Immer mehr Kinder im Ort

Gabriele Hennicke

Von Gabriele Hennicke

Di, 24. Juli 2018

Bollschweil

Bollschweil sucht weitere Möglichkeiten für die Betreuung.

BOLLSCHWEIL. Die Deutschen bekommen wieder mehr Nachwuchs. Auch in Bollschweil nehmen die Kinderzahlen zu, und zwar in höherem Ausmaß als erwartet. Spätestens im März 2019 muss die katholische Kindertagesstätte St. Josef eine zusätzliche Gruppe eröffnen, damit die Gemeinde den Rechtsanspruch auf einen Kindergartenplatz für jedes Kind erfüllen kann, besser wären gleich zwei. Seit Monaten suchen Kindergarten, Gemeinde, Gemeinderat und Kindergartenträger nach einer Lösung. Doch die ist nicht in Sicht.

Petra Zähringer, Kindergartengeschäftsführerin der Verrechnungsstelle für Katholische Kirchengemeinden in Stegen erläuterte das Problem: Die Betriebserlaubnis der Kita bezieht sich auf 67 Kinder im Alter von über drei Jahren (Ü3) und 20 Kinder unter drei Jahren (U3). Rechne man für das im September startende Kindergartenjahr nur die über Dreijährigen zusammen, komme man auf 84 Bollschweiler Kinder, die im Laufe des Kindergartenjahres 2018/2019 einen Rechtsanspruch auf einen Kitaplatz haben, erklärte sie. Eine ganze Gruppe fehle also. Für 2019/2020 gebe es einen ähnlichen Bedarf.

In dieser Rechnung noch nicht berücksichtigt seien der Zuzug, Geflüchtete, die der Gemeinde zugewiesen werden, die Innenverdichtung und die künftigen Bewohner im gerade in Planung befindlichen Baugebiet Südlich General-von-Holzing-Straße.

Auch die Krippenkinder bräuchten möglichst bald eine weitere Gruppe, so die Kindergartenbeauftragte. "Wir haben das Problem in allen Gemeinden im Speckgürtel von Freiburg. Das Statistische Landesamt prognostiziert für die nächsten Jahre stetig steigende Kinderzahlen", sagte Zähringer.

Schon seit einigen Monaten beschäftigt sich eine Gruppe aus Vertretern von Kindergarten, Gemeinde, Gemeinderat und Kindergartenträger mit dem Architekten Richard Stoll mit der Frage, wie man möglichst schnell Platz für wenigstens eine Gruppe mit 20 Kindern schaffen kann. Viele Optionen hat man erwogen. Ein Anbau links ans bestehende Gebäude sei nicht sinnvoll, weil davon das neue Wohngebiet und der städtebauliche Wettbewerb betroffen wären. Ein Vorbau links an der Straße gehe nicht, weil dort früher eine Trafostation stand und der Untergrund voller Leitungen liegt. Eine zusätzliche Unterkellerung sei genauso wenig möglich wie eine Aufstockung des Gebäudes, erläuterte Stoll. Ein zusätzliches Geschoss würde einen Aufzug und umfangreiche Brandschutzmaßnahmen erfordern und sei deshalb zu teuer.

Christiane Leurher hatte als Vertreterin des Gemeinderats an den Sitzungen teilgenommen. Sie lobte, wie auch Kita-Leiterin Pia Asal, die konstruktive Zusammenarbeit aller Beteiligten. Diskutiert wurde im weiteren Verlauf die Frage, ob die Kita-Waldgruppe in einen Waldkindergarten umgewandelt werden könne. Die an zwei Tagen stattfindende Waldgruppe werde sehr gut von Kindern und Eltern angenommen, sagte Asal, gerade die Kombination von Wald und normalem Kita-Angebot sei das, was die Eltern wollten. Eine reine Waldgruppe hingegen sei von Seiten der Erzdiözese nicht gewollt.

Man müsse also zumindest kurzfristig als Übergangslösung an eine Auslagerung von einer oder zwei Gruppen denken, sagte Bürgermeister Josef Schweizer. Gedacht sei an die Möhlinhalle, während eine Nutzung des Kuckucksbades und seines großen Geländes nicht möglich sei, weil es sich im Gewerbegebiet befindet. Auch die Nutzung vorhandener Container zur Unterbringung von Geflüchteten sei nicht möglich. Diese müssten komplett umgebaut werden. Leider könne er momentan keine Lösung präsentieren, sagte der Bürgermeister, aber man bleibe dran, der Handlungsbedarf sei hoch.

Im Nachhinein war zu erfahren, dass auch Gespräche mit Vertretern des Waldkindergartens Haselmäuse in Ehrenkirchen stattfinden.