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08. Dezember 2010
Ausdrucksstark und voller Freude
Adventskonzert von Trachtenkapelle und Kirchenchor aus St. Ulrich in der Pfarrkirche.
BOLLSCHWEIL (sf). Eine lange Tradition hat das Adventskonzert von Trachtenkapelle und Kirchenchor aus St. Ulrich in der Pfarrkirche St. Peter und Paul. Und auch in diesem Jahr begeisterten die Musiker mit ihrem Dirigenten Michael Stecher und ebenso die Sänger unter Leitung von Andreas Mölder die Konzertbesucher.
Es sind die Minuten zwischen dem letzten Ton und dem Moment, wenn der Applaus losbrandet, in der sich die Qualität einer Aufführung offenbart. Dann, wenn man meint, es müsste noch weitergehen, wenn die Musik noch im Raum schwingt, aber in Wahrheit schon verklungen ist, formen sich die Gedanken unwillkürlich zu einer Beurteilung. In St. Ulrich war diese kleine Zeitspanne nach dem letzten Ton der Fanfare aus Gustav Holsts "A Moorside Suite", die die Trachtenkapelle als Finale gewählt hatte, außergewöhnlich lang. Und es war mucksmäuschenstill. Als aber Michael Stecher endlich seinen rechten Arm sinken ließ, löste sich die Spannung, toste Beifall durch die Barockkirche und ließ die Musiker und Sänger strahlen. Dieser Applaus war Ausdruck großer Begeisterung, von Glück und Freude.
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Tatsächlich hat an diesem späten Nachmittag im Advent alles gestimmt. Was die musikalische Qualität angeht, war das vom Orchester und vom Chor auch zu erwarten. Darüber hinaus war bei diesem Konzert jedoch etwas da, was es nicht oft zu erleben gibt, das Gefühl, mitgenommen zu werden, aufgehoben und fortgetragen, für eine bestimmte Zeit abgespalten zu werden vom Leben draußen. Diese Wirkung beruhte auf der Ausdrucksstärke von Musikern und Sängern, auf ihrer Souveränität und auch ihrer Freude. Sie treffen die Zuhörer mit ihrem Vortrag im Innersten.
Der Trachtenkapelle gelang das mit fein differenzierten Interpretationen von jeweils drei Sätzen aus der "Moorside Suite" (1928) und der berühmten, 1717 in London tatsächlich auf der Themse uraufgeführten "Wassermusik" von Georg Friedrich Händel. Michael Stecher paarte jeweils zwei motivisch passende Sätze aus diesen Stücken, wodurch das Konzert insgesamt gegliedert wurde: Das Orchester setzte mit einem Allegro und einem Scherzo ein, markierte die Mitte mit dem ruhigen Nocturne aus der "Moorside-Suite" und dem fröhlich-tänzerischen Air aus der "Wassermusik" (Suite Nr. 1) und sorgte mit dem Satz "Alla Hornpipe" aus dieser Suite, die das wohl bekannteste Motiv aus der Wassermusik repräsentiert, und mit der schon genannten Fanfare für ein furioses Finale.
Zwischen den Orchesterpassagen war der Chor platziert. Besonders berührend war die Gegenüberstellung eines gregorianischen Chorals aus der Zeit um 900 über die Worte "Rorate coeli" (Tauet, ihr Himmel) und einer rund tausend Jahre später von Carl Orff komponierten Möglichkeit, die Worte des alttestamentarischen Propheten Jesaja musikalisch zu verstärken. Dieser sehr häufige Textinhalt christlicher Adventslieder bestimmte den ersten Auftritt des Chores.
Ihm folgten die Kinder. 20 Jungen und Mädchen sangen alte und neue Lieder, etwa den Text: "Lieber Gott, schick uns deine Engel, dass wir nicht mehr alleine sind." Im letzten Konzertteil führten auch die Erwachsenen noch junge Kompositionen auf, wobei beim letzten Lied "Gott hat mir längst einen Engel gesandt" des evangelischen Pfarrers und Texters Eugen Eckert alle 50 großen und kleinen Sänger die Kirche mit ihren Stimmen gemeinsam erfüllten.
Autor: sf
