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27. März 2013

Ein musikalisches Fest mit Freunden

150 Jahre Trachtenkapelle Bollschweil: Musiker geben ein Doppelkonzert mit dem Musikverein Auggen.

  1. Erfüllte beim Jubiläumskonzert musikalische Wünsche: die Trachtenkapelle Bollschweil, die in diesem Jahr ihren 150. Geburtstag feiern kann. Foto: anne Freyer

  2. Zum Gelingen des Konzerts trugen auch die Musiker aus Auggen bei. Foto: Anne Freyer

BOLLSCHWEIL. Vor 150 Jahren ging eine Welle der Neugründungen von Musik- und Gesangvereinen durchs Land – das Bedürfnis nach gemeinsamem Musizieren muss riesig gewesen sein. Der Südwesten Deutschlands war seit 1806 ein souveräner Staat – man atmete auf und wandte sich dem "Guten, Wahren Schönen" zu, so auch in Bollschweil. Deshalb feiert die Trachtenkapelle in diesem Jahr ausgiebig ihren 150. Geburtstag, jetzt mit einem großen Jubiläumskonzert.

Feiern mit Freunden macht mehr Spaß, zumal wenn man nicht nur die Liebe zur Musik, sondern auch noch den Dirigenten teilt. Carl-Philipp Rombach hatte den Musikverein Auggen schon einige Jahre lang geleitet, als er die Trachtenkapelle Bollschweil übernahm. Wie gut die beiden Ensemble zusammenpassen, zeigten sie nun in der Bollschweiler Möhlinhalle.

Die Gäste hatten den Vortritt und eröffneten mit der Komposition "Medusa" von Robert Finn, die sich mit einer in ein todbringendes Monster verwandelten Göttin beschäftigt. Die Dynamik, mit der sich der Auggener Verein des Themas annahm, entsprach ganz der Dramatik der aus der griechischen Mythologie überlieferten Sage. Ebenso schwungvoll und präzise ging es weiter mit der "Legend of the Ancient Hero" (etwa: Legende des Helden von einst) von Benjamin Yeo. Dieser Komponist, aus Singapur gebürtig und weltweit für flotte Melodien und breit orchestrierte Kontraste bekannt, ist einer der meistgespielten Spezialisten auf dem Gebiet neue, zeitgemäße Blasmusik für größere und gut ausgestattete Kapellen. In der nun in Bollschweil gespielten "Legende" widmet er sich dem Wilden Westen und seinen Helden, inklusive Pistolenschüsse und Pferdewiehern. Bedrohlich über die Prärie pfeifender Wind signalisiert Einsamkeit und endlose Weite. Insgesamt stellt das Stück hohe Ansprüche an die Wendigkeit und Präsenz der einzelnen Register, denen die Auggener souverän gerecht wurden.

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Im Namen der Trachtenkapelle Bollschweil hieß Hanspeter Moll die Gäste willkommen. Ihm antwortete Jürgen Gugelmeier, Vorsitzender des MV Auggen, und lud seinerseits die Freunde aus Bollschweil zu dem 150-jährigen Bestehen ein, das Auggen in zwei Jahren bevorsteht. Ein "Geben und Nehmen in Freundschaft", so charakterisierte er das Verhältnis der beiden Vereine, und das auch ganz praktisch: Er selbst war immer wieder zwischen den Bollschweiler Schlagzeugern zu erkennen, ebenso wie die eine oder andere Klarinettistin aus Bollschweil zwischen den Gästen. Besonders, so Gugelmeier, freue er sich schon darauf, die Freunde "in ihrer wunderschönen Tracht" bald in Auggen begrüßen zu dürfen.

Zunächst aber ging es musikalisch nach Schottland und an einen seiner rätselhaften Seen mit "Loch Lomond", einer Fast-Nationalhymne auf den heldenhaften Kampf der Schotten um ihre Unabhängigkeit. Nach Steven Reinekes "Pilatus, Berg der Drachen" forderte das Publikum stürmisch Zugaben, die es denn auch bekam.

Ein Wunschkonzert nicht nur für den Saal, sondern auch für sich selbst hatte die Trachtenkapelle Bollschweil zusammengestellt – Lieblingsstücke, die bereits in anderen erfolgreichen Konzerten zu hören gewesen waren, so etwa der Konzertmarsch "Arsenal" "Die Hexe und die Heilige" und "Elsas feierlicher Zug zum Münster", frei nach Richard Wagners Oper "Lohengrin". Große Heiterkeit löste Patricia Schneiders zeitgemäßer Befund "Elsa stirbt an psychischer Erschöpfung" aus, und auch im weiteren trugen sie und ihre Kollegin Dagmar mit ihren Moderationen sehr zur Unterhaltung bei. Allerdings kam der "Mann mit der eisernen Maske", hinter dem der gefangene Zwilling des französischen Königs Ludwig XIV. vermutet wird, dem düsteren Thema entsprechend getragen und melancholisch daher, unterstützt von Flöten- und anderen Soli – schwere Kost zur Feier des Tages, bevor man sich mit der Klezmer-Rhapsodie "Shirim" den heiteren Seiten des Lebens zuwandte. Mehrere Zugaben wurden vom begeisterten Publikum gefordert.

Als Nachtrag zu früher stattgefundenen Ehrungen erhielt Carina Dischinger für zehnjährige Mitgliedschaft Urkunde und Nadel. Außerdem konnte Hanspeter Moll vermelden, dass Meinrad Grammelspacher, Vorsitzender der Trachtenkapelle Bollschweil, kurz vor dem Konzert eine seltene Ehrung zuteil geworden war: Die Goldene Verdienstmedaille (der "Nobelpreis der Blasmusik") von der "Confédération Internationale des Sociétés Musicales", kurz CISM, in Mulhouse.

Autor: Anne Freyer