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15. Mai 2009

Ausgefeilte Arrangements

Frühjahrskonzert mit der Trachtenkapelle St. Ulrich und dem Musikverein Grißheim

  1. Karin Horst überreichte die Goldene Ehrennadel an Reinhard Lais (links) und die Silberne Verdienstnadel an Wolfgang Gutmann (2. v. rechts). Das freute auch Vereinsvorsitzenden Roman Gutmann (rechts). Foto: freyer

BOLLSCHWEIL (fry). Ohne Gäste kein Frühjahrskonzert der Trachtenkapelle St. Ulrich: Diesmal war der Musikverein Grißheim in die Möhlinhalle gekommen. Die Besucher im voll besetzten Saal erlebten ein abwechslungsreiches und unterhaltendes Konzert auf hohem Niveau.

Die Grißheimer eröffneten den Reigen bunter Melodien. Mit dem Titel "O Vitinho" hatte Dirigent Christian Baier einen glücklichen Griff getan: Der fröhliche Marsch, das bekannteste Stück des portugiesischen Komponisten Francisco Marques Neto, war wie gemacht für das Orchester. Nicht nur von der instrumentellen Ausstattung her wurde die Kapelle dem Stück gerecht – es gelang ihr, den unverwechselbaren Klang dieses Marschtyps ins frühlingshafte Mitteleuropa zu transportieren.

Mitreißend auch die Umsetzung der Walt-Disney-Version von "Die Schöne und das Biest" mit der Filmmusik von Howard Ashman und Alan Menken. Als unterhaltsam und abwechslungsreich erwies sich das Werk, das einst dem holländischen Komponisten Jacob de Haan zum internationalen Durchbruch verhalf, wie Kathrin Sichler in ihrer Moderation verriet: "Oregon". Mittels einer musikalischen Zugfahrt durch diesen reizvollen Staat der USA wird hier die Neue Welt mit Cowboys, Indianern und Abenteuern beschworen, wie sie sich der Europäer vorstellte: heil, fröhlich und unverwundbar. In Nordamerika blieb das Orchester mit dem Bryan-Adams-Medley "The Best of Me", einem Zusammenschnitt der weltbekannten Hits dieses Rock- und Popsängers aus Ontario/Kanada. Ganz bodenständig verabschiedeten sich die Gäste mit dem Konzertmarsch "Schwabengruß" des Tuttlingers Gustav Lotterer. Als Zugabe hatten sie nicht nur die Polka "Böhmischer Traum", sondern auch eine Auswahl Hügelheimer Weine mitgebracht.

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Heitere Weisen aus dem angelsächsischen Raum
Ausgefeilte Arrangements und sensible Umsetzung – das ist die Spezialität der Trachtenkapelle St. Ulrich. Michael Stecher hatte sich viel vorgenommen, wurde aber zusammen mit dem Orchester den selbstgestellten Aufgaben wieder einmal voll gerecht. Das bewies bereits das temperamentvolle Prélude "Les Chasseresses" (etwa: die Jägerinnen) aus dem Ballett "Sylvia", das dank weltberühmter Tänzerinnen, Tänzer und Choreografen bis ins neue Jahrtausend hinein immer wieder aufgeführt wird. Eine geradezu symphonische Dichtung ist die "Suite Provençale" von Jan van der Roost: vier Sätze in unterschiedlichsten Rhythmen und betitelt mit jenem französisch-italienischen Gemisch, das in der Südwestecke Frankreichs gesprochen wird. Da beschwor die Piccoloflöte das Bild des "Flötenspielers" von Paul Cézanne, da sah man förmlich den Spielmannszug durch Gassen eilen in jenem Laufschritt, der französischen Kapellen bei Paraden eigen ist. Sich in das Ambiente eines anderen Landes und den Zeitgeist der Entstehung einer Komposition hineinzudenken ist das eine, dieses Gefühl auf eine 30-köpfige Laientruppe zu übertragen das andere. Beides gelang Michael Stecher mit der Hymne des Finnen Jean Sibelius auf sein Heimatland, "Finlandia". Dieser Komponist genießt bis heute den Nimubs desjenigen, der seinen Landsleuten nach langer Fremdherrschaft ihr Selbstvertrauen wiedergegeben hat, und wird entsprechend verehrt. All das wird hörbar in der Fast-Nationalhymne "Finlandia", und so auch in der Möhlinhalle.

Zur Abrundung gab es dann eine Folge heiterer Weisen aus dem angelsächsischen Raum in drei Teilen, die in ihrer übermütigen Unbeschwertheit fast zum Mittanzen einluden. Ralph Vaughan Williams, ein Zeitgenosse Jean Sibelius', hatte sie, inspiriert von englischen Volksliedern, komponiert. Der Konzertmarsch "Die Sonne geht auf" rundete als Zugabe den Beitrag der Trachtenkapelle St. Ulrich ab.

Über die Leistungen des Nachwuchses freute sich der ganze Saal mit Vereinsvorsitzenden Roman Gutmann. Er zeichnete mit dem Jugendleistungsabzeichen in Bronze Helena Karle, Lena Marie Buttenmüller, Patrick Schneider und Nico Beyer, aus. Die Silberne Vereinsehrennadel erhielt für zehn Jahre aktive Mitwirkung Christoph Steiert. Für die Ehrung von zwei verdienten Mitgliedern war Karin Horst als Vertreterin des Oberbadischen Blasmusikverbandes von Pfaffenweiler herübergekommen. Aus ihrer Hand nahm Reinhard Lais die Goldene Ehrennadel entgegen, die der Bund Deutscher Blasmusikverbände (BDB) für außerordentliche Leistungen vergibt. Karin Horst zählte die Verdienste des Jubilars auf: außer seinem musikalischen Wirken an mehreren Blasinstrumenten auch im Vorstand. Der zweite Jubilar, Wolfgang Gutmann, habe sich nicht minder wirkungsvoll engagiert, betonte Karin Horst. Ihm überreiche sie für 30 Jahre Aktivität im Vorstand die Silberne Verdienstnadel des BDB.

Autor: fry