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27. Januar 2010

Wie Mensch und Stein sich gegenseitig formen

Im Bötzinger Autohaus Märtin stellt Bildhauer Martin Wiese noch bis Ende Februar fragmentarische Arbeiten aus

  1. Martin Wiese mit einem seiner Werke bei der Eröffnung der Ausstellung im Bötzinger Autohaus Märtin. Foto: mario schöneberg

BÖTZINGEN (schö). Mit einer Auswahl seiner in Stein gehauenen "Fragmente" gastiert der in Sankt Wilhelm lebende Bildhauer Martin Wiese noch bis zum 26. Februar im Bötzinger Autohaus Märtin. Zur Vernissage waren rund 300 Gäste gekommen, der Erlös ging an das Sommerschulen- Projekt des Kiwanis-Clubs Emmendingen- ara.

"Unsere Kunstausstellungen haben bereits eine langjährige Tradition", betonte Firmenchef Hansjörg Märtin zur Begrüßung, "sie sind Ausdruck unserer Unternehmensvision." Die Faszination der Technik wolle man mit dem Erlebnis der Kultur verknüpfen. Man wolle den Künstlern eine Plattform geben, um ihre Werke für jedermann greifbar und erlebbar zu machen. "Dies gilt sowohl für unsere Mitarbeiter, als auch für unsere Kunden und Interessenten, und inzwischen sogar für die ganze Region," betonte Märtin.

Elf Exponate hat der Steinbildhauermeister Martin Wiese mitgebracht, die Ausstellung ist mit dem Titel "Fragmente" versehen. Wiese, der nach Architekturstudium und einer Steinmetz- Ausbildung lange Jahre als Restaurator in antiken Stätten der Türkei sowie in Sri Lanka und Dänemark gearbeitet hat, lebt seit 1991 in Sankt Wilhelm. Hier gibt er Kurse, fertigt Auftragsarbeiten, bereitet Ausstellungen vor und arbeitet an neuen Werken. Zumeist setzt er sich dabei mit den Elementen Licht, Luft, Wasser und Erde auseinander.

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"Der Mensch formt den Stein - doch auch der Stein formt den Menschen", ist Wieses Maxime. Denn jede Veränderung des Steinrohlings durch die Hand des Künstlers sei nicht nur reine körperliche Arbeit sondern auch geistige. "Steine bekommen andere Funktionen, spannungsreiche Oberflächen und eine vorher nicht da gewesene Aussagekraft". Er werde so zum Unikat. Letztlich ist sich Wiese sicher, "der Stein lebt".

In Bötzingen hauptsächlich zu sehen ist ein neuer, von historischen Vorbildern inspirierter Ansatz von Martin Wieses Arbeit. Eine Einführung gab die Kunsthistorikerin Anja Schlager, Wiese selber improvisierte dazu auf dem Saxophon.

Die Idee, wie es zu den Skulpturen der Fragmente- Reihe kam, sei vielschichtig, erläutert der 52-Jährige Künstler auf seiner Homepage. Entstanden sei sie, als einer Kursteilnehmerin bei einer ihrer Skulpturen der Kopf abbrach. Es folgte der Kniff, den Kopf mit zwei dünnen Metallstangen und einem kleinen Abstand wieder an den Körper zu montieren. Nun wirkte das wieder vervollständigte Objekt — auf einen neutralen Sockel gestellt — geradezu museal - wie ein antikes Ausstellungsobjekt. Es erinnerte Wiese an die vielen Marmortorsi, die er bei seinen meinen Arbeiten in der Türkei in den dortigen Museen gesehen habe.

In Steinbrüchen in Westfalen und Niedersachsen war der Künstler nun auf der Suche nach Körpern und Köpfen. Er wollte sich von der Form der, wie zufällig, gebrochenen Steine inspirieren lassen und sie in einer neuen Konstellation wieder zusammensetzen. Die Köpfe bearbeite er nur teilweise, um den Kontrast des bearbeiteten und nicht bearbeiteten Materials zu betonen, sagte er.

Die Frauen des Kiwanis-Club Emmendingen-Tara, dem auch Christine Märtin angehört, verköstigten die Gäste. Der Erlös des Abends kommt dem Kiwanis- Sommerschulprojekt für lernschwache deutsche und ausländische Schüler in Emmendingen zugute. Außerdem subventioniert der Club auch die Schulspeisung für Bedürftige, erläuterte Astrid Späth, Club-Vizepräsidentin das Ziel des Projektes.

Autor: Mario Schöneberg