Vor 70 Jahren

Pfarrer Anton Maria Fränznick starb im KZ Dachau

Tanja Bury

Von Tanja Bury

Sa, 25. Januar 2014 um 00:00 Uhr

Bollschweil

Seine Liebe zu Gott wurde Pfarrer Anton Maria Fränznick zum Verhängnis. 1944 ist der Geistliche im KZ Dachau gestorben – nachdem er in Bollschweil denunziert und verhaftet worden war.

Wo Gott mich hingestellt hat, da bleibe ich – so lautete der Leitspruch von Pfarrer Anton Maria Fränznick. Am Ende seines Lebens war sein Platz an der Teemaschine im Konzentrationslager Dachau. Zuvor war der Geistliche am 27. Juni 1942 in Bollschweil verhaftet und kurze Zeit später nach Dachau deportiert worden. Seine Liebe zu Gott und den Menschen ist ihm zum Verhängnis geworden.

Schon als Kind erfährt der 1889 geborene Bauernsohn aus Eppingen-Rohrbach, was es heißt, mit anpacken zu müssen. Seine Kindheit ist geprägt von der Arbeit auf dem Hof der Eltern. Viel Wert legen sie auch auf die religiöse Erziehung des kleinen Antons. Das trägt Früchte: Nach Abschluss des Gymnasiums steht für Fränznick fest: "Ich möchte nunmehr das Studium der Theologie beginnen, um einst dem Herrn als Priester zu dienen."

Seine Weihe erfährt er am 2. Juli 1913. Erste Stationen als Vikar führen ihn nach Neustadt, Freiburg-Herdern und über Karlsruhe 1925 als Pfarrer nach Rheinstetten-Mörsch. Dort trifft er auf Arbeitslosigkeit, Armut und verzweifelte Menschen. Dem Priester ist klar: Die Kirche braucht eine neue Seelsorge, sie muss sich mehr mit den Menschen auseinandersetzen.

Vor seinem Beichtstuhl bildeten sich Schlangen

Anton Maria Fränznick ist ein Mann der Worte und der Taten: In vielen Predigten und Vorträgen macht er den Menschen Mut, er gibt religiöse Kurse und macht Hausbesuche. Vor seinem Beichtstuhl bilden sich lange Schlangen – oft bis in die Nacht hinein. Armen Familien steckt Fränznick Geld zu, er vermittelt Arbeit und gründet einen Kindergarten.

"Pfarrer Fränznick war ein außergewöhnlicher Mann: fromm und bescheiden, engagiert und mutig", sagt Bollschweils Pfarrgemeinderatsvorsitzende Monika Kenk. Sie ist sich sicher: Kirche und Gesellschaft brauchen auch heute Menschen mit diesen Eigenschaften. "Wir in Bollschweil wollen Pfarrer Fränznick nicht vergessen."

1940 nimmt er seinen Dienst im Dorf auf. Da hat die Gestapo ihn bereits im Visier. Seine umtriebige Arbeit in Mörsch und seine Kurse – in denen er ein für die damalige Zeit revolutionäres Verständnis des Evangeliums predigt – sind den Nazis ein Dorn im Auge. Bereits 1934 wird ihm verboten, solche Predigten in der Diözese Rottenburg zu halten, 1935 folgt das Verbot für Freiburg. In Bollschweil setzt sich Anton Maria Fränznick für eine neue Orgel in der Pfarrkirche St. Hilarius ein. Dieses Instrument erklingt noch immer. Ebenso sind auch die Ölberggrotte an der Kirche ein Zeugnis seines Wirkens. Fränznick hat ihren Bau nicht nur initiiert, sondern auch beim Steineschleppen mitangepackt. "2010 haben wir die Grotten saniert", sagt Monika Kenk.

Eine Lappalie wurde ihm zum Verhängnis

Der Priester gibt den Kindern im Pfarrhaus Lateinunterricht, studiert mit ihnen Bibelszenen ein und hilft den Menschen, wo er kann. Und Anton Maria Fränznick hält den Mund nicht. Er prangert die nicht kirchlich geschlossene Ehe des damaligen NSDAP-Ortsgruppenleiters öffentlich an. Als in Bollschweil ein grausames Verbrechen geschieht, duckte sich der Geistliche nicht weg. Die Liebe zwischen einer Bollschweilerin und einem polnischen Zwangsarbeiter fliegt auf, der Pole wird hingerichtet. "Es müssen sich schlimme Szenen abgespielt haben", sagt Monika Kenk.

Der Pfarrer hat die Ermordung des Arbeiters von der Kanzel aus scharf kritisiert. Und schließlich wird ihm eine Lappalie zum Verhängnis: Der Priester lehnt ab, dass sich die Pfarrgemeinde an den Kosten für die Erneuerung eines Weges im Kirchwald beteiligt. Am 27. Juni 1942 wird Anton Maria Fränznick verhaftet, erst ins Gefängnis nach Freiburg und am 24. Juli nach Dachau gebracht.

Tüten kleben, Weißkraut einschneiden, später an der Teemaschine stehen und Blätter, Kräuter und Gewürze mahlen – diese Tätigkeiten bestimmen die Tage des Pfarrers im Konzentrationslager. Es ist ein schweres und staubiges Geschäft. Sie bricht den Priester zwar gesundheitlich, aber nicht in seiner Überzeugung. Er lebt seinen Glauben weiter, spendet seinen Mithäftlingen Trost und Hoffnung. Von der Arbeit ausgelaugte Inhaftiere lässt Anton Maria Fränznick verdeckt unter Zeitungen in seiner Teestube ausruhen. Weihnachten 1943 hält er in der Hauskapelle des Priesterblocks die Ansprache: "Wenn meine Seele Flügel hätte, flöge sie heute nicht nur nach Bethlehem, sie flöge auch in die Heimat und zu all den Lieben."

Anton Maria Fränznick hat sie und seine Pfarrgemeinde nicht mehr wiedergesehen. Am 27. Januar 1944 ist er in Dachau gestorben. Er soll gelächelt haben.

Die Informationen über das Leben von Anton Fränznick stammen aus der Broschüre "Pfarrer Anton Maria Fränznick" von Dieter Heck, erschienen im Verlag Schnell & Steiner, Regensburg. Das Heft ist entweder im Pfarrhaus Bollschweil oder über den Verlag Schnell & Steiner, vertrieb@schnell-und-steiner.de, Tel. 0941/7878050, zu bekommen und kostet drei Euro.


Mehr zum Thema:

BZ-Interview: Der gebürtige Bollschweiler Oskar Mangold erinnert sich: Er hat bei Pfarrer Anton Fränznick ministriert