Schnapsbrennen als "Ein-Mann-Show"

Horst David

Von Horst David

Fr, 22. Dezember 2017

Bötzingen

BZ-SERIE: Willi Ritter destilliert in Bötzingen Hochprozentiges.

BÖTZINGEN. Der Adventskalender darf in vielen Haushalten nicht fehlen. Jeden Tag wird ein Türchen geöffnet. Auch die Breisgau-Redaktion öffnet jeden Erscheinungstag der BZ eine Tür und erzählt den Lesern, was sich dahinter versteckt. Heute: die Brennerei von Willi Ritter in Bötzingen.

Im Jahr 2006 hat sich Willi Ritter eine eigene Schnapsbrennanlage gekauft und in einem neuen Anbau im elterlichen Anwesen in der Hauptstraße 1 in Bötzingen aufgestellt. Das Elternhaus hatte früher lange ein Brennrecht. Da es verfallen war, erwarb es Ritter neu und kaufte zum alten Brenngeschirr dazu das neue für etwa 30 000 Euro.

Seit September 2008 ist er selbständiger Edelbrenner, wie er sich selbst bezeichnet. Angefangen mit dem Schnapsbrennen hat er allerdings bereits 1992, damals noch beim Schwiegervater im Weingut Gustav Brodbeck.

Besonders in der Weihnachtszeit sind die Produkte der Edelbrenner gefragt. Ritter selbst brennt alle möglichen Obstsorten, aber keine Weinnebenprodukte, wie Trester, Weinhefe oder Weinbrände. Seine Spezialität sind die Birnen-Williamsbrände, im Eichenfass gelagert. Für seinen Brand "Williams-Gold" mit 38 Prozent Alkohol und in der Flasche eingelegten Birnen hat er den Preis "Selektion-Gold 2017" erhalten. Die Birnen stammen aus der eigenen Obstanlage.

Weitere Besonderheiten seiner Destillerie sind zum Beispiel Brände, Geiste und Liköre aus Stachelbeeren, Löhrpflaumen, Kulturhimbeeren, aber auch Wildhimbeeren, die er selbst sammelt. Auch Wildkirschen holt er mit seinen zwei Helfern mit dem Hubgerüst von Böschungen zum Brennen.

Seine Arbeit am Brenngeschirr sei eine "Ein-Mann-Show", erzählt Ritter. Neu im Sortiment ist der "Himbeergeist", ein Schnaps versetzt mit frischen Himbeeren, die Ritter tiefgefroren hat. In diesem Jahr hat er erstmals auch einen Orangen-Geist und Gin hergestellt. Im Hofgeschäft helfen beim Verkauf seine Mutter Gisela Ritter und seine Tochter Stephanie.

Um das Ganze auch mit der nötigen Professionalität zu betreiben, hat Ritter das Fach auch von Grund auf gelernt: Bei der Staatlichen Weinbauschule in Weinsberg hat Willi Ritter beim Frucht- und Brennerei-Technologen Günter Röhrig seine dreijährige Ausbildung zur "Fachkraft im Brennereiwesen" absolviert. "Es macht mir einfach Spaß, tolle Brände zu machen", erklärt Ritter begeistert. Pro Jahr brennt er insgesamt etwa 300 Liter.

Neben seiner Brennerei betreibt Ritter noch eine Ferienwohnung, kultiviert Wein- und Obstgärten und ist Verkaufsleiter bei der Winzergenossenschaft Achkarren. Am Wochenende besucht er oft Schnaps- und Weinmessen, um auf dem aktuellen Stand zu bleiben.

Dennoch bleibt auch Zeit für Hobbys. So singt Ritter seit 25 Jahren im Männergesangverein in Bötzingen, dem er lange vorstand. Außerdem ist er Vizepräsident des Breisgauer Sängerbundes. Dann ist er auch noch im CDU-Ortsverein aktiv, was ihm, so erzählt er lachend, den Scherznamen "Schwarzer Ritter" eintrug.

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