Oden an die Jahreszeiten von Franz Schubert

Anne Freyer

Von Anne Freyer

Di, 16. Mai 2017

Bollschweil

"Schubertiade" im Bollschweiler Gasthaus Bolando zieht Musikfreunde aus dem weiteren Umkreis an.

BOLLSCHWEIL. Musikfreunde aus dem weiteren Umkreis hatte die Ankündigung der "Schubertiade" ins Gasthaus Bolando nach Bollschweil gelockt. Das Konzept der Initiatorin Julia Thornton ging auf – begeistert feierte das Publikum ein Programm, das von einheimischen und international bekannten Künstlern gemeinsam gestaltet wurde.

Als eine Zeit der Beschaulichkeit, des Glücks im stillen Winkel, der Entdeckung der Natur und ihrer Wunder ist die "Romantik" genannte Ära in die Geschichte eingegangen. Als einer der typischen Repräsentanten dieser Epoche gilt Franz Schubert, dessen Werke zu seinen Lebzeiten nur einem relativ kleinen Kreis Musikbegeisterter bekannt waren. Erst lange nach seinem frühen Tod – er wurde nur 31 Jahre alt und starb 1828 – nahm die Welt sein überragendes Talent wahr. "Stirb du erstmal, dann wirst du berühmt", soll ein Zeitgenosse einmal zu ihm gesagt haben, erzählte Fritz Haege in seiner Rückschau auf das Leben des Komponisten und seine Zeit, die später verklärend "Biedermeier" genannt wurde, in Wahrheit aber von Bevormundung durch die Kirche und Bespitzelung durch die staatlichen Institutionen geprägt war. Es war der Kreis seiner Freunde, der ihn trug, finanziell unterstützte, ihm Wohnung gab, Geselligkeit bot und mit ihm zusammen seine Lieder – insgesamt mehr als 600 – sang, viele davon in Wirtshäusern. Wer kennt sie nicht, die als "Kunstlieder" bekannt gewordenen Oden an die Jahreszeiten, die stimmungsvollen Sonnenauf- und Untergänge, die teils der Arbeitswelt, teils der Freizeitgestaltung zuzurechnenden Betätigungen, allen voran "Das Wandern". So lautet denn auch der Titel eines der drei Lieder aus dem Zyklus "Die schöne Müllerin", die ein Mitglied des Männergesangvereins Bolschweil-Sölden, Manuel Marc, zusammen mit dessen Leiter Fritz Haege am Klavier eindrucksvoll umsetzte. Zuvor hatte der ganze Chor bereits das "Abendrot" besungen.

Nicht nur jahreszeitlich bedingt spielte "Der Frühling" eine dominante Rolle; Julia Thornton sang ihn mit ihrem strahlenden Sopran geradezu herbei. "Der Frühling will kommen, der Frühling, meine Freud..." – einfacher, aber auch treffender kann man es nicht sagen (und er ist ja dann tatsächlich auch gekommen).

Schubert hatte aber auch ernste, ja geradezu dunkle Momente, denen er ebenfalls Ausdruck verlieh, etwa mit "Auf dem Strom", in Bollschweil interpretiert durch die Sängerin zusammen mit ihren berühmten Gästen Mark Drobinsky am Cello, und Simon Adda-Ryss am Flügel.

Zweiter Teil des Abends gehört den Gastsolisten

Mit ihm und der vielversprechenden Nachwuchs-Klarinettistin Anja Gutmann aus St. Ulrich interpretierte sie außerdem "Der Hirt auf dem Felsen", eines der beiden Lieder, mit denen Schubert einst den Rahmen des bloßen Klavierliedes überschritt und großen Erfolg erntete.

Der zweite Teil des Abends gehörte ganz den Gastsolisten, die auf der Bühne des Bolando nach dem Klavier-Solo mit Themen und Variationen aus der a-Moll-Sonate die Sonate in drei Sätzen "Arpeggione", benannt nach einem fast vergessenen Instrument, zu Gehör brachten. Großer Beifall.