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23. April 2011

Verwirrspiele, nicht nur unter Paaren

Das Boulevardtheater Zungenschlag hatte in Bötzingen Premiere mit zwei Einaktern von Dario Fo / Furiose Inszenierung.

  1. Freudenhausszene im Boulevardtheater: Die Puffmutter ( Vera Förschner) fällt in Schockstarre, belagert von (von links) Peter Waßer, Roland Kunert und Stefan Brandhorst (von links). Foto: axel dröber

GOTTENHEIM. Die Theaterstücke von Dario Fo erzählen oft von kleinen Leuten. Der italienische Nobelpreisträger bringt mit ihnen Probleme und Sorgen auf die Bühne, wie sie reale Menschen plagen. Seine Geschichten passen also auch an den Kaiserstuhl. Und so hat das in Bötzingen ansässige Boulevard-Theater "Zungenschlag" zwei seiner Einakter einstudiert. Die Protagonisten sind kleine Diebe, die sich mehr schlecht als recht über Wasser halten, hohe Würdenträger, die an ihren Affären scheitern und bedrohliche Ehefrauen, die selbst keine reine Weste haben.

Ein Dieb hat kein leichtes Leben, sein Beruf bringt allerlei Gefahren mit sich. Und so richtig reich wird er damit auch nicht. Zu allem Überfluss hat in dem ersten Einakter, den die Zuschauer in der Bötzinger Festhalle zu sehen bekamen, der Dieb (Stefan Brandhorst) auch eine besonders anstrengende Frau (Hedwig Hertweck), die ihm die nächtliche Arbeit nicht gerade erleichtert. Sie stört ihn, wie er dabei ist, das kostbare Tafelsilber in einer Wohnung auszuräumen, indem sie auf dem Hausanschluss anruft. Wie oft hat er ihr gesagt, sie soll nicht auf der Arbeit anrufen? Und so passiert, was passieren muss, der Dieb verspätet sich und wird von dem Hausherrn (Lorenz Wehrle) überrascht.

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Dieser, seines Zeichens Stadtrat, ist in Begleitung der schönen Julia (Birgit Lay), die natürlich nicht seine Frau, sondern seine Geliebte ist. Es gehört zum absurden Charakter des Stücks, das eine anfangs recht harmlose Szene sich rasch in ihr Gegenteil verkehrt. Das Liebespaar plagt das schlechte Gewissen und die Angst, entdeckt zu werden. Da klingelt mit einem Mal das Telefon. Das ist das Signal für die wildesten Spekulationen der Liebestrunkenen. Als sie dann auch noch auf den Dieb stoßen, der sich in der Wohnung versteckt hat, glauben sie eine Intrige der Frau des Stadtrats zu entdecken.

Mit dem Auftritt der Frau des Stadtrats, Anna (Daniela Kienzler), fangen die Probleme erst richtig an. So kommt es zu einer turbulenten Verwechslungskomödie, die mit dem Erscheinen von Maria, der Frau des Diebs, an Fahrt gewinnt. Der Dieb muss in die Rolle von Julias Ehemann schlüpfen, hat nebenbei aber auch ein Verhältnis mit Maria. Damit ist das Chaos aber noch nicht komplett – und im Publikum bleibt wirklich kein Auge trocken. Das Lügengerüst um den ehrenvollen Dieb bricht zusammen, als Antonio (Roland Kunert) in die Wohnung platzt. Besonders pikant: Antonio ist nicht nur der Mann von Julia, sondern zugleich der Geliebte von Anna.

Die Stücke von Dario Fo sind sicher nicht leicht zu spielen. Die Vorbereitungen und Proben unter der Leitung von Regisseur Holger Geppert haben den acht Schauspielern einige Mühen und viel Zeit abverlangt. Dabei scheut sich die Truppe auch nicht, wie mit "Der Dieb, der nicht zu Schaden kam" und "Anstreicher sind vergesslich" Stücke zum Besten zu geben, die in einem eher anrüchigen Ambiente spielen. So findet die zweite Farce in einem Freudenhaus statt. Der Handwerksmeister (Roland Kunert) und sein Geselle (Peter Waßer) werden flugs zu Innendekorateuren, wenn es denn ihre Auftraggeberin, die verwitwete Bordellmutter (Vera Förschner), nur verlangt und sie es in klingender Münze vergilt. Das Geld hat sie dank eines besonders solventen Kunden (Marco Baumelt-Huber).

Dramatisch wird es, als die beiden Handwerker meinen, der recht stille und leblos wirkende Herr im Sessel habe das Zeitliche gesegnet und sie seien daran schuld. Aus den Innendekorateuren werden Anstreicher, der Geselle schlüpft in den Mantel des vermeintlich Getöteten und bekommt von seinem Meister einen Schnurrbart aufgemalt. Obwohl er stocksteif in seinem Sessel sitzt, verfehlt er seine Wirkung bei den leichten Damen des Hauses nicht. Daina (Daniela Kienzler), Sonja (Hedwig Hertweck) und Anna (Birgit Lay) freuen sich ob seines frischen Aussehens.

Aus reinem Zufall erwacht derweil der für tot Befundene und gibt sich als Giorgio (Stefan Brandhorst) zu erkennen, Ehemann der Bordellmutter. Diese wollte nichts mehr von ihm wissen und hat ihn erfolgreich in einem Zustand der Starre gehalten. Die Schockstarre ereilt sie schließlich selber, als sie wie ihm Wahn meint, ihr Giorgio tauche von allen Seiten auf und verfolge sie.

Info: Weitere Vorstellungen am 14. Mai, Festhalle Bischoffingen, und 22. Mai, Alemannische Bühne Freiburg, jeweils 20 Uhr.





Autor: Axel Dröber