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08. Dezember 2011

"Öffne dich, mein ganzes Herze"

Adventskonzert in der Pfarrkirche St. Peter und Paul St. Ulrich mit Trachtenkapelle, Kirchenchor und Kinderchor.

  1. Der Kirchenchor mit seiner Solistin Veronika Lutz. Sie freuten sich über den Erfolg, zu dem sie gemeinsam beigetragen hatten: die Trachtenkapelle, der Kirchenchor und der Kinderchor. Foto: Anne Freyer

BOLLSCHWEIL-ST.ULRICH (fry). Es gibt eine treue Fangemeinde, für die Advent erst mit dem Adventskonzert in der Pfarrkirche St. Peter und Paul zu St. Ulrich beginnt. Warum das so ist, wurde auch in diesem Jahr wieder offenbar: Musikverein, Kirchenchor und Kinderchor boten mit ihren kundigen Dirigenten ein Programm, das nicht nur durch die glückliche Auswahl der einzelnen Teile, sondern auch durch die große Könnerschaft in der Umsetzung und den professionellen Ablauf ohne unnötige Pausen überzeugte.

Dicht an dicht füllten die Besucher, viele aus der weiteren Umgebung, die festlich erleuchtete Barockkirche, als die Trachtenkapelle mit der "Toccata und Noblesse" das Konzert eröffnete. Ihr Leiter Michael Stecher hatte für den Auftakt nicht ein Werk aus der Barockzeit, sondern einen zeitgenössischen Komponisten ausgewählt, Franco Cesarini, Jahrgang 1961. Ebenfalls eher der Neuzeit zuzurechnen: Bernard Zweers, dessen Choral aus der Sinfonie Nr. 3 von der bestens harmonierenden Trachtenkapelle intoniert wurde. Ganz klassisch hingegen der Auftritt des Kirchenchors mit einem Auszug aus Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium mit dem Text von Paul Gerhardt "Wie soll ich dich empfangen". Aber auch der Chor wandte sich anschließend Komponisten zu, die einige Jahrhunderte nach dem großen Bach gelebt und gewirkt haben: Eduard Karl Nössler, der den Jesaja-Text "Tröstet mein Volk . .." vertont hat, und einem Kirchenmusiker des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, Johann Georg Zerzog, mit seiner Vertonung "Macht hoch die Tür".

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Wie liebevoll und sorgfältig schon in frühen Jahren mit der Nachwuchspflege begonnen und umgegangen wird, bewies Andreas Mölder mit dem Kinderchor, dessen sechs Jüngste einen eigenen Auftritt hatten mit dem anrührenden Lied "Das Licht einer Kerze". Zusammen mit den Großen schmetterten sie dann "Schmückt das Haus", eine Übersetzung des traditionellen englischen Weihnachtsliedes "Deck the Hall", zu dem bestens eine Kantate für junge Leute nach der "Weihnachtsgeschichte" von Charles Dickens passte, die den menschenfeindlichen, am Schluss aber geläuterten Mister Scrooge zum Thema hat.

Das kam alles sehr schwungvoll und sicher daher – ein akustischer und optischer Genuss. Mit Tempowechseln und angedeuteten Synkopen hatte es schließlich das jugendliche Quintett zu tun, das sich einen Teil des Oratoriums "Adam" vorgenommen hatte und diese Aufgabe bestens bewältigte. Ganz ohne Bach konnte auch die Trachtenkapelle nicht sein – sie umrahmte Andreas Mölders eigenwillige, in Teilen atonale und insgesamt interessante Orgel-Improvisation mit "Schafe können sicher weiden" aus der Kantate BWV 208 und "Wachet auf, ruft uns die Stimme", Kantate BWV 140.

Johann Sebastian Bachs die Kantate "Nun komm, der Heiden Heiland" brachte der Kirchenchor St. Ulrich mit allen sechs Sätzen zu Gehör – und damit den Geist und die Frömmigkeit des Barocks in die Pfarrkirche.

Andreas Mölder hatte sich bei der Einstudierung für Solisten und Chor eng an die Urfassung gehalten und sang selbst die Bass-Partie im vierten Satz, dem Recitativo "Siehe, ich stehe.. .". Sein Studienkollege Eduard Wagner zeigte sich glänzend der Aufgabe gewachsen, die er spontan für den ursprünglich vorgesehenen und erkrankten Tenor übernommen hatte, mit den Sätzen zwei und drei "Der Heiland ist gekommen" und "Komm, Jesu, komm".

Und dann hatte die Gemeinde die Freude, wieder einmal die wundervolle Stimme der jungen Sopranistin Veronika Lutz zu hören mit der Aria "Öffne dich, mein ganzes Herze", bevor der gesamte Chor den Schlusschoral anstimmte. Noch einmal zog die Trachtenkapelle mit Frank Ericksons moderner "Toccata" alle Register, bis das Publikum – endlich! – seiner Begeisterung freien Lauf lassen durfte mit nicht enden wollendem Beifall.

Autor: Anne Freyer