übrigen Zentralbereichen weg, von der Verwaltung, über das Controlling bis zu Einkauf und Vertrieb.

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Das klingt nach Rasenmäherprinzip und nicht nach durchdachten Konzept, argwöhnt der Betriebsrat. Bevor man Stellen wegstreiche müsse man prüfen, ob sie nicht durch das Instrument der Kurzarbeit erhalten werden können, denn davon habe man – im Gegensatz zum Werk – im Zentralbereich bisher noch wenig Gebrauch gemacht, erklärte Amann. Er fürchtet auch, dass nun Mitarbeiter weggehen, die man dann, wenn 2011 der Aufschwung wieder einsetzen soll, in der Region Freiburg nicht mehr so leicht wieder bekomme. "Der Fachkräftemangel ist absehbar" warnt Amann. So oder so wird es auch um einzelne Stellen ein Ringen geben. Denn nicht wenige Mitarbeiter im heutigen Zentralbereich könnten aufgrund ihrer Qualifikation auch im Werk arbeiten. Würde also ihre Stelle in der Zentrale gestrichen werden, könnten sie – wenn sie etwa durch lange Betriebszugehörigkeit und eine entsprechende familiäre Situation viele so genannte Sozialpunkte aufweisen – eine Stelle im Werk beanspruchen, die dann dort tätige Mitarbeiter mit weniger Sozialpunkten räumen müssten. Doch es geht auch noch um mehr: rund weitere 35 Stellen im Bereich Entwicklung und Projektmanagement sind zumindest in der Schwebe, wenn sich die Auftragslage nicht wie erwartet bis 2011 bessern sollte. Da aber die Firmenleitung diese Tätigkeiten ohnehin stärker dezentral, also an den verschiedenen Werksstandorten der Peguform, ansiedeln will, würde es hier in jedem Fall einen Stellenabfluss aus Bötzingen geben.

Künftig maximal noch 1100 Arbeitsplätze am Standort Bötzingen, nach über 1800 vor neun Jahren, das ist eine Entwicklung, die auch in der Gemeinde Sorgen bereitet. So ernst wie nach der 2002 eingeleiteten Insolvenz sind die Aussichten zwar nicht, als der massive Stellenabbau im Werk gerade auch viele am Ort und im Umland wohnende Arbeiter traf. Doch weniger am Ort arbeitende Leute bedeuten auch weniger Umsätze in den Geschäften und in der Gastronomie. "Die Einpendler bringen auch Kaufkraft in die Gemeinde" betont Bürgermeister Dieter Schneckenburger. Er ist zumindest zuversichtlich, dass der Produktionsstandort Bötzingen nicht zur Debatte steht. Von ihm will er sich in Kürze mit dem Gemeinderat ganz plastisch ein Bild machen, hat doch die Werksleitung eine Führung durch die neu gebauten Produktionsanlagen zugesagt. Und von ihrer künftigen Auslastung hängt ganz wesentlich ab, ob Peguform endlich die Kurve kriegt, heraus aus der Abwärtsspirale.

Autor: Manfred Frietsch