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12. November 2011 17:39 Uhr

Breisgau

B 31 West: Verkehrskonzept dringend gesucht

An der B 31 West wird fleißig gearbeitet. Ganz unbeeinflusst von der seit Donnerstag mächtige Wellen schlagenden Entscheidung des Stuttgarter Verkehrsministeriums über einen Planungsstopp sind draußen die Bauarbeiten voll im Gange.

  1. Hier wird gebaut: Bagger trassieren den Wirtschaftsweg entlang der Bahnlinie Gottenheim-Bötzingen, Arbeiten für den Teil der B 31 West von Umkirch bis Gottenheim, der im Sommer 2012 fertig werden soll. Foto: Horst David

Denn von Umkirch bis Gottenheim soll die Straße bis Sommer 2012 fertig werden. Angelaufen ist jetzt auch die Debatte, wie es im Bereich des nun gekippten zweiten Abschnitts bis Breisach weitergehen soll.

Aktuell wird ein neuer Wirtschaftsweg auf der Westseite der Kaiserstuhlbahn zwischen Gottenheim und Bötzingen trassiert. Er ist Teil der Arbeiten zur Verlegung der Landesstraße 115 zwischen beiden Ortschaften, die wiederum durch den Bau der Bundesstraße nötig wird. Die Landesstraße wird auf die andere, östliche Seite der Bahnlinie verlegt und wird dann wie diese und der Wirtschaftsweg die schon vor einem Jahr errichtete Brücke der B 31 unterqueren.

Gearbeitet wird auch an den Trassenstücken von Umkirch her, die noch fehlen. Im Sommer 2012 soll die B 31 vom jetzigen Ausbauende beim Umkircher Gewerbegebiet bis zur Brücke zwischen Gottenheim und Bötzingen fertiggestellt und für den Verkehr freigegeben werden. Dann wäre, gut achteinhalb Jahre nach dem Spatenstich bei Umkirch, der erste Abschnitt der B 31 West neu, als Verlängerung des Autobahnzubringers Freiburg-Mitte in Richtung Kaiserstuhl fertig. Die rund 6,5 Kilometer lange Trasse wird dann Baukosten von rund 24 Millionen verursacht haben, erklärt Hans-Joachim Bumann, Präsident der Abteilung Straßenwesen und Verkehr des für Planung und Ausführung verantwortlichen Freiburger Regierungspräsidiums.

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Seine Mitarbeiter sind es auch, die über Jahre an der Planung des gut 11,5 Kilometer langen und auf 39 Millionen Euro taxierten zweiten Teilabschnitts von der Brücke bei Gottenheim bis Breisach gearbeitet haben. Und das bis zum vergangenen Donnerstag: "Wir haben die Fragen, die nach der Erörterung im Planfeststellungsverfahren Ende Mai zu klären waren, zu einem großen Teil schon bearbeitet", erklärte Bumann. Doch zur Planfeststellung durch die Rechtsabteilung der Behörde wird es nach dem Stoppsignal aus Stuttgart nun nicht mehr kommen.

Was kommen wird, ist jedoch der Verkehr, der nach der Öffnung des 1. Teilabschnitts im Sommer vom Ende der B 31 auf die L115 zwischen Gottenheim und Bötzingen abfließen wird. "Unser Wohngebiet Bergstraße und Steinacker-Berg wird vom Dorf abgeschnitten, wenn der ganze Verkehr aus und in Richtung Breisach durch unsere Bötzinger und Wasenweiler Straße rollt" sieht Gottenheims Bürgermeister Volker Kieber mit Bangen in die Zukunft. Tatsächlich wird die Fahrtrichtung Breisach am Ende der B 31 nach links über Gottenheim ausgeschildert werden. Doch Bötzingen – dorthin fahren die Rechtsabbieger – ist deshalb nicht aus dem Schneider. Dem Kaiserstuhlort werden durch den ersten Teilabschnitt der B 31 höhere Verkehrszahlen prognostiziert, wofür – verursacht vom Sog der B 31 – stärkere Verkehrsströme von Vogtsburg und Eichstetten sorgen sollen. Nicht nur das: Bürgermeister Dieter Schneckenburger rechnet auch mit Ausweichverkehr in und aus Richtung Breisach, wenn in Gottenheim, auch wegen der dortigen Bahnschranke der Breisgau-S-Bahn, der Durchgangsverkehr stockt.

Roland Näger, Bötzinger CDU-Gemeinderat und seine SPD-Kollegin Ellen Brinkmann, die beide schon vor Jahren eine Bürgerinitiative für den sofortigen Weiterbau der B 31 gegründet haben, warnen davor, dass es zu einer nicht tragbaren Belastung im Wohngebiet Nachtwaid kommen wird, wenn der Durchgangsverkehr dorthin ausweicht um die "Krone"-Kreuzung in der Ortsmitte zu umgehen.

Dieses düstere Szenario indessen hätte auch ohne die jetzige Entscheidung des von den Grünen geführten Verkehrsministeriums gedroht. Denn ein Weiterbau bis Breisach, wäre kaum noch in diesem Jahrzehnt zu erwarten gewesen, auch wenn die – nun gestoppte – Planfeststellung rechtskräftig und das ganze Vorhaben in den neuen, ab 2015 greifenden Bundesverkehrswegeplan aufgenommen worden wäre. Auch darum haben die Bürgerinitiativen, wie die beiden Gemeinden, Lösungen für den Verkehr gefordert, die sie auch jetzt praktisch unverändert vorbringen.

So wird eine Spange in Fortsetzung der schon stehenden Brücke der B 31 um Gottenheim herum in Richtung Wasenweiler gefordert. Was als Zwischenlösung für mehrere Jahre angedacht war, könnte nun zur Dauerlösung werden. Denn auch die Grünen, erklärte Gegner des Weiterbaus der Bundesstraße in Richtung Breisach, schließen einen Bypass nicht aus. "Wir können die umliegenden Gemeinden nicht im Regen stehen lassen. Man muss schauen, wie man den 1. Bauabschnitt bei Gottenheim sinnvoll zu Ende führen kann," erklärten am Freitag die Bundestagsabgeordnete Kerstin Andreae und ihre Landtagskollegin Edith Sitzmann in einer gemeinsamen Stellungnahme. Dem Schwerlastverkehr – für den es ja schon die B 31 alt von Autobahn bei Bad Krozingen nach Breisach gebe – müsse mit einer Verkehrslenkung durch LKW-Durchfahrt-Verbote in der gesamten Region zwischen Eichstetten und Ihringen begegnet werden, erklärten sie weiter.

Diese Linie vertritt auch der in Ihringen wohnhafte Landtagsabgeordnete Reinhold Pix, seit Jahrzehnten Gegner der B 31 West, dem viele die Hauptverantwortung für die Entscheidung des Ministeriums zuschreiben. " Gemeinden, Kreis und Land müssen jetzt die Chance nutzen und an einen Tisch, um das überfällige Verkehrskonzept zu beraten" betont Pix. Eine LKW-Maut, die für den vierspurigen Abschnitt der B 31 von der Autobahn bis zur Abfahrt Umkirch/March schon jetzt zulässig wäre, könnte etwa helfen, vor allem aber LKW-Durchfahrtverbote in den Ortschaften. Der Ausbau der Breisgau-S-Bahn werde auch den Pendlerverkehr beeinflussen, ist Pix überzeugt.

Eine Spange als Verlängerung der B 31 um Gottenheim herum ist für Pix nur möglich, wenn sie nicht das Verkehrsaufkommen einer Bundesstraße aufnehmen müsse, sonst ersticke Wasenweiler im Verkehr. Als Grundlage für ein Konzept brauche man neu ermittelte Verkehrszahlen – eine Forderung, die auch Bötzingens Bürgermeister Dieter Schneckenburger erhebt. Er will sie auch als Argumentationshilfe für den Bau der fertig geplanten Umfahrung der Landesstraße 114/116 um Bötzingen und Eichstetten. Diese sieht auch Pix als notwendig an.

Autor: Manfred Frietsch