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16. Januar 2012

"Ein Schatz, der endlich gehoben wurde"

Initiatoren ziehen positive Bilanz der Grünwald-Ausstellung in Bollschweil / Ratespiel gelöst.

  1. Mit den Gewinnern des Ratespiels zur Grünwald-Ausstellung Uschi und Wolfgang Mangold (links) freuten sich die Organisatoren, Kathrin Wegener-Welte und Peter Hobbing. Foto: Anne Freyer

BOLLSCHWEIL (fry). Einen "Schatz, der endlich gehoben wurde" nannte eine Besucherin die Ausstellung im Alten Rathaus in Bollschweil, in der Aufnahmen des Fotografen Michael Grünwald gezeigt wurden, die dieser in den 80er Jahren in Bollschweil gemacht hat. Sie ging zu Ende mit der Verleihung eines Preises an die Eheleute Uschi und Wolfgang Mangold, die als Einzige sämtliche Abbildungen eines Ratespiels richtig hatten verorten können.

Viele Besucher der Ausstellung hatten sich an dem zehnteiligen Ratespiel beteiligt, doch bis auf die Mangolds scheiterten alle an einem Foto, das ein Wagenrad zeigte. Gefragt war, an der Wand welchen Hauses es zu sehen ist. "Zugegeben, man muss ein wenig suchen", so die Kunsthistorikerin Kathrin Wegener-Welte, die zusammen mit Peter Hobbing die Ausstellung organisiert und zusammengestellt hatte. Den beiden Siegern des Wettbewerbs kam zugute, dass sie in Bollschweil geboren sind, fast ununterbrochen hier gelebt haben und auch mit den verstecktesten Winkeln ihres Heimatdorfes vertraut sind – so wussten sie, wo das fragliche Wagenrad zur Zeit der Aufnahme zu finden war und immer noch ist: am Hause Schmieder im Leimbachweg 13.

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"Wir konnten uns noch sehr gut an die Zeiten der Foto-Streifzüge des Fotografen erinnern. Beim Stöbern sind uns viele bekannte Gesichter begegnet", haben die Mangolds im Gästebuch der Ausstellung hinterlassen. Dieses Erlebnis haben sie mit vielen Bollschweilern gemeinsam, für die die Ausstellung ein Ort des lebhaften Austauschs vieler Erinnerungen wurde.

"Die Ausstellung war ein voller Erfolg", freuten sich die beiden Initiatoren. Das beweist auch das Gästebuch, das sie ausgelegt hatten. Darin brachten Einheimische und Gäste von auswärts ihren Dank und ihre Anerkennung für die Bildauswahl zum Ausdruck, darunter die Schwester des Fotografen, Angela Maria Grünwald. In Anlehnung an die "Beschreibung eines Dorfes", mit der Marie Luise Kaschnitz Bollschweil ein Denkmal gesetzt hat, schrieb sie: "Eines Tages, vielleicht viele Tage später, werde ich den Versuch machen, die Rückkehr in das Dorf zu beschreiben – in das Dorf meines Bruders Michael." Denn wie die zur Ausstellungseröffnung angereiste Mutter des früh Verstorbenen, Maria Grünwald, sich erinnern konnte, hatte seine Begeisterung für die Dichterin den damals 25-jährigen Studenten dazu motiviert, von seinem Wohnort Ebringen aus immer wieder nach Bollschweil zu radeln und zu fotografieren. Sie wusste auch, warum er das tat. Sein Ziel war es, in der nächsten Ausgabe – nach der Erstveröffentlichung 1983 im Insel-Verlag – mit seinen Fotos vertreten zu sein. Das gelang ihm: Die Neuauflage 1986 durch den Pieper-Verlag enthält eine Auswahl aus den rund 8000 Fotos, von denen 700 überliefert und 60 in Gemeindebesitz sind.

Kathrin Wegener-Welte freut sich schon auf die Aufgabe, die ihr im neuen Jahr bevorsteht: die Einrichtung eines Marie Luise Kaschnitz-Zimmers im Rathaus, das derzeit noch umgebaut wird und mit dessen Bezug im Frühjahr zu rechnen ist. Dort werden dann alle Ausgaben der verschiedenen Verlage zu sehen sein, die die "Beschreibung eines Dorfes" mit und ohne Illustrationen herausgebracht haben, dazu viele Fotos, die Michael Grünwald den Ort hinterlassen hat.

Autor: fry