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25. November 2015

Dem hohen Anspruch souverän gewachsen

Die Trachtenkapelle Bollschweil widmet sich bei ihrem Jahreskonzert den britischen Inseln – mit musikalischen Abstechern.

  1. Optisch und akustisch ein festlicher Auftritt: die Trachtenkapelle Bollschweil Foto: Anne Freyer

BOLLSCHWEIL. Ganz und gar der britischen Insel mit ihren auch musikalisch unterschiedlichen Teilgebieten widmete sich die Trachtenkapelle Bollschweil im ersten Teil ihres Jahreskonzerts. Und dieser Kulturraum hat allerhand zu bieten, wie eindrucksvoll deutlich wurde.

Mit einem fruchtigen Cocktail namens "Happy Hour" eröffnete die Jugendkapelle das Programm und stimmte damit das Publikum auf einen vorwiegend heiteren Melodienreigen ein. Dezent unterstützt wurden die Jungmusiker durch bewährte Kräfte aus dem Hauptorchester. Dass Dirigent Carl-Philipp Rombach die Nachwuchsförderung am Herzen liegt, machte er deutlich dadurch, dass er selbst die Jugendkapelle dirigierte, bevor sich sein vielköpfiges Ensemble auf der Bühne versammelte.

Weite Röcke, schimmernde Seidenstoffe, frischgestärkte Blusen für die Damen, rote Westen und schwarze Kniehosen für die Herren – so bietet die Trachtenkapelle getreu ihrem Namen ein festliches Bild, das bereits für sie einnimmt, bevor der erste Ton erklungen ist. Und der war diesmal von besonderer Wucht, denn mit "Pomp and Circumstance No. 1" (gemeint ist Pomp und Rüstung eines glorreichen Krieges) hatten sich Kapelle und Dirigent für ein Werk entschieden, das an nationalem Selbstbewusstsein kaum zu überbieten sein dürfte. Sir Edward William Elgar hat es komponiert, und zwar anlässlich der Krönungsfeierlichkeiten für König Edward VII, der sich besonders den ersten der beiden darin enthaltenen populären Märsche gewünscht hatte: "Land of Hope and Glory". Dieser Marsch wurde fast so beliebt wie die Nationalhymne "God Save the Queen" und brachte es zur englischen Regionalhymne. Die Bollschweiler Kapelle zeigte sich diesem hohen Anspruch souverän gewachsen und setzte die dramatischen Tempo- und Taktwechsel wirkungsvoll in Szene. Nicht minder ausdrucksstark: die "English Folk Song Suite" von Ralph Vaugha Williams, auch er offensichtlich ein Repräsentant des unerschütterlichen britischen Selbstbewusstseins, das in dem patriotischen Lied "Rule Britannia" immer wieder bekundet wird. Dieses Lied war zwar nicht zu hören, dafür aber eine viersätzige Symphonie, die die ganze Vielfalt der britischen Lebensart wiedergibt: mal feierlich-getragen, mal übermütig-schalkhaft, und das gleich in dem Satz "Seventeen come Sunday", der streckenweise zum Tanzen animiert. Gleiches gilt für das Intermezzo "My Bonny Boy", das vergnügt-schalkhaft daherkommt, um dann nachdenklicher oder romantischer zu werden – wie es dem Menschen eben so eigen ist.

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Die "Sea Songs" hingegen haben ein eindeutiges Thema: das Meer mit seiner Schönheit, aber auch seinen Gefahren. Der Marsch "Folk Songs from Sommerset" schließlich beschreibt musikalisch Leben und Treiben in dieser Grafschaft im Südwesten Englands mit ihren Menschen: dem Seemann, dem Handwerker, dem Bauern, ihrem Tagewerk und ihren Vergnügungen, bevor alle zusammen in den Krieg ziehen, der natürlich mit einem Sieg zu enden hat. Auch Schottland und sein Jahrhunderte lang problematisches Verhältnis zu England wird in vielen Tonwerken gewürdigt, und das häufig durch die Glorifizierung seiner Helden. Donald McDonald ist es, dem Frank Ticheli mit der Komposition "Loch Lomond" ein Denkmal gesetzt hat, jener tragische Kämpfer des 17. Jahrhunderts gegen Unterdrückung und Fremdherrschaft, der letzten Endes unterlag. In Bollschweil wurde eindrucksvoll an ihn und Schottland erinnert, das ja immer wieder und auch zurzeit versucht, unabhängig zu werden. Zur Entspannung gab es dann vor der Pause einen heiteren Ausflug in die Miniaturstadt Madurodam bei den Haag, der sich Johann de Meij musikalisch angenähert hat.

Endgültig von Britannien entfernten sich die Bollschweiler mit Enrio Salveres "A Short Story in Blue", mit der die Trachtenkapelle ihr Talent als Bigband bewies: schwungvoll, mitreißend, von bestechender Genauigkeit in Rhythmus und Tonalität. So ging es auch weiter mit einem Tango-Medley und dem krönenden Abschluss: der Folge unvergesslicher amerikanischer Hits aus mehreren Jahrzehnten, zusammengetragen von Neil Sedaka unter dem Titel "American Beauties". Damit wurden die Musiker aber noch nicht von der Bühne gelassen – erst nach einem zünftigen Radetzky-Marsch schloss sich der Vorhang für diesen Abend.

Autor: Anne Freyer