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14. Dezember 2009
"Lasset uns frohlocken"
Die "Fan-Gemeinde" beim Adventskonzert in der St. Ulricher Pfarrkirche wächst
BOLLSCHWEIL-ST. ULRICH. Eine liebevoll zusammengestelltes Programm, umgesetzt auf hohem Niveau und in einem Rahmen, der nicht passender sein könnte, erwartet Besucher seit Jahren beim Adventskonzert in der St. Ulricher Pfarrkirche Peter und Paul. Das spricht sich herum, von Jahr zu Jahr wird die "Fan-Gemeinde" größer.
Auch diesmal verfehlte die Einladung ihre Wirkung nicht: Aus weitem Umkreis waren Musikbegeisterte gekommen und füllten die Kirche bis auf den letzten Platz. Und wer bis zum Konzert noch keine rechten Weihnachtsgefühle entwickelt hatte, wurde hier aufs Schönste auf das Fest eingestimmt. Mit einer Toccata von Andrea Bonelli eröffnete die Trachtenkapelle, die in ihren hübschen Trachten im Altarraum der Barockkirche Platz genommen hatte. Das Motiv dieses Werks aus der Hochzeit der Renaissance nahm Andreas Mölder an der Orgel auf: Kunstvoll ziseliert kamen die zuvor so machtvoll durch die Tutti angeschlagenen Töne nun daher. Den Möglichkeiten der wundervollen Metzler-Orgel wurde der Organist mit seinem virtuosen Spiel wieder einmal mehr als gerecht.Werbung
Aus neuerer Zeit, aber durchaus passend zum zuvor Gehörten, war das Choralpräludium "Oh schönes Morgenlicht" von dem erst vor wenigen Jahren verstorbenen William P. Latham, das Michael Stecher zusammen mit der Trachtenkapelle anschließend zu intonierte. Unter dem Motto "Advent - Warten auf die Ankunft des Herrn" ließen die St. Ulricher Sängerinnen und Sänger, Kirchenchor und Kinderchor, ihre Stimmen erschallen. Nach dem gemeinsam von Chor und Gemeinde gesungenen "Macht hoch die Tür, die Tor macht weit" ließ Andreas Mölder zusammen mit dem Kirchenchor drei Werke erklingen, die in drei ganz verschiedenen Epochen entstanden waren, aber in dieser Folge wunderbar zusammenpassten: Die Cantate "O komm, o komm, Emanuel" nach einer Melodie aus dem 15. Jahrhundert und von David Wilcocks 1979 neu bearbeitet, der durch Martin Luther bekannt gewordene Choral "Nun kommt der Heiden Heiland" in einer Fassung von Johann Crüger und den gesungenen Psalm "Machet die Tore weit", vertont von Andreas Hammerschmidt im 17. Jahrhundert. Beglückend war zu spüren, in wie hohem Maße nicht nur der Dirigent, sondern auch die Sänger mit ihrem außergewöhnlichen Stimmenmaterial verinnerlicht hatten, was mit diesen musikalischen Werken beabsichtigt war: tief empfundene Glaubensinhalte hörbar zu machen. Dass sich dieser Geist bereits auf den Nachwuchs übertragen lässt, bewies der vielköpfige Kinderchor, ebenfalls von Andreas Mölder geleitet.
Mit großer Begeisterung folgten auch die Kleinsten seinem Dirigat. Mit den beschwingten Weisen hatte Mölder eine erfreulich kindgerechte Auswahl getroffen, und auch dem kindlichen Bewegungsdrang wurde Rechnung getragen: Da wiegte man sich schon mal untergehakt im Takt, und zwar durchgängig im richtigen, da wurde kontrolliert geklatscht und der Text mit entsprechenden Gesten unterstrichen. Das machte Spaß, lenkte aber nicht vom Singen ab, sondern kam im Gegenteil der Sangesfreude entgegen. Unterstützt von einem Teil des Kirchenchors durften die Kinder das "Sei stille dem Herrn" von Felix Mendelssohn Bartholdy anstimmen und so auf den Fortgang des Programms vorbereiten, worin dieser Komponist noch eine große Rolle spielen sollte. Zuvor gab es zwei Suiten von Henry Purcell, dem wohl typischsten Vertreter englischer Musik aus dem Hochbarock, mit den Sätzen "Air", "Hornpipe", "Rondeau" und nochmals "Air" von der bestens für diesen hohen Anspruch gerüsteten Trachtenkapelle zu hören.
Ganz Mendelssohn und Georg Friedrich Händel war der zweite große Auftritt der Chöre gewidmet mit Weihnachtsmusiken beider Komponisten: "Tochter Zion, freue dich", "Lasset uns frohlocken", "Hört der Engel Chöre singen" und, aus Händels englischer Glanzzeit, "Joy to the world, the Lord is come". Die Trachtenkapelle schloss den Kreis mit dem Andante aus dem Trompetenkonzert in Es-Dur von Joseph Haydn und dem sicher von Roman Gutmann vorgetragenen Trompetensolo sowie einem Tonwerk, das als Eurovisions-Erkennungsmelodie Popularität erlangte, worüber sein Ursprung fast in Vergessenheit geriet: Marc-Antoine Charpentiers "Te Deum". In St. Ulrich war sie nun in ihrer ganzen Schönheit und Fülle zu genießen und bildete den passenden Abschluss eines gleichzeitig abwechslungsreichen und stimmigen Konzerts.
Autor: Anne Freyer
