Klassischer Jazz und Bigband-Sound

Anne Freyer

Von Anne Freyer

Di, 10. Juli 2018

Bollschweil

Die Trachtenkapelle begeistert im Hof des Bollschweiler Schlosses mit zum lauen Sommerabend passender Musik.

BOLLSCHWEIL. Der Titel "Jazz an einem Sommerabend" ist zwar schon vergeben, und das vielfach, passt aber bestens auch zum diesjährigen Konzert der Trachtenkapelle im Hof des Bollschweiler Schlosses. Und auch sonst passte alles perfekt zur schwungvollen Musik: das Wetter, die Bewirtung, die festliche Stimmung.

Ganz in elegantem Schwarz präsentierten sich die Musiker der Trachtenkapelle Bollschweil – die Damen im Kleinen Schwarzen mit sparsam gesetzten roten Akzenten, die Herren im Anzug. Das kam gut an beim Publikum, dessen hochgesteckte Erwartungen womöglich noch übertroffen wurden. Denn die Trachtenkapelle mit ihrem Dirigenten Carl-Philipp Rombach zeigte sich nicht nur ihrem selbstgesteckten Ziel, die weltbekannten Melodien des klassischen Jazz werkgetreu umzusetzen, gewachsen, sondern übertraf die Erwartungen noch.

Es zeigte sich, dass eine gut ausgestattete Kapelle schnell und scheinbar mühelos zur Bigband mutieren kann, dank der hervorragenden Spielerqualitäten ihrer Mitglieder, geleitet von einem Dirigenten, der in allen Genres und Stilrichtungen zu Hause ist. Charmant und stilsicher war auch die Moderation durch Patricia Schneider. Sie lieferte so manche interessante und amüsante Information zu den Stücken, die für diesen Abend ausgesucht worden waren. Sie wusste zu berichten, dass Henry Mancini die schmissige Melodie "It had better be tonight" bereits 1963 komponiert hatte, die wenig später als Titelmusik zur Serie "Pink Panther" in die Filmgeschichte eingehen sollte. Das melancholische Stück "Misty" sei seinem Schöpfer Errol Garner auf einem Flug durch vernebelnde Wolken eingefallen; mit seinem Trompetensolo gab Simeon Maas diese Stimmung passend wieder.

Viel zu tun hatten an den Percussions die Spezialisten im Hintergrund, kenntlich an ihren roten Hosenträgern, bei Glenn Millers "Mondscheinserenade" – im Verlauf des Abends glänzten sie noch öfter mit Schlagzeug, Vibraphon, Trommeln, Bongos und anderen Rhythmusinstrumenten, um dem Spiel des Ensembles die entscheidende Würze zu verleihen. Aber auch die einzelnen Register erhielten Gelegenheit, sich eindrucksvoll in Szene zu setzen.

Und immer wieder gab es begeisternde Soli zu hören, so etwa von den beiden Saxophonistinnen Karina Dischinger und Brigitte Weber, die Georges Gershwins mitreißende Erinnerung an eine große Liebe mit dem Titel "They can’t take that away from me" nun auch im Bollschweiler Schlosshof erklingen ließ.

Da war die Sonne, die zu Beginn mit ihren letzten Strahlen noch den Giebel des Reitstalls vergoldet hatte, bereits hinter den Ölberg gesunken; romantisches Dämmerlicht verschönte "Benny Goodmans Memories" mit einem Klarinettensolo von Sabrina Schmutz, bevor es in die Pause ging, blieb aber noch eine ganze Weile erhalten.

"Three Inventions (Drei Erfindungen)" von Pi Scheffer empfingen das frischgestärkte Publikum, bevor es Arthur Hamiltons "Cry me a river" zu hören bekam. Viele Sänger haben sich, bis hin zu Justin Timberlake, an dieser gesanglichen Herausforderung versucht, unvergessen bleibt jedoch die Interpretation durch Barbra Streisand, die damit ihre Weltkarriere begründete, sensibel nachempfunden von Anna Zähringer am Saxophon.

Ähnlich legendär wurde Jimmy Walkers "Mr. Bojangles", dem Samy Davis junior seinen unverwechselbaren Stempel aufdrückte, an diesem herrlichen Sommerabend interpretiert von Berthold Schweizer, ebenfalls am Saxophon. Aber auch die Posaune hat einiges an Strahlkraft zu bieten, wie Jarek Weiser mit "Feeling Good" aus einem selten gespielten Musical bewies. Mit der flotten Schlussnummer "Birdland" war jedoch noch lange nicht Schluss – nicht weniger als drei Zugaben erklatschte sich das begeisterte Publikum.