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25. November 2011

"Man merkt, dass die Chemie stimmt"

Trachtenkapelle Bollschweil lud zum Jahreskonzert in die Möhlinhalle / Goldenes Leistungsabzeichen für Philipp Büche.

  1. Das Leistungsabzeichen in Gold erhielt Philipp Büche von Hellmut Blaudszun (links). Es gratulierte Meinrad Grammelspacher. Foto: Anne Freyer

BOLLSCHWEIL (fry). Einen Abend voller Höhepunkte hatte die Trachtenkapelle für ihr Jahreskonzert 2011 versprochen - die Erwartungen eines aus weitem Umkreis angereisten Publikums waren entsprechend hoch, wurden aber womöglich noch übertroffen. In der bis ins Foyer hinaus dicht gefüllten Möhlinhalle begeisterte ein bestens aufgestelltes und vorbereitetes Orchester unter der Leitung seines Dirigenten Carl-Philipp Rombach mit Musikstücken aus unterschiedlichen Stilrichtungen.

Schon der Auftritt der Jugendkapelle Bollschweil-St. Ulrich machte deutlich, wie viel Sorgfalt bei der Trachtenkapelle Bollschweil auf die Ausbildung des Nachwuchses verwandt wird. Der Hinweis von Hanspeter Moll in seiner Begrüßung auf die kurze gemeinsame Probenzeit von sechs Wochen rief allgemeines Staunen hervor. Carl-Philipp Rombach, der selbst dirigierte, war es gelungen, die rund 30 Mädchen und Buben unterschiedlicher Altersstufen auf ein einheitliches Niveau zu bringen, so dass die eingeübten Musikstücke frisch, schwungvoll und frei von Unsicherheit daherkamen, besonders die stürmisch geforderte Zugabe, ein Boogie-Woogie in schönster Bigband-Manier. Die jungen Instrumentalisten waren namentlich auf einer eigenen Besetzungsliste samt den entsprechenden Instrumenten aufgeführt, was die Identifikation der einzelnen Instrumente erleichterte, eine gute Idee.

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Nicht weniger als 45 Mitglieder zählt die Trachtenkapelle Bollschweil mit ihrer eindrucksvollen Vielfalt an Instrumenten: Querflöte, Klarinette, Altsaxophon, verschiedene Hörner, Trompete, Posaune und Tuba. Als Soloinstrumente reihen sich ein die Oboe, das Fagott, die Bassklarinette, das Tenor- und Sopransaxophon sowie das Bariton-Saxophon, letzteres gespielt vom Vereinsvorsitzenden Meinrad Grammelspacher. Allein das Schlagzeug und die verschiedenen Rhythmusinstrumente beschäftigen nicht weniger als fünf schlagkräftige junge Männer. Als Gäste waren am Kontrabass Max Trommsdorf, am Klavier Paul Förster und am Cello Friederike Arnold, alle Freiburg, dabei.

Hanspeter Moll dankte allen Sponsoren und Förderern der Trachtenkapelle für ihre teils jahrelange Unterstützung, nicht zuletzt bei der Finanzierung der kostbaren Instrumente.

Mit viel Witz und interessantem Hintergrundwissen führte das Moderatorenduo Dagmar Wiesler und Patricia Schneider durch das Programm, eröffnet mit der "Little Concert Suite" von Alfred Reed. Als "Lobhymne mit Sogwirkung" erwies sich Percy Alridge Graingers "Irish Tune from Country Derry", als idealer Begleiter die Kapelle beim Auftritt des ersten der drei Solisten aus den eigenen Reihen, die erst kürzlich das Leistungsabzeichen in Gold des Bundes deutscher Blasmusik abgelegt hatten: Philipp Büche. Er glänzte mit dem Euphonium, das, so Patricia Schneider, im Ensemblejargon auch schon mal scherzhaft "Ferkelbass" genannt wird. Vom Vizepräsidenten des Markgräfler Musikverbandes, Hellmut Blaudszun, bekam der junge Solist an diesem Abend das Goldene Leistungsabzeichen verliehen, das seine beiden Mitstreiter schon bei einer früheren Gelegenheit überreicht bekommen hatten.

Aber auch sie hatten ihren großen Auftritt: Anna Ruf, Querflöte, mit dem "Concertino Classico" von Philip Sparke und Lucas Grammelspacher mit seinem Solo für Marimbaphon von Alfred Reed. Hellmut Blaudszun lobte das exakte Zusammenspiel und gratulierte zu dieser "reifen Leistung, bei der man merkt, dass die Chemie stimmt". Das Publikum honorierte mit stürmischem Beifall die ausgereiften Darbietungen, zu denen Carl-Philipp Rombach seine Trachtenkapelle inspiriert hatte.

Etwas ganz Neues wagten er und seine Musiker, verstärkt durch die Freiburger Gäste, mit einem Ausflug in die Klangwelten Mexikos, Kubas und Argentiniens. Damit bewiesen sie nicht nur Mut, sondern auch, dass es möglich ist, sich als Mitteleuropäer in ungewohnte Rhythmen wie Tango, Rumba, Salsa oder Merengue mit ihren winzigen, aber vertrackten Abweichungen vom herkömmlichen Viervierteltakt einzufühlen. Schön auch der Ausflug in die große Oper: Giuseppe Verdi und die "Highlights aus La Traviata", für Blasmusik arrangiert, gaben sich die Ehre. Jacob de Haans "Pacific Dreams" beschloss stilvoll das Programm, bevor das Publikum stehend mehrere Zugaben forderte und bekam.

Autor: fry