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14. Mai 2010

Ein Glas Likör für die Gäste

Doppelkonzert der Trachtenkapellen Bollschweil und St. Ulrich in der Möhlinhalle.

  1. Bernhard Metzger ehrte Fritz Schweizer (links) für 50 Jahre Musizieren im Verein mit der großen goldenen Ehrennadel. Foto: Barbara Schmidt

BOLLSCHWEIL. Die Trachtenkapellen Bollschweil und St. Ulrich boten ein beeindruckendes Doppelkonzert in der Möhlinhalle, in dessen Rahmen der Musiker Fritz Schweizer geehrt wurde. Eröffnet wurde das anspruchsvolle Programm von der gemeinsamen Jugendkapelle, die seit November von der erst 18-jährigen Carolin Horst aus Pfaffenweiler geleitet wird.

Es war der erste Auftritt für die neue Dirigentin, die selbst im Musikverein Pfaffenweiler spielt und eine Bläserklasse leitet. 2009 hat sie ihren ersten Dirigentenlehrgang absolviert. Die neue Aufgabe "macht sehr viel Spaß. Es ist aber auch schwierig, so einen Haufen zu bändigen", sagte die Gymnasiastin. Der "Haufen" bestand aus fast 20 Nachwuchsmusikern, die Rockiges und ABBA-Hits spielten. Nach der Filmmusik aus dem Kassenschlager "Fluch der Karibik" ließen sie noch Coldplays "Viva la vida" als Zugabe folgen.

Die große Kapelle hatte sich konzertante Blasmusik ausgesucht. Passend zu den Gästen aus St. Ulrich, wie der Dirigent Andreas Daiger erläuterte. Die rund 40 Musikerinnen und Musiker hatten sich seit Januar auf ihr Frühjahrskonzert vorbereitet. Sie hatten ein Probenwochenende und mehrere Registerproben eingelegt. Die Mühe zahlte sich aus, denn die Kapelle spielte sicher und ausdrucksstark. Das Publikum war begeistert. "So habe ich sie noch nie spielen hören", schwärmte eine Konzertbesucherin.

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Die Moderatorinnen "Dani und Patti" (Daniela Müller und Patricia Schneider) schafften es, dem Publikum die Werke zeitgenössischer Komponisten schmackhaft zu machen. Bei "Ratafia" von Willy Fransen im wahrsten Sinne des Wortes: Das aus dem Kreolischen stammende Wort kann mit "Zum Wohl" übersetzt werden. Ratafia heißen aber auch Liköre aus Italien und Katalonien. In Frankreich gibt es einen Aperitif mit diesem Namen. Die gut 250 Zuhörer in der Möhlinhalle bekamen von den Musikern ein Gläschen Likör serviert. Dani und Patti tranken auf ihr Wohl, bevor sie mit der Kapelle dann das musikalische "Ratafia" anstimmten.

In "Imagasy" fanden sich die englischen Begriffe für Vorstellungskraft (Imagination) und Fantasie wieder. Mit diesem Stück habe der erst 26-jährige deutsche Komponist Thiemo Krass seinen Durchbruch geschafft, erfuhren die Zuhörer. Sie erlebten zum Schluss noch eine musikalische Reise durch die Schweiz, mit "Music4you" von Gilbert Tinner.

Das Programm folgte keinem Motto. "Die Stücke haben mir einfach gefallen", begründete der Dirigent seine Auswahl. Daiger leitet die Bollschweiler Kapelle seit gut zwei Jahren. Bestimmt sechs oder sieben Jahre sei es her, dass die St. Ulricher bei ihrem Patenverein zu Gast waren, so der Präsident des Bollschweiler Musikvereins, Hanspeter Moll. Die für ihr hohes musikalisches Niveau bekannten St. Ulricher bestritten den zweiten Teil des Konzerts. Sie widmeten sich der absoluten Musik. Sie erzähle keine Geschichten, sondern stehe für sich selbst, so die Erklärung. Das Publikum lauschte gebannt, vom pompösen "Fanfare and Flourishes" bis zur irischen Ballade "Molly on the shore". Michael Stecher und seine Kapelle durften die Bühne erst nach drei (oder waren es vier?) Zugaben verlassen.

Der Chor "Crescendo" bewirtete die Konzertbesucher. Bernhard Metzger, Präsident des Markgräfler Musikverbands, ehrte Fritz Schweizer für 50 Jahre Musizieren im Verein mit der großen goldenen Ehrennadel. Der (Tenor)Hornist ist mit seinen 62 Jahren das älteste Mitglied der Bollschweiler Trachtenkapelle. "Wir sind stolz, ihn in unserer Mitte zu haben", sagte Moll.

Autor: Barbara Schmidt