Nach Sonnenaufgang zur Safari

Ralph Fautz

Von Ralph Fautz

Di, 27. November 2018

Bollschweil

Carl-Philipp Rombach dirigiert ein letztes Mal das Jahreskonzert des Musikvereins in Bollschweil / Suche nach Nachfolger läuft.

BOLLSCHWEIL. Drei Ehrungen, zwei Zugaben und ein Abschied – das Jahreskonzert des Musikvereins Bollschweil am Samstag in der Möhlinhalle war ein unvergesslicher Abend mit toller musikalischer Leistung. Das letzte Konzert unter Dirigent Carl-Philipp Rombach bot eine Glanzleistung an breitem musikalischen Können. Wer Rombach nachfolgt, wird sich nächstes Jahr zeigen.

Die goldenen Zwanziger blühten für einige Minuten auf, und fast schien es, als sei der Altmeister des Stummfilms jener Zeit – Charlie Chaplin mit Schnauzbart, Melone, Regenschirm und übergroßen Schuhen – im Raum. Komponist Marcel Peters orchestrierte die zahlreichen Filmmelodien zu einem harmonisch, bisweilen flottem Medley. Die Blechbläser brachten den Schwung hinein, den die Saxophonisten aufgriffen und klanglich vollendeten. Rhythmische Untermalung boten die Schlaginstrumente und das übrige Blasmusikorchester.

"Sunrise and Safari" entführte die Gäste ins ferne Singapur und ließ sie – in starkem Kontrast zum kalten Novemberwetter und den Abendstunden – einen spannenden Tag in Asien erwarten. Dieser begann mit einem Sonnenaufgang und einer friedvollen Ruhe, wie sie der geschäftige Stadtstaat eigentlich nicht erwarten lässt. Die Überraschungen und ungewohnten Klänge zogen sich aber wie ein roter Faden durch das anspruchsvolle Stück, das die Musiker bravourös meisterten. Die geheimnisvolle Melodie, die den Sonnenaufgang klanglich malte, trat langsam aus den – von Flöten gespielten – Vogelstimmen hervor und kulminierte in einer klanglichen Welle, deren Brechen sich mehrmals andeutete, ehe sie sich ergoss und das Publikum mitriss.

Auch der zweite Teil, die Safari, hatte es in sich: Gefahren hier, Überraschungen da. Das Affengebrüll klang zwar schräg, war aber so gewollt und ließ die Gäste einen kurzen Moment erschreckt um sich schauen. Was da wohl gerade im Gebüsch auf die Safaritouristen blickte? Die Noten mit ihrer schnellen Taktung forderten das Orchester und ließen hier einen weiten Interpretationsspielraum.

Dass diese musikalischen Glanzleistungen gelingen konnten, war nicht zuletzt Carl-Philipp Rombach zu verdanken. In seinen acht Jahren als Dirigent brachte er mehrere musikalische Stilrichtungen ein und fand schnell die richtige Mischung zwischen Fördern und Fordern. Das Ergebnis konnte sich sehen lassen – und das nicht nur am Samstagabend. Der Höhepunkt unter den Höhepunkten seiner musikalischen Leitung in Bollschweil dürfte das vergangene Jahreskonzert gewesen sein, sagte Vorsitzender Julian Büche in einer kurzen Ansprache. Damals habe der Musikverein zusammen mit dem örtlichen Männergesangverein und der in Bollschweil lebenden und international auftretenden britischen Opernsängerin Julia Thornton an zwei Abenden mit dem selben Programm die Halle gefüllt.

Rombach, Berufsmusiker und studierter Hornist im Basler Symphonieorchester, absolviert ein vierjähriges berufsbegleitendes Aufbaustudium für Dirigenten an der Musikakademie in Staufen. Er wird ab Februar den Musikverein in Egringen bei Kandern dirigieren. Nach acht Jahren sei es Zeit für einen Wechsel, Zeit für neue Herausforderungen, sagte er. Wer neuer Dirigent in Bollschweil werde, zeige sich in den nächsten Wochen. Das Auswahlverfahren laufe.

Ehrungen: Für seine 25 Jahre im Verein wurde Schlagzeuger Markus Schneider mit der Ehrennadel in Silber ausgezeichnet. Deren Pendant in Gold bekamen Meinrad Grammelspacher (Saxophon) und Klaus Weber (Tuba). Sie sind seit 50 Jahren aktive Musiker. Nach einer kleinen Laudatio überreichte Bernhard Metzger, Präsident des Markgräfler Musikverbandes, die Auszeichnungen.