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09. Juli 2011

Rat und Hilfe bei Alter und Pflege

Hadwig Storch ist neue Leiterin der Senioren-Beratungsstelle.

  1. Nachfolgerin von Markus Rauh als Leiter der Beratungsstelle für ältere Menschen für die Sozialstation nördlicher Breisgau und den Altenhilfeverbund Kaiserstuhl-Tuniberg ist Hadwig Storch (rechts). Foto: mario schöneberg

BÖTZINGEN/BREISACH/GUNDELFINGEN. Die bewährte Arbeit für die älteren Menschen in den Gemeinden von Umkirch bis Breisach fortführen aber auch neue Akzente setzen, das hat sich Hadwig Storch vorgenommen. Sie hat die Leitung der Beratungsstelle für ältere Menschen und deren Angehörige mit Sitz in Bötzingen übernommen. Auch Gundelfingen mit Heuweiler zählen zum Betreuungsgebiet, in dem über 67 000 Menschen leben.

"Die Pflege eines Menschen ist wie ein Marathon, sie braucht Unterstützung und Begleitung", betont Michael Szymczak, Geschäftsführer der Kirchlichen Sozialstation Nördlicher Breisgau, die als Träger der Beratungsstelle fungiert. 1990 sei die Beratungsstelle gegründet worden, schon damals mit ambitionierten Zielen, blickt Szymczak zurück, der sie bis 2004 selbst leitete. Bis 1998 sei es eine Vollzeitstelle gewesen, mit Aufgaben, die dem neu ins Leben gerufenen und in Bad Krozingen ansässigen Pflegestützpunkt ähnelten. Danach sei sie wegen wegbrechender Landesförderung auf 50 Prozent reduziert gewesen, erläutert der Geschäftsführer der Sozialstation.

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2004 wiederum hat Markus Rauh die Leitung der Beratungsstelle, die zum Großteil von den betreuten Gemeinden finanziert wird, übernommen. 2009 kam auch das Versorgungsgebiet der Breisacher Sozialstation hinzu, die Stelle hat seit dem ein 80-prozentiges Deputat. Ziel sei es, eine bürgernahe, schnell erreichbare erste Anlaufstelle für alle Fragen der Altenhilfe anzubieten, die trägerübergreifend und neutral berät, fasst Szymczak zusammen. Es gehe hier wie in den anderen fünf Beratungsstellen im Landkreis nicht darum, leistungserschließend zu beraten.

"Die Beratungsstellen machen erst eine wohnort- und bürgernahe Beratung möglich", ist sich Gottenheims Bürgermeister Volker Kieber sicher, der im Vorstand der Sozialstation die Kommunen vertritt. "Das Gebiet des Landkreises ist zu groß für nur einen Pflegestützpunkt, viel mehr sind kurze Wege und persönliche Kontakte wichtig, um die Hilfesuchenden auch zu erreichen". Kieber lobt die gute Arbeit, die Markus Rauh geleistet hat, im Bürgermeistersprengel gebe es viel Zustimmung für die Beratungsstelle: "Das Geld, 70 Cent je Einwohner und Jahr, ist es den Kommunen wert".

Die Anlaufstelle ist vor allem auch für pflegende Angehörige da

Dass durch den Wegfall der Landesförderung vieles in der Seniorenberatung weggefallen sei, was nun langsam wieder aufgebaut werden müsse, bedauert Bernhard Scherer, Vorstandsvorsitzender des Caritas-Verbandes im Landkreis. Die Caritas ist über den kirchlich ambulanten Altenhilfeverbund Kaiserstuhl-Tuniberg, der sich in Breisach, Vogtsburg, Ihringen und Merdingen in der Altenarbeit engagiert, ebenfalls Träger der Beratungsstelle. "Während Bötzingen bei der Beratung immer führend war, tat sich in anderen Regionen des Landkreises lange Zeit nichts", erläutert Scherer, der sich für ein einheitliches Angebot im ganzen Landkreis einsetzt. "Der Weg ist mühsam, langwierig aber letztlich doch erfolgreich". Dennoch sei der Einsatz nicht ganz selbstlos. Durch gute Vorsorge und Beratung könnten hohe Folgekosten für die öffentliche Hand verhindert werden, ist sich Scherer sicher. Es sei besser, zuhause als im Heim gepflegt zu werden. "Pflegende Angehörige bekommen in Deutschland oft nicht die Anerkennung und Unterstützung, die sie bräuchten", kritisiert der Caritas-Vorstand. Dabei würden rund 70 Prozent der Pflegebedürftigen zuhause betreut, das sei ein wichtiger Dienst für die Allgemeinheit. Besonders vor dem Hintergrund, dass die Menschen im Schnitt acht Jahre gepflegt würden, wie Michael Szymczak ergänzt und laut Hadwig Storch bis zu 80 Prozent von ihnen währenddessen an Depression erkrankten.

"Wir bekommen viele positive Rückmeldungen, seitdem die Beratungsstelle auch für unseren Bereich zuständig ist", berichtet Martin Ruprecht, Leiter der Breisacher Sozialstation. "Bei vielen Menschen spürt man nach der Beratung regelrecht die Erleichterung. Und ein Pflegefall kommt oft schnell und unerwartet, da ist gute Beratung wichtig".

Dass die Angehörigen und Patienten den Träger ihrer Hilfeleistungen selber wählen können, ist für Hadwig Storch besonders wichtig. Zudem stellt die 55-Jährige Sozialpädagogin den präventiven Gedanken in den Vordergrund. "Es ist wichtig, dass die Angehörigen gut vorbereitet sind, wenn die Pflege intensiver wird". Daher möchte Storch, die bisher das Marcher DRK-Seniorenzentrum geleitet hat, Gesprächsgruppen ausbauen und die pflegenden Angehörigen besser schulen, insbesondere auch in Anbetracht der Zunahme von Demenzerkrankungen. "Nur wenn die Familie Sicherheit hat, kann sie im Sinne des zu pflegenden Menschen handeln und entscheiden", meint Storch. Die wesentliche Rolle dabei werden auch künftig Hausbesuche bei betroffen Familien spielen, sind sich alle Beteiligten sicher. Dazu komme der Aufbau und die Unterstützung von regelrechten Pflegenetzwerken.

"Ich habe täglich eine größer werdende Nachfrage nach Beratung erlebt", blickt Markus Rauh auf seine sieben Jahre als Leiter der Beratungsstelle zurück. Auch wenn die Hemmschwelle bei Alten wie Angehörigen, Hilfe anzunehmen, in den Gemeinden sehr unterschiedlich sei, werde der Beratungsbedarf sicher weiter wachsen, insbesondere wegen der immer komplexer werdenden rechtlichen Situation. Mit Hadwig Storch, die seit Mai in ihre neue Tätigkeit eingearbeitet wurde, habe er eine kompetente und engagierte Nachfolgerin, ist sich der 39-Jährige sicher. Er wird künftig als Fallmanager im Bereich Sozialhilfe bei der Stadt Basel arbeiten.

Info: Erreichbar ist die Beratungsstelle unter 07663-9148835 (Bötzingen) oder 07667-904899 (Breisach), über e-mail: beratung-senioren@gmx.de oder Internet: http://www.beratung-senioren.de

Autor: Mario Schöneberg